Die Vegas Golden Knights sind jung. Gemessen an dem, was sie bereits erreicht haben, fast schon zu jung. Andere Franchises warten Jahrzehnte auf einen Titel. Vegas hat sich diese Zeit einfach nicht genommen.
Während Teams normalerweise über Jahre oder sogar Jahrzehnte darum kämpfen, überhaupt relevant zu werden, hat Vegas die üblichen Gesetze des Sports beinahe ignoriert.
Wieder steht die Mannschaft im Finale um den Stanley Cup. Und wieder wirkt es fast selbstverständlich. Gegner in der Serie sind die Carolina Hurricanes.
Dabei war die Grundidee alles andere als selbstverständlich. Eishockey in der Wüste, mitten in Las Vegas, das klang für viele eher nach einer dieser Ideen, über die man kurz lacht und dann vergisst.
Die Golden Knights haben daraus eine der interessantesten Geschichten gemacht, die der nordamerikanische Profisport in den letzten Jahren zu bieten hatte.
Der eigentliche Wendepunkt kam noch vor dem ersten Heimspiel. Nach dem Anschlag im Oktober 2017, bei dem in Vegas 58 Menschen getötet wurden, wurde aus einem neuen Sportteam plötzlich etwas anderes. Die Golden Knights wurden zu einer Art Trost für eine ganze Stadt, zu einem neuen Fixpunkt.
Sportlich folgte dann eine erste Saison, die bis heute kaum zu erklären ist. Spieler, die anderswo Ergänzungsspieler gewesen waren, fanden zueinander, das Märchen nahm seinen unglaublichen Lauf. Am Ende stand das Stanley-Cup-Finale, und das bereits in Jahr eins.
So etwas passiert eigentlich nicht. Die Golden Knights schafften es trotzdem. Auch wenn der ganz große Wurf zunächst ausblieb und es im Finale eine Niederlage setzte.
Dieser frühe Erfolg hat die Franchise geprägt. Vegas entschied sich gegen Geduld. Statt jahrelang Talente aufzubauen, wurde investiert, getauscht, umgebaut. Beliebte Spieler wurden abgegeben, wenn es die Kaderplanung verlangte.
In Vegas gibt es eigentlich nur eine Frage: Macht uns das besser? Wenn ja, wird gehandelt. Das ist eine Mentalität, die in Nordamerika gleichermaßen respektiert und kritisch gesehen wird: Alles ist dem Titelgewinn untergeordnet. "Win-now-Modus" nennt man das.
General Manager Kelly McCrimmon betonte, dass die Golden Knights ihre ambitionierte Herangehensweise nie versteckt hätten.
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"Wir gehen beim Salary Cap aggressiv vor“, sagte McCrimmon. "So führen wir unser Geschäft. Und ich glaube, dass uns genau diese Herangehensweise viele positive Ergebnisse gebracht hat."
2023 zahlte sich das aus. Der Stanley Cup ging nach Nevada. Und nun steht Vegas wieder im Finale, als wäre es das Normalste der Welt. Für eine Franchise, die es seit knapp einem Jahrzehnt gibt, ist das eigentlich eine Unverschämtheit. Aber eine ziemlich beeindruckende.
Teambesitzer Bill Foley, ein erfolgreicher Geschäftsmann, hatte seinen "All-in"-Ansatz aus der Wirtschaft auch bei den Golden Knights implementiert. Die Bilanz neben den beiden Teilnahmen an den Finalserien kann sich ebenso sehen lassen: Seit dem NHL-Einstieg hat die Franchise fünf Divisionstitel gewonnen und fünfmal das Conference-Finale erreicht.
"Sport ist noch größer als das, was man im Geschäftsleben erreicht“, sagte Foley bei The Athletic nach dem Titelgewinn. "Wirklich. Wir haben die Besten der Besten geschlagen. Dann kam diese riesige Feier. Die Jungs sind komplett ausgeflippt. Es war einfach ein unglaubliches Erlebnis. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt."
Foley sieht einen wichtigen Faktor für den Erfolg auch in den Rahmenbedingungen, die die Organisation bietet. "Die Spieler wollen gar nicht mehr weg“, sagte er. "Sobald sie hierherkommen, unsere Einrichtungen sehen, unsere Arena erleben und merken, wie wir uns um Spieler, Scouts und Trainer kümmern, merken sie, dass hier alle an einem Strang ziehen. Dann wollen sie nicht mehr weg."
Dass die Golden Knights nun schon wieder im Finale stehen, zeigt vor allem eines: Vegas ist längst keine Überraschungsgeschichte mehr. Aus einem belächelten Expansion-Team wurde innerhalb weniger Jahre eine feste Macht in der NHL. Und genau das dürfte viele traditionelle Franchises am meisten ärgern: Die Golden Knights haben für ihren Aufstieg keine Generation gebraucht. Ihnen reichten ein paar Jahre.
Die Vegas Golden Knights erreichten direkt in ihrer Premierensaison sensationell das Stanley-Cup-Finale. Dort traf das Team auf die Washington Capitals um Superstar Alexander Ovechkin. Und war schlussendlich unterlegen.
Ergebnisse der Finalserie 2018:
Serienstand: Washington gewinnt 4:1
Fünf Jahre später kehrten die Golden Knights zurück ins Finale. Gegner waren die Florida Panthers. Die Serie wurde zu einer klaren Angelegenheit und zum Triumphzug.
Ergebnisse der Finalserie 2023:
Serienstand: Vegas gewinnt 4:1