Im Kölner XPERION traf sich am 5. Dezember die deutsche eSport-Szene zum German Esports Summit. Bundesministerin Dorothee Bär von der CSU eröffnete per Videobotschaft und erklärte: "Der Summit beweist: eSport ist mehr als nur ein Spiel oder Wettbewerb."
CDU-Politiker Nathanael Liminski sprach vom "politischen Meilenstein" der sich anbahnenden Gemeinnützigkeit. Und blickte noch weiter in die Zukunft: "Wenn 2027 Olympische eSport-Spiele stattfinden, dann sollte auch eine deutsche Mannschaft am Start sein."
Rund 120 Akteurinnen und Akteure aus Branche, Politik und Verbänden hörten zu - der Untertitel "Ciao eSport-Winter" setzte den Ton.
Ein Gesetz, zehn Jahre zu spät - jetzt zählt der Alltag
Die Gemeinnützigkeit war der eigentliche Star des Tages. Nach Jahren des Wartens hatte der Bundestag beschlossen, eSport in die Abgabenordnung aufzunehmen - nach mehreren Koalitionsverträgen, in denen das Versprechen stand, ohne dass etwas passierte.
Für Vereine bedeutet das: Aussicht auf Steuervergünstigungen, Spendenquittungen und besseren Zugang zu Fördermitteln - also genau jene Hebel, die Rechtsanwalt Dr. Oliver Daum im Frühjahr 2024 als Kern der Debatte beschrieben hatte.
In den Panels rückte der Summit dann den Blick nach vorn. Diskutiert wurden Formate wie Olympic Esports Games und Esports Nations Cup, ihre Rolle für Verbände, Teams und Austragungsorte - und die Frage, wo Deutschland in dieser internationalen Landschaft stehen wolle.
Pioniere von SK Gaming und der ESL FACEIT Group brachten ihre Perspektive ein, dazu nutzten Unternehmen wie die Bergische Krankenkasse, eine Hotelkette und eine Gaming-Versicherung die Bühne, um eSport als Schnittstelle zu anderen Branchen zu bespielen.
In Workshops ging es um Datenschutz, Nachwuchsförderung und Betting - jene Themen, an denen sich im Alltag zeigen würde, ob Gemeinnützigkeit mehr als ein politisches Schlagwort blieb.
Gemeinnützigkeit als Startschuss, nicht als Endpunkt
ESBD-Präsident Christopher Flato zog zum Schluss ein positives Fazit: "Der German Esports Summit hat deutlich gemacht, dass der deutsche eSport selbst in anspruchsvollen Zeiten enger zusammenrückt. Die entstehenden Synergien stärken unsere Rolle im internationalen Wettbewerb. Mit der nun angestoßenen Gemeinnützigkeit setzt auch die Politik ein klares Signal: eSport ist gelebte digitale Kultur und ein verbindendes Element für Millionen Menschen."
Im Saal passte das Bild: Verband, Politik, Vereine und Sponsoren saßen an einem Tisch, vom Bundes- bis zum Landesniveau. Klar war aber auch: Der Summit zeigte vor allem den organisierten eSport - große Teile der Szene spielen weiter in Strukturen, die mit dem ESBD nur lose verbunden sind.
Zwischen Visionen und Wirklichkeit - Köln als Stimmungstest
Besonders weit voraus blickte Liminski mit seinem Olympia-Satz. Ob 2027 tatsächlich Olympische eSport-Spiele stattfinden werden, ist mehr als fraglich - das Format befindet sich eher wieder in der Konzeptphase.
Olympia taugte damit vor allem als Projektionsfläche: als Zielbild für Nationalteams, Förderlogik und mediale Aufmerksamkeit. Für die Vereine im Alltag ist die Frage dringlicher, ob sie mit der neuen Rechtslage überhaupt Personal, Räume und Jugendarbeit stabil finanzieren können - und wie viel Bürokratie sie sich dafür ans Bein binden.
Am Ende blieb der German Esports Summit 2025 ein doppeltes Signal. Die Politik hatte mit der Gemeinnützigkeit geliefert, nachdem Expertinnen und Experten wie Daum jahrelang bemängelt hatten, "nicht mal der erste Schritt" sei gemacht worden.
Gleichzeitig zeigte das Treffen in Köln, dass der nächste Schritt nicht im Gesetzblatt, sondern im Maschinenraum des eSports liegt: in Finanzämtern, die nachvollziehbar entscheiden; in Vereinen, die die neuen Möglichkeiten nutzen; und in Verbänden, die die vielen Inseln der Szene verbinden.
Erst wenn davon auf kommunaler Ebene etwas ankommt, dürfte aus "Ciao eSport-Winter" mehr werden als eine freundliche Bühnenzeile. Bis dahin war der Summit: wichtig - aber vor allem der Start einer langen To-do-Liste.