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Ahlen in Asien: Was macht ein Oberligist in Taiwan?

kicker

Zehn Tage Trainingslager, 9.400 Kilometer fern der Heimat, ein internationaler Pokalsieg - und das als Oberligist. Was nach einer ungewöhnlichen Sommergeschichte klingt, wurde für Rot Weiss Ahlen zur Realität. Beim "International Taichung Meteorite Cup" in Taiwan schrieb der Klub ein Kapitel, das weit über den Fußball hinausgeht.

"Als die Einladung kam, waren wir zunächst zurückhaltend - man weiß ja nie, ob da wirklich Substanz dahintersteckt", sagt Dennis Kocker, Sportvorstand des Klubs. "Aber die Organisatoren haben Wort gehalten - vom ersten Kontakt bis zur Abreise. Ohne die vollständige Kostenübernahme wäre die Reise für uns nie möglich gewesen."

Dass Rot Weiss Ahlen überhaupt nach Fernost eingeladen wurde, verdankt der Verein einer Mischung aus Zufall und Vereinsgeschichte. Ein Influencer mit früherer Profierfahrung in Taiwan und guten Kontakten vor Ort brachte den Klub ins Spiel. Ausgangspunkt war ein in Deutschland organisiertes Turnier für Content Creators, das Rot Weiss Ahlen Anfang Juli ausrichtete.

Auch der BVB war im Gespräch

Ursprünglich hatten die Organisatoren größere Vereine wie Borussia Dortmund im Blick - diese sagten jedoch ab. Über den Influencer rückte RW Ahlen in den Fokus, auch wegen seiner Historie als Ausbildungsverein von Nationalspielern wie Marco Reus und Kevin Großkreutz. Zwar waren die ehemaligen BVB-Profis weder in die Planungen noch in die Organisation eingebunden, doch ihre bekannten Namen öffnen auch weiterhin viele Türen und Möglichkeiten, die der Klub beim Schopfe packte.

Cheftrainer Luka Tankulic konnte aus beruflichen Gründen nicht mitreisen, steuerte das Team jedoch aus der Ferne. Vor Ort übernahmen Co-Trainer Kevin Freiberger, Geschäftsführer Kay Hödtke sowie die Kapitäne Fabian Holthaus und Marius Müller die Leitung. "Luka war trotzdem nah dran - per Video, per Nachricht, mit Feedback nach jedem Spiel", erklärt Kocker. Freiberger wurde sogar zum Trainer des Turniers gewählt. Ein Verdienst des gesamten Teams: "Die Leute vor Ort waren überrascht, wie ernst wir das Ganze genommen haben."

Mit zwei Siegen gegen Eastern FC aus Hongkong (3:0) und Gastgeber Taichung Rock FC (3:1) sicherte sich RW Ahlen den Turniersieg. Das dritte Spiel fiel wegen eines Unwetters aus. "Wir haben von Anfang an Vollgas gegeben und uns den Sieg verdient", sagt Kocker. "Eastern hatte Regionalliga-Format - das war keine Laufkundschaft", betont Kocker. Umso höher sei der sportliche Wert des Erfolgs einzuschätzen: "Die Hitze und Luftfeuchtigkeit waren herausfordernd, aber für den Zusammenhalt perfekt."

Gründung einer Fußballschule

Auch das Rahmenprogramm beeindruckte: Neben Seminaren über Trainingsmethoden besuchte die Mannschaft auch kulturelle Sehenswürdigkeiten, darunter traditionelle Tempel, und lernte so das Land und seine Geschichte intensiv kennen.  Besonders bedeutend ist ein Kooperationsvertrag mit dem Gastgeberverein. "Wir gründen vor Ort eine Fußballschule - die erste eines deutschen Vereins in der Region", berichtet Kocker. Geplant sind ein dauerhafter Austausch, Trainerfortbildungen und langfristige Partnerschaften. "Die Gastfreundschaft war überwältigend. Organisation, Unterkunft, Atmosphäre - wir wurden wie Ehrengäste behandelt", sagt Kocker: "Und ja, Karaoke-Abende gehörten natürlich genauso dazu wie sportliche Disziplin."

Trotz der angespannten politischen Lage in der Region reiste das Team mit gutem Gefühl. "Ich stand im Vorfeld in engem Kontakt mit dem Auswärtigen Amt. Es gab keinerlei Sicherheitsbedenken - und vor Ort haben wir uns jederzeit sicher und gut betreut gefühlt." Das emotionale Highlight war die Pokalübergabe im Hotel "The LIN": "Diese Woche hat bei uns allen viel bewegt - sportlich, menschlich und strukturell."

Seit dem 1. August ist das Team zurück in Deutschland. Der Ligaalltag ruft, doch das Erlebte wirkt nach. "Für uns war das ein riesiger Schritt nach vorne - in jeder Hinsicht", sagt Kocker. Doch nun gilt die Konzentration dem Ligastart. Am Freitag (19.30 Uhr/Wersestadion) ist Westfalia Rhynern zum Auftakt zu Gast.