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Der Entdecker der Stars von Underground of Berlin: Frank Friedrichs, der Profi-Macher

Lesezeit: 5 Min.
Änis Ben-Hatira (l.) mit seinem Entdecker und Mentor Frank Friedrichs

Frank Friedrichs sitzt vor einer wahrlich imposanten Bücherwand und lacht. "Alles nur Show", sagt er gleich zum Beginn eines sehr langen, sehr ausführlichen Zoom-Calls mit DAZN. Friedrichs ist der Mann hinter den Talenten von Underground of Berlin, ihr ehemaliger Trainer, Ziehvater, Mentor, Freund. Und eine Instanz im Berliner Fußball.

Seit über 20 Jahren bewegt sich Friedrichs durch die Hallen und über die Plätze der Hauptstadt. Nach den Anfängen bei TeBe hat er in drei Jahren bei den Reinickendorfer Füchsen erstmals für Aufsehen gesorgt. Mit den Füchsen wirbelte er in den jüngeren Jahrgangsstufen den Berliner Fußball gehörig durcheinander, aus einigen der größten Talente der Stadt formte Friedrichs funktionierende Mannschaften und machte sich für höhere Aufgaben interessant.

Hertha BSC war im Begriff, seine Jugendmannschaften neu zu strukturieren und auszurichten. Klassische Nachwuchsleistungszentren wie man sie heute kennt, gab es Ende der 90er-Jahre noch nicht. Was die Arbeit einerseits erschwerte: Es gab keine Konzepte oder klare Leitplanken, nichts, an dem man sich hätte orientieren können. Andererseits war dieses große, weiße Blatt Papier aber auch ein Segen für die Verantwortlichen und Trainer damals. "Man konnte Dinge auch mal ausprobieren. Und wenn es dann kaum oder gar nicht funktionierte, hat man es eben wieder sein lassen", sagt Friedrichs, der insgesamt fünf Jahre lang bei der Hertha gearbeitet und mitgeholfen hat, alle fünf Protagonisten des DAZN Originals zu Bundesligaspielern zu formen.

Underground of Berlin Trailer Titelbild 06122021

Vom chaotischen Käfig in Friedrichs geplantes Training

Die Anfänge der Zusammenarbeit mit den Jungs lagen aber nicht im Berliner Westend, sondern etwas weiter nördlich im Bezirk Reinickendorf. "Frank Friedrichs war der Erste, der mir so richtige, krasse Fußballschuhe gegeben hat", erinnert sich Änis Ben-Hatira. Vor allen Dingen hat Friedrichs seinen Spielern bei den Füchsen aber so etwas wie einen Plan vom Fußball gegeben. Friedrichs orientierte sich in seinen Anfängen an den Inhalten der Ajax-Fußballschule, mit choreographierten Abläufen und einem einschleifenden Training mit vielen Wiederholungen.

Neuland für die Kids aus dem Käfig, die bis dahin und in ihren früheren Vereinen klare Strukturen und so etwas wie ein ausgeklügeltes Trainingsprinzip nicht kannten. "Hinterlaufen, kreuzen und so Geschichten, das war schon interessant", sagt Chinedu Ede. "Davor beim BAK (Berliner Athletik-Klub 07, Anm. d. Red.) hat irgendein Vater trainiert, ein paar Pylonen aufgestellt, das war kein richtiges Training." Aber das bei den Füchsen, das war richtiges Training.

"An meinem ersten Trainingstag bei den Füchsen hat mein Profileben angefangen. Was wir damals beigebracht bekommen haben, hatten wir den Leuten voraus", sagt Ben-Hatira. Sätze wie dieser sind von allen Beteiligten der Dokumentation immer wieder zu hören, der große Respekt und auch die Dankbarkeit für die Arbeit von Frank Friedrichs schimmern dabei durch. "Frank Friedrichs hat es geschafft, ein Zuhause zu bilden", sagt Thaddaeus Koroma. "Der kam nicht an und hat uns gesagt, wie wir denken sollen. Er hat uns Freiraum geboten. Einem kleinen Jungen erlaubt zu wachsen, ohne dass er dir sagt, wie du wachsen musst. Nur wenn du komplett aus der Bahn gefahren bist, hat er dich wieder eingesammelt und eine klare Linie gezogen."

"Die Vereine treten nicht mehr in Kontakt mit externen Dienstleistern"

Mehr als ein Jahrzehnt hat sich Friedrichs in verschiedenen Klubs um die Talente seiner Stadt gekümmert, seit fast 20 Jahren macht er dies nun selbstständig. 2002 gründete er das "Berliner Champions Camp", aus dem dann später die "Fußball-Stadt Berlin" wurde. Ein sinniger Name für die größte Fußballschule der Hauptstadt. Friedrichs bietet dort Individual- und Kleingruppentraining an, für die älteren Jahrgänge auch Athletik- und ein Personaltraining. Aktuell betreut er zusammen mit seinem Team rund 100 Kinder und Jugendliche aus allen Altersstufen. Und er macht gar keinen Hehl daraus, in seine Trainingsinhalte das mittlerweile eher verpönte Drilltraining einfließen zu lassen.

"Man kann den Jugendlichen körperlich schon einiges mehr zutrauen, als das in einem NLZ vielleicht der Fall wäre. Die Spieler müssen auch lernen zu beißen", sagt Friedrichs, der den Fall eines Spielers aus einem Berliner Nachwuchsleistungszentrum erzählt, der lange bei ihm trainierte. Und dem dieses zusätzliche Training von Seiten des Klubs nun aber offenbar untersagt wurde. Konflikte wie diesen gäbe es immer wieder und Friedrichs stört dabei die fehlende Kommunikation der großen Klubs. "Mittlerweile ist es die Regel, dass die Vereine gar nicht mehr in Kontakt mit externen Dienstleistern treten. Dabei könnte man damit einige Dinge für den Spieler vielleicht sogar zielgenauer konzipieren."

Aus Friedrichs Fußballschule schafften es rund 30 Spieler in den Profibereich

Friedrichs Expertise sollte jedenfalls nicht in Frage stehen. Spieler aus seiner Fußballschule haben es als Spieler in rund 30 Profi-Klubs im In- und Ausland geschafft, von Hertha BSC über den FC Bayern, Borussia Dortmund oder den 1. FC Köln bis zum FC Porto und zum AC Milan. Mehr als 150 haben aus der Fußball-Stadt Berlin den Sprung in ein deutsches Nachwuchsleistungszentrum geschafft.

Ab und an denke er nochmal darüber nach, wie es wohl wäre, wieder in einem Nachwuchsleistungszentrum zu arbeiten. Besonders lange hält er sich mit dem Gedanken dann aber nicht auf: "Zu viele Normen, zu wenig Flexibilität." Frank Friedrichs bleibt wohl weiter ein Einzelkämpfer, der Berliner Kinder und Jugendliche groß machen und zu besseren Fußballspielern und Menschen ausbilden will.

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