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Almers stabile Nachfolger, neue Blickwinkel und schmerzliche Erinnerungen

kicker

Nach dem zweiten Gruppenspiel der EM 2016 in Frankreich machte ein Spruch die Runde, den sich viele Fußballfans bis heute gemerkt haben: "Was hält Robert Almer von Cristiano Ronaldo? Alles!" Das 0:0 des ÖFB-Teams gegen Portugal mit Superstar Ronaldo, gegen den Almer unter anderem einen Elfmeter parierte, war neben der erfolgreichen Qualifikation für die Endrunde der Höhepunkt der internationalen Karriere des 1,94 Meter großen Torhüters.

Dass es für Almer eines der letzten von 33 Länderspielen war, lag am frühen EM-Aus der Österreicher unter Teamchef Marcel Koller nach der Gruppenphase - und an einer schweren Knieverletzung im darauffolgenden Herbst, die er im Europa-League-Spiel mit der Austria gegen Roma erlitt. Überhaupt zogen sich verletzungsbedingte Rückschläge - hauptsächlich durch Muskelverletzungen - wie ein roter Faden durch die Karriere des gebürtigen Steirers.

Neue Pfade durch harte Erfahrungen

"Ich habe über die ungefähr 15 Jahre, die ich im Profifußball war, jedes Jahr zumindest eine Muskelverletzung erlitten", so Almer im Gespräch mit dem kicker. Obwohl ihn seine Laufbahn über die heimischen Bundesligisten Mattersburg und Austria auch nach Deutschland zu Fortuna Düsseldorf, Cottbus und Hannover führte, wäre für Almer ohne diese zahlreichen Ausfälle wohl noch mehr möglich gewesen. "Ich traue mich zu behaupten, eine Top-Fünf-Liga als Nummer eins", meint der Wahl-Niederösterreicher im Rückblick.

Dass Almer seit fast drei Jahren das Studium der Physiotherapie absolviert und im Frühjahr 2027 abschließen wird, hat auch mit den schmerzlichen Episoden seiner Karriere zu tun. "Ich wollte schon damals wissen, was im Körper genau passiert, wenn ich ihn im Training oder im Spiel auf bestimmte Weise belaste." Der neue Ausbildungsweg war auch ein Hauptgrund, warum er Anfang 2023 den ÖFB-Trainerstab von Ralf Rangnick verließ. "Parallel dazu hatte ich Gespräche mit einem deutschen Bundesligaverein, welche sich aber zerschlagen haben."

Bereut hat Almer den Schritt jedenfalls nicht, auch nicht den neuen Job als TV-Experte und Co-Kommentator bei Canal+ seit der Saison 2024/25. Am heutigen Europa-League-Abend tritt er als Experte bei Sturm gegen Nottingham live aus dem Grazer Stadion in Aktion. "Es macht mir wirklich viel Spaß, weil ich Spiele jetzt aus einer ganz anderen Perspektive beobachte - nicht mehr aus der aktiven, hauptsächlich horizontalen Sicht des Torhüters. Duelle zwischen Topteams in Europa League oder Champions League vorzubereiten und zu analysieren, erfordert einen ganz anderen Blickwinkel auf den Fußball. Das taugt mir extrem."

Rangnicks Optionen durch Schlager und Pentz

Auch seine Nachfolger im Nationalteam hat Almer im Blick. Sowohl Alexander Schlager von Salzburg als auch Patrick Pentz bei Bröndby Kopenhagen nahmen für ihn eine gute Entwicklung. "Alex ist in Salzburg sehr stabil geworden und ein echter Führungsspieler. Patrick hat sich bei Bröndby auch ein sehr gutes Standing erarbeitet." Warum sich Rangnick noch nicht auf eine fixe Nummer eins festgelegt hat? "Patrick hat eine enorme Qualität im fußballerischen Bereich, die er gegen offensive, aggressive Gegner, die vorne voll anpressen, optimal ausspielen kann. Alex ist gegen defensiv eingestellte Mannschaften einer, der das Spiel sehr gut liest und mit seinem Stellungsspiel Bälle hinter die Kette frühzeitig abfangen kann. Ich denke, dass sich der Teamchef da beide Optionen offen lässt."

Die Chance auf die erste WM-Teilnahme Österreichs seit 1998 ist für Almer voll intakt und groß wie lange nicht. "Auch wenn es in Zypern sicher nicht leicht zu spielen ist, muss man dort gewinnen, wenn man sich für eine WM qualifizieren will." Was dem österreichischen Fußball laut Almer seit 30 Jahren fehlt, ist ein absoluter Weltklasse-Torhüter, der in der ersten deutschen Bundesliga, der englischen Premier League oder Spaniens LaLiga die Nummer eins ist. Da habe man in den letzten Jahrzehnten eindeutig den Anschluss verpasst.

"Für mich ist die Schweiz das Vorbild schlechthin, wo mit Jan Sommer begonnen in dieser Zeit mehrere Torhüter auf Weltklasseniveau aus dem System gekommen sind", so Almer. "Für mich beginnt es da auch in den Vereinen und Akademien. Wenn ich nur meine Karriere hernehme, war ich bei Vereinswechseln und auch bei internen Torhüter-Trainerwechseln bei den Klubs immer wieder damit konfrontiert, dass es jeder anders gemacht hat. Dieses ständige Umlernen und Anpassen an unterschiedliche Ansätze kostet Zeit, die wir nicht haben."