Es ist die Krux einer Zweitvertretung, dass ihr in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so viel Beachtung geschenkt wird. Dem SV Meppen II ergeht das in der Oberliga Niedersachsen nicht anders. "Jeder weiß bei uns im Verein, dass nur die Erste zählt", redet Carsten Stammermann gar nicht drumherum. Für den Trainer der U 23 ist das Okay. Er kennt seine Rolle. Und kann dabei durchaus selbstbewusst auftreten.
Denn fast ein wenig unbeachtet sind die Meppener grandios in die Saison gestartet: drei Spiele, drei Siege. Makellos. "Ich bin selbst noch dabei, mir das zu erklären", muss Stammermann schmunzeln. Erst im Sommer hatte der 56-Jährige die Mannschaft von Tobias Bartels übernommen. Bartels, ehemaliger Spieler der Zweiten, war sieben Jahre lang Coach des SV Meppen II und führte diesen vor zwei Jahren in die Oberliga. "Wir haben den Vorteil, dass wir es geschafft haben, die zweite Mannschaft dahin zu bringen, wo sie hingehört", hebt Stammermann hervor.
Kraftakt im Sommer
Die Oberliga sei der ideale Unterbau für die Regionalliga, wobei das erklärte Ziel in Meppen die Rückkehr der Profis in die 3. Liga ist. Auch deshalb "zählt im Verein in vielen kleinen Dingen immer nur die erste Mannschaft". Jetzt geht es für den "Unterbau" in die dritte Oberliga-Spielzeit. Nach Platz 9 und 7 in den vergangenen beiden Jahren könnte man meinen, dass das Saisonziel dieses Mal höher angesiedelt ist. "Nee, absolut nicht", wiegelt Stammermann ab.
Als er im Sommer von der U 19 kommend den Job übernahm, stand er vor einem Kraftakt. Die Position des Sportlichen Leiters im Verein war vakant. David Vrzogic war kurz zuvor freigestellt worden. So musste der gerade eingesetzte Trainer den neuen Kader mehr oder weniger alleine bauen. "Es ist unser Glück, dass wir überhaupt einen Kader zusammenbekommen haben. Der Etat bei uns ist nicht so, dass man reich wird, wenn man in der zweiten Mannschaft spielt." Ein Anreiz für einige Neue ist, sich über die Zweite womöglich für die Regionalliga-Truppe zu empfehlen.
"Damit können wir locken." Wie gewaltig der Umbruch ausfiel, belegen Zahlen: Gleich zwölf Spieler verließen den Verein. Fünf alleine gingen zu Eintracht Nordhorn in die Landesliga. Die Beweggründe, in eine Klasse tiefer zu wechseln, kann man sich zurechtlegen. Der hochbegabte Felix Golkowski ging zu Liga-Konkurrent und Nachbar SC Spelle-Venhaus. "All das hat uns wehgetan und dann haben noch einige erfahrene Spieler aufgehört", beschreibt Stammermann die Situation. Neben neun Akteuren, die geblieben sind, kamen acht neue von extern, sechs wurden aus der U 19 hochgezogen, die in der DFB-Nachwuchsliga auf höchstem Niveau gespielt hat.
30 Endspiele
"Das Team hat ein völlig anderes Gesicht. Es war die Jahre zuvor eine gewachsene Mannschaft und jetzt ist es eine gänzlich neue und junge", erklärt der A-Lizenz-Inhaber. Der Altersdurchschnitt liegt bei 21 Jahren. Der älteste Spieler ist 26. "Ich habe der Mannschaft zu Beginn der Saison gesagt: "Wir sind neu, wir sind jung, wir sind unerfahren. Ihr müsst es so sehen, dass es 30 Endspiele sind. Es geht darum, jedes Endspiel zu gewinnen."
Die ersten Partien hätten ihm gezeigt, dass der SVM konkurrenzfähig ist. "Die neun Punkte sind nicht glücklich, sondern verdient zustande gekommen." Luftschlösser baut in Meppen deshalb aber keiner. Es gehe weiterhin nur um den Klassenerhalt. Dieses Jahr sei ein Lehrjahr. "Wenn wir es überstehen, wäre das für die weitere Entwicklung ein großer Schritt", meint Stammermann und lobt den Zusammenhalt im Team.
Drei Endspiele haben die Emsländer bereits gewonnen, um im Tenor zu bleiben. Am Samstag kommt nun mit dem SV Wilhelmshaven ein Gegner nach Meppen, der mit sieben Punkten auch gut in die Saison gestartet ist. "Das ist eine Mannschaft, die in völlig anderen Sphären schwebt als wir, vom Drumherum, vom Etat, von den Leuten her. Wenn ich sehe, wer da alles spielt. Das ist mit uns überhaupt nicht zu vergleichen", blickt Stammermann auf die kommenden Gäste und sieht sich als Außenseiter. Es wäre aber eine tolle Geschichte, ein solches Spitzenspiel. Und er hätte auch nichts dagegen, das vierte Endspiel in Folge zu gewinnen. Sollte es tatsächlich so kommen, dürfte der U 23 des SV Meppen spätestens dann zunehmend Beachtung geschenkt werden.