Vom Technischen Direktor Jan-Pieter Martens (bei Sturm Graz einst Stütze in der Champions League) geholt, als deklarierter Führungsspieler bis 2028 verpflichtet, mit der Perspektive im 4-3-3-System unter Trainer Branislav Frodek entweder am Flügel zu stürmen, oder "Zehner" zu spielen: Andreas Gruber (29) blickt beim slowakischen Spitzenklub DAC Dunajska Streda aufregenden Zeiten entgegen.
Angebote aus der österreichischen Bundesliga und aus dem Ausland hatte er mehrere vorliegen: "Sehr weit weg mit viel mehr Geld wäre auch möglich gewesen. Bei Dunajska Streda habe ich aber nicht lange überlegen müssen. Da bin ich in einer Stunde dort, die Trainingsmöglichkeiten sind hervorragend und auch das Stadion ist top", so Familienmensch Gruber. Seine neue Heimstätte, die MOL Arena, hat er sich mit seinen Kollegen schon beim U-21-EM-Spiel Slowenien gegen Tschechien (0:2) angesehen.
Das Testspiel gegen den FC Noah (1:2) ließ er Freitagabend noch aus, um mit dem Fitnesstrainer sein eigenes Programm abzuspulen. "Die ersten Mannschaftstrainings waren sehr hart, aber cool", so Gruber. DAC ist der Verein der ungarischen Minderheit in der Slowakei (gehört zu 90 Prozent Oszkar Vilagi, einem slowakischen Unternehmer mit ungarischen Wurzeln) und zieht nach Fan-Magnet Slovan Bratislava mitunter auch viele Zuschauer an . "Bei besonderen Spielen kommen rund 10.000", weiß Gruber.
Die letzten Titelgewinne sind ewig her (zwei Cup-Triumphe 1987). In den vergangenen sechs Jahren wurde DAC allerdings schon viermal Vizemeister, stets hinter Slovan. "Bei engen Spielen soll jetzt auch ich den Unterschied ausmachen", wurde Gruber bereits vermittelt. Damit kann der 256-malige Bundesligaspieler aber gut umgehen. Die "Amtssprache" Englisch kommt ihm entgegen.
Etwas gutzumachen hat Gruber allerdings auch! Vom belgischen Geschäftsführer Jan Van Daele kam gleich ein scherzhafter Seitenhieb: "2020 war angeblich eine Riesen-Euphorie im Verein, als sie in der Europa-League-Quali Jablonec ausgeschaltet haben. Aber dann haben sie halt bei uns in Linz antreten müssen", grinst Gruber. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit schoss der LASK die Slowaken mit 7:0 aus dem Bewerb, Gruber notierte ein Tor und einen Assist.
Duell mit Austria möglich
Mit der Austria gewann Gruber im Jänner 2024 gegen DAC 3:0 und vor fast genau einem Jahr remisierten die beiden Klubs in der Generali-Arena in einem weiteren Test 0:0. Dass er nicht mehr für die "Violetten" spielen darf, hat er abgehakt: "Ich hatte es immer wieder - auch ganz oben - deponiert, dass ich gerne verlängern würde. Sie haben aber nie darauf reagiert und mir zwei Tage vor dem letzten Spiel gesagt, dass ich keinen Vertrag mehr bekomme. So ist eben der Fußball", weiß Gruber.
Sein Nachbar Dominik Fitz hat sich um einen neuen Chauffeur umsehen müssen, der ihn zu den Trainings bringt. "Ich glaube, der Drago macht das. Der kommt aus Perchtoldsdorf. Da muss ich gleich einmal nachfragen", lacht Gruber, "vielleicht weiß das ja sogar mein Sohn Nico (5). Für ihn ist der Fitzi eine wichtige Bezugsperson." Gruber selbst wird in die Slowakei pendeln: "Außer ich finde vielleicht ein Ein-Zimmer-Appartement. Nur zum Schlafen, wenn wir gleich mehrere Trainingseinheiten an einem Tag haben."
Das erste Etappenziel ist die Gruppenphase der Conference League. "Da wollen wir unbedingt rein", so Gruber, dessen Ziel mit DAC klar definiert ist: "Ich möchte endlich einen Titel holen." In der zweiten Quali-Runde treffen die Slowaken auf den Sieger aus FC Urartu Erewan gegen Njoman Hrodna. In weiterer Folge könnten Gruber und Fitz unter Umständen sogar wieder einmal gemeinsam zu einem Pflichtspiel in die Generali-Arena fahren, wenn auch in unterschiedlichen Farben - und falls Fitz dann noch bei der Austria ist.