Fehlercode: %{errorCode}

Achraf Hakimi: Der Assistgeber

kicker

Nur noch wenige Tage bis zum Start der Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. In Marokko ruhen die Hoffnungen auf Achraf Hakimi. Ein umfassender Blick auf den amtierenden afrikanischen Fußballer des Jahres.

Werdegang

Langen Anlauf brauchte Hakimi schon als Kind nicht, um aufzufallen: Ein Jahr nachdem der älteste Sohn einer Reinigungskraft und eines Straßenverkäufers in Getafe mit dem Fußball begonnen hatte, holte Real Madrid den damals Siebenjährigen in seine Akademie. In "La Fabrica" fiel Hakimi in jeder Nachwuchsmannschaft auf, sodass es nur eine Frage der Zeit war, bis er für die erste Mannschaft der Blancos debütieren würde. Seine Premiere feierte er im Alter von 18 Jahren am 1. Oktober 2017.

Doch der große Durchbruch gelang ihm zunächst nicht - vor allem, weil Daniel Carvajal als Rechtsverteidiger unantastbar war. Auf der Suche nach mehr Spielpraxis ließ er sich zu Borussia Dortmund ausleihen und avancierte prompt zum Shootingstar der Bundesliga. Die Leistungen weckten Begehrlichkeiten bei vielen europäischen Top-Klubs, nur nicht bei "seinem" Real. Dort gehörte der Platz hinten rechts eben weiter Carvajal.

Daher ging es über Inter (eine Saison), das 43 Millionen Euro für ihn in die spanische Hauptstadt überwiesen hatte, für satte 68 Millionen Euro 2021 nach Paris, wo er seine fußballerische Heimat fand. Mit PSG gewann er in jeder Spielzeit die Meisterschaft und 2025 sogar die Champions League, die er am Samstag verteidigen kann. Wie groß sein Einfluss auf die Triumphe war, verdeutlicht seine Wahl zu Afrikas Fußballer des Jahres - als erster Verteidiger seit Bwanga Tshimen im Jahr 1973.

Spielweise

Wenn fußballbegeisterte Zuschauer über die besten Außenverteidiger diskutieren, darf ein Name nicht fehlen: Hakimi. Der Marokkaner stellt den Prototypen eines modernen rechten Abwehrspielers dar. Er schaltet sich neben seiner Hauptaufgabe in der Defensive fast bei jedem Angriff auch in die Offensive ein und sorgt dort mit seiner hohen Geschwindigkeit für viel Gefahr - allerdings nicht mehr wie zu Beginn seiner Karriere nur mit Tiefenläufen auf der Außenbahn, sondern auch in etwas zentralerer Position. So spielte Hakimi 31 seiner 93 Pässe im vergangenen Finale der Champions League gegen Inter aus dem rechten Halbraum - zwischen der Höhe des Elfmeterpunkts und der rechten Strafraumkante.

In diesen Bereichen kommen ihm seine technischen Qualitäten auf engstem Raum sowie die clevere Entscheidungsfindung zugute und machen ihn damit zum perfekten Spieler für das sehr variabel ausgelegte 4-3-3 von PSG. Kein Wunder, dass Luis Enrique im November 2024 nach einem 1:0 in Lens bei der Nennung seines Stürmers auch den nominellen Außenverteidiger aufzählte. "Wer spielt die Nummer neun: Ousmane (Dembelé), Bradley (Barcola), Fabian (Ruiz), Hakimi?", so der Coach.

Stats

Jeder Angreifer dürfte sich einen Außenverteidiger wie Hakimi in seinem Team wünschen. Dies unterstreicht allein schon eine Statistik in der Champions League. In zwölf Spielen lieferte der gebürtige Madrilene acht Vorlagen. Gemeinsamer Bestwert mit Michael Olise und Vinicius Junior, wobei die beiden Offensivspieler auch in mehr Partien auf dem Platz standen (13 Spiele Olise, 14 Vinicius Junior im Vergleich zu Hakimis zwölf). Bis zum nächsten Verteidiger in der Liste muss weit nach unten gescrollt werden. Konrad Laimer folgt erst mit vier Assists.

Dabei hilft Hakimi vor allem sein enormes Tempo. So blitzte ihn die UEFA in der laufenden Spielzeit schon mit 37,03 km/h. Die Mischung aus seiner Explosivität und der Fähigkeit, die Intensität des Sprints lange aufrechtzuerhalten, bereitet den Gegenspielern Probleme.

Rolle bei der WM

Hakimi ist ein Volksheld in Marokko und der Star der Atlas-Löwen. Wenig überraschend führt der 27-Jährige den WM-Halbfinalisten von 2022 als Kapitän aufs Feld und dürfte bei einer Wiederholung des Erfolgs - sofern er sich nicht verletzt - die Marke von 100 Länderspielen knacken (aktuell steht der Defensivspieler bei 95). Zeitnah nach diesem Meilenstein wird sich Hakimi wohl auch zum Rekordspieler seines Landes krönen. Diesen Titel trägt aktuell Noureddine Naybet mit 115 Einsätzen.

In der Nationelf ist Hakimis Einfluss aufs Spiel noch etwas höher als bei PSG - und das, obwohl er seine Rolle klassischer interpretiert. Er agiert zwar deutlich näher an der Seitenlinie, hat dafür aber durchschnittlich mehr Ballkontakte als auf Klubebene (102/93).

Neben seiner fußballerischen Stärke entwickelte Hakimi in den vergangenen Jahren auch Führungsqualitäten, wie beispielsweise seine Ernennung zum zweiten Kapitän von PSG bestätigt. Diese sind gerade in den K.-o.-Spielen gefragt, um seinen Mitspielern ein wenig vom großen Druck aus der Heimat - die Verantwortlichen des Fußballverbands möchten spätestens 2030 Weltmeister werden - zu nehmen.

BOSS-Moment

In Spielen, die für Hakimi eine besondere Bedeutung besitzen, dreht der Abwehrspieler auf. So gehörte er gegen seinen ehemaligen Verein Inter im Endspiel der Königsklasse 2024/25, das er mit seinem Tor in der 12. Minute eröffnet hatte, zu den besten Akteuren (kicker-Note 1,5). Seinen BOSS-Moment erlebte er aber im Nationaltrikot: Hakimi verwandelte im WM-Achtelfinale 2022 gegen Spanien, sein Geburtsland, den entscheidenden Elfmeter - und zwar ganz cool mit einem "Panenka-Elfmeter": In einem Moment des größtmöglichen Drucks für einen Fußballspieler chippte er den Ball lässig in die Tormitte und machte damit die WM-Sensation perfekt. Eine solche Nervenstärke, gepaart mit dem großen Anteil am historischen Einzug ins WM-Halbfinale, machten ihn in Marokko zu einem echten Boss. Eine Fortsetzung könnte in diesem Sommer folgen ...