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49-WM-Silbermedaillen, viel Wasserverdrängung und die defensiven Fähigkeiten als entscheidender Faktor

kicker

Torhüter: Viel Erfahrung, sieben WM-Silbermedaillen und Qualität aus der NHL

Leonardo Genoni, Reto Berra und Akira Schmid werden die Schweizer Nationalmannschaft an den Olympischen Winterspielen zwischen den Pfosten vertreten. Rund einen Monat vor Beginn des Turniers ist es nicht ganz so einfach zu definieren, wie die Hierarchie im Tor der Schweiz aussehen wird. Am meisten Erfahrung bringt zweifelsohne Leonardo Genoni mit, er zeigte über die Jahre in der Nati auch die konstantesten Leistungen und ist der verdiente Gewinner von drei WM-Silbermedaillen (nur 2013 war er nicht mit von der Partie). Es werden seine dritten Olympischen Winterspiele sein und einzig an 2018 dürfte er nicht die besten Erinnerungen haben. Damals ging er als Nummer eins ins Turnier, verlor diesen Posten allerdings an Jonas Hiller, der anschliessend seine Karriere in der Nati beendete.

Auch für Reto Berra ist es die dritte Teilnahme an Olympischen Winterspielen. Der 39-Jährige war 2018 in Pyeongchang nicht mit von der Partie, dafür 2014 Teil des letzten Teams, als NHL-Spieler mit nach Russland gefahren sind. Er fehlte im letzten Sommer an der WM in Dänemark und Schweden, war dafür 2013 Teil der Silberhelden und kommt auch auf drei Silbermedaillen. In der aktuellen Saison weist er die zweitbeste Fangquote der National-League-Torhüter auf und kommt aufgerundet auf 92.5 Prozent gehaltene Torschüsse. Genoni steht bei einer Fangquote von 91.6 Prozent.

Das Goalie-Trio wird durch Akira Schmid komplettiert, der 2024 Teil des WM-Silberteams war und in dieser Saison bereits auf 21 Einsätze für die Vegas Golden Knights kommt. Er weist eine Fangquote von 89.4% auf und absolvierte noch nie mehr Partien in einer NHL-Regular-Season. Zum Zeitpunkt des Aufgebots darf damit gerechnet werden, dass Leonardo Genoni wohl mit einem kleinen Vorteil ins Rennen um die Position des Stammtorhüters gehen wird, schlicht basierend auf den gezeigten Leistungen in den letzten zehn und mehr Jahren. Bei einem unsicheren Auftritt werden Schmid und Berra aber direkt auf eine Chance hoffen dürfen. Die Qualität des Schweizer Goalie-Trios ist beeindruckend.

Nicht Teil des Olympiakaders sind Sandro Aeschlimann (HC Davos), Stephane Charlin (Geneve-Servette HC) oder Connor Hughes (Lausanne HC). Die drei Torhüter haben in den letzten Jahren genauso auf sich aufmerksam gemacht, wie Kevin Pasche (Lausanne HC), konnten in der Nationalmannschaft aber nie dieselbe Konstanz abrufen, wie ein Leonardo Genoni oder ein Reto Berra. Bei den Olympischen Winterspielen 2030 in den französischen Alpen dürften sie aber erneut Teil der Diskussion um einen der drei Plätze sein.

Defensive: 17 WM-Silbermedaillen und viel Wasserverdrängung

In der Defensive waren die drei Schweizer NHL-Stars, Roman Josi, Janis Moser und Jonas Siegenthaler gesetzt. Sie sind seit mehreren Jahren Stammspieler in der weltweit besten Liga und es gab keine Zweifel an ihrer Nominierung. Zusammen kommen sie auf eine Erfahrung von über 1'600 NHL-Spielen und bringen die nötige Qualität mit, um die Nati mindestens um ein Niveau besser zu machen. Gemeinsam haben sie sechs WM-Silbermedaillen gewonnen.

Vor den Olympischen Winterspielen durfte man davon ausgehen, dass Patrick Fischer acht Verteidiger mitnehmen würde, es gab also Platz für fünf aus der National League. Dean Kukan und Andrea Glauser gehörten in den vergangenen Jahren zu den konstantesten NL-Spielern und haben sich mit ihren Leistungen einen Kaderplatz verdient. Auch Michael Fora galt als gesetzt, weil seine Wasserverdrängung in der Defensive für die Nati von grosser Wichtigkeit ist und er unter Fischer zu den Stammspielern gehört.

Es gab also noch zwei vakante Plätze im Olympia-Team der Schweizer Nati und die gingen an Tim Bern und an Christian Marti. In die Röhre schauen mussten Lukas Frick, Sven Jung, Romain Loeffel oder auch Dominik Egli. Gerade bei Lukas Frick ist das eher überraschend, da der 31-Jährige in Davos eine überragende Saison zeigt und der produktivste Schweizer NL-Verteidiger ist. Hier ist augenscheinlich, dass Fischer die defensive Arbeit in den Mittelpunkt gestellt hatte und auch einen gewissen Wert auf die Wasserverdrängung legte. Gerade auf dem kleinen Spielfeld gegen die überragenden NHL-Spieler könnte das ein wichtiger Schachzug sein. So müssen die eher kleineren, offensiv starken Schweizer Verteidiger zu Hause bleiben.

Offensive: Viel NHL-Power, 25 WM-Silbermedaillen und eine kleine Überraschung

Kommen wir zu den 14 Stürmern, bei denen Nico Hischier, Kevin Fiala, Timo Meier, Nino Niederreiter und Pius Suter aus der NHL gesetzt waren. Ein kleines Fragezeichen könnte es hinter Philipp Kurashev gegeben haben, nachdem er eine schwache letzte Saison eingezogen hatte. In dieser Spielzeit läuft es dem 26-Jährigen bei den San Jose Sharks deutlich besser und deshalb kann maximal von einem kleinen Fragezeichen die Rede sein. Zusammen kommen sie auf zwölf WM-Silbermedaillen. Pius Suter ist der einzige im Schweizer Olympia-Kader, der nie eine Silbermedaille gewonnen hat. Diese Fraktion aus Nordamerika bringt viel NHL-Power mit und ist mit ein Grund, weshalb sich die Nati vor den grossen Nationen auf gar keinen Fall verstecken muss.

Aus der National League waren vor den Olympischen Spielen Sven Andrighetto und Denis Malgin gesetzt. Sie bringen die offensive Power mit, welche sonst nur von NHL-Spielern ausgestrahlt wird. Die beiden ZSC-Stürmer waren zuletzt auch Stammgäste bei der Nati und traten bei den letzten grossen Turnieren positiv in Erscheinung.

An den SWISS Ice Hockey Games in Zürich im vergangenen Dezember spielten sich Calvin Thürkauf und Damien Riat in den Mittelpunkt. Die beiden wussten mit ihren Leistungen in der Offensive, aber auch in der Defensive, zu überzeugen, brachten viel Wucht im Forechecking mit und konnten, falls es denn überhaupt welche gab, die letzten Zweifel aus Patrick Fischers Gedächtnis streichen. Gerade Thürkauf bringt auch die bereits erwähnte Wasserverdrängung und NHL-Erfahrung mit.

Komplettiert wird der Kader durch Christoph Bertschy, Sandro Schmid (beide HC Friborug-Gotteron), Simon Knak (HC Davos) und Ken Jäger (Lausanne HC). Bertschy ist schon lange dabei, für seine Geschwindigkeit und Hartnäckigkeit in der Offensive bekannt, und er wird auch an den Olympischen Winterspielen mit seiner Spielweise dem Gegner unter die Haut gehen. Gerade die defensive Komponente dürfte bei ihm für das Aufgebot entscheidend gewesen sein. Ken Jäger, Simon Knak und Sandro Schmid gehören zur jungen Garde und wussten an der letzten WM zu überzeugen. Dort dürften sie sich mit ihren erfrischenden Leistungen auch das Ticket für die Olympischen Winterspiele gesichert haben. Am ehesten ist die Nominierung von Ken Jäger überraschend, der in dieser Saison beim Lausanne HC offensiv nicht in Form kommt und erst bei vier Scorerpunkten (in 29 NL-Partien) steht.

In den sauren Apfel mussten hingegen Theo Rochette (Lausanne HC) oder Luca Fazzini (HC Lugano) beissen. Sie sind die beiden produktivsten Schweizer in der National League, konnten Patrick Fischer aber nicht vollends überzeugen. Am Ende dürften die defensiven Fähigkeiten über Nominierung und Nicht-Nominierung entschieden haben. Zusammen mit Enzo Corvi, der aus der Nati zurückgetreten ist, fehlen damit die drei produktivsten NL-Schweizer der aktuellen Saison im Olympia-Kader. Dario Rohrbach, Gregory Hofmann oder Tyler Moy gehören ebenfalls zu den Verlierern im Kampf um einen Olympia-Platz und unterstreichen den Faktor, dass bei der Nominierung viel Wert auf die defensiven Fähigkeiten gelegt wurde.