Insgesamt 15 Spieler aus DEL, sechs aus der NHL, derzeit drei aus deren Farmliga AHL sowie ein Spieler aus der Schweizer National League stehen im Aufgebot, das der Verband dem DOSB formell erst einmal zur Nominierung vorschlug. Dabei setzten der Bundestrainer sowie DEB-Sportdirektor Christian Künast, die laut Kreis zusammen hauptverantwortlich für die personellen Entscheidungen trugen, insbesondere auf den Faktor internationale Erfahrung.
Warum - nicht ganz unerwartet - gerade von den derzeit besten zehn deutschen Punktesammlern in der DEL nur zwei im Kader stehen, erklärt der 66-Jährige so: "Durch die Spieler aus Nordamerika, die alle zu den Top-Sechs-Stürmern gehören, ist die Erwägung bei den Rollen auf Vielseitigkeit gelegen", so Kreis, der dabei gerade die Center-Position im Auge hatte: "Wir haben acht Spieler dabei, die potenziell Mittelstürmer spielen können. Das war uns wichtig. Dazu haben wir Spieler, die auch defensive, verantwortungsvolle Rolle übernehmen nehmen können, nominiert. Zudem haben wir wegen der kleinen Eisfläche auf körperliche Robustheit geachtet."
Szubers Nichtnominierung "keine einfache Entscheidung"
Zu Härtefällen kam es indes bei der Nominierung insbesondere beim mutmaßlichen Schwachpunkt Defensive. Hinter Starverteidiger Moritz Seider von den Detroit Red Wings spielt derzeit kein weiterer deutscher Verteidiger in der NHL. Dem am nächsten kommt Max Szuber, der bei den Tucson Roadrunners in der AHL, dem Farmteam des NHL-Klubs Utah Mammoth, bei dem auch Stürmer J.J. Peterka aktiv ist, eine tragende Rolle innehat.
Trotzdem verzichtete Kreis auf den 23-Jährigen, was "keine einfache Entscheidung" gewesen sei. So vermied es der Bundestrainer auch, die Kriterien bezüglich der Nichtnominierung bei der reinen Qualität der Akteure zu verorten: "Wir fanden, dass die Spieler, die wir nominiert haben, ich will nicht sagen besser waren, aber dass es die passendere Mischung an Verteidigern für uns war."
Eine weitere kleine Überraschung war zudem, dass auch Ingolstadts Leon Hüttl im Kader fehlt, in dem aus der DEL nur Spieler der Branchengrößen Eisbären Berlin, Adler Mannheim, Kölner Haie und des EHC Red Bull München stehen.
Kreis: Tür für weitere Nachrücker bleibt offen
Dass Erfahrung und langjährige Dienste im Nationalteam ein große Rolle bei der Auswahl spielten, verhehlte Kreis nicht. Beispiel Moritz Müller: "Er spielt in dieser Saison eine gute Rolle in Köln. Er war jahrelang immer im Nationalteam dabei und wir haben beim Deutschland-Cup in Landshut seine Persönlichkeit als Führungsspieler - egal, ob auf dem Eis, der Bank und in der Kabine - wieder erlebt. Aber vordergründig ist sein Einsatz und die Art und Weise seines Spiels im Moment", betonte der Coach hinsichtlich des bereits 39-jährigen Kölners.
Ähnliches gilt für das Tor, wo der zuletzt von häufigeren Ausfällen geplagte Mathias Niederberger den Vorzug unter anderem vor dem in Nordamerika aufstrebenden Arno Tiefensee (Texas Stars/AHL) erhielt. "Niederberger war immer eine Säule der Nationalmannschaft war, ist es noch und wird es noch eine Zeitlang sein", meinte Kreis.
Dass Namen wie Tiefensee, Szuber oder Hüttl sogar im achtköpfigen Trainingskader für die Olympia-Vorbereitung fehlen, sei aber hinsichtlich potenzieller Nachrücker im Fall von Verletzungen nicht zwingend als Tendenz zu deuten, betonte Kreis gleich mehrfach. "Das schließt nicht aus, dass andere Spieler nicht auch als Nachrücker in Frage kommen." Die Olympia-Tür bleibt also auch für Spieler, die nicht im heute präsentierten Olympia-Kader, oder dem für das Camp in Bozen stehen, noch einen Spalt breit offen.
Wissmann & Co: "Alle sind in sehr guter Verfassung"
Mit dem nach einer Achillessehenverletzung langfristig ausgefallenen Kai Wissmann, der noch ohne Saisoneinsatz ist, sowie Korbinian Geibel, Niederberger oder auch Tobias Rieder stehen einige Spieler im Kader, die in der Spielzeit 2025/26 über längere Phasen verletzt ausfielen. Hier liege der Fokus vor allem auf dem körperlichen Zustand und die Fitness der Akteure.
"Wir waren im intensiven Austausch in Sachen Reha, den aktuellen Stand der Dinge und wann die Spieler zurück im Lineup sind. Rieder hat 20 Spiele gespielt, Kai noch kein Spiel. Aber wir sind überzeugt, dass alle auf vier oder fünf Spiele kommen werden, bevor es ins Trainingslager geht. Eines wissen wir: Sie sind in sehr guter körperlicher Verfassung. Es kommt kein Spieler, der noch eine Verletzung mit sich bringt."
Entscheidung erst in Mailand: Wer wird Kapitän?
Offen ließ Kreis zunächst die Kapitänsfrage und die, der möglichen Assistenten. "Wer die Buchstaben tragen wird, haben wir noch nicht festgelegt. Das wollen wir erst vor Ort festlegen, wenn wir die Vorbereitung gesehen haben." Infrage kommen mehrere Kandidaten. So fungierte Moritz Müller bei den vergangenen großen Turnieren der letzten Jahre stets als Kapitän. Bei der WM 2025, die Müller verletzt verpasste, trug Seider das "C" auf der Brust.
Mehr als nur denkbar ist allerdings natürlich, dass Deutschlands Eishockey-Superstar Leon Draisaitl in Mailand als Kapitän auftreten wird. Für dem 30-Jährigen wird das in Norditalien nicht nur seine ersten Olympischen Spiele überhaupt sein, sondern auch sein erstes großes Turnier im DEB-Trikot seit der WM 2019.