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Apropos Schmid: Was hat Austrias Kurswechsel gebracht?

kicker

Wenn Manfred Schmid in die Generali Arena kommt, ist immer etwas los. Als er im Herbst 2023 mit dem WAC erstmals als gegnerischer Trainer an den Verteilerkreis kam und einen Punkt mitnahm, bekam der Monate zuvor nach einem Richtungsstreit mit Investor Jürgen Werner spektakulär geschasste Erzviolette Standing Ovations von der Ost, die nicht jedem im Verein schmeckten.

Ein halbes Jahr später, im Mai 2024, beendete der 54-Jährige mit einem 4:0-Sieg die Ära Wimmer in Favoriten. Dass er sich danach vor der violetten Fankurve feiern ließ, empfand Werner als "das Respektloseste, was ich in 30 Jahren Fußball erlebt habe". Im November ließ Schmid, mittlerweile Hartberg-Trainer, erstmals alle drei Punkte in Wien, um sich bei nächster Gelegenheit, im April 2025, mit einem 1:0-Sieg im Cup-Halbfinale bitter zu revanchieren.

Bei der derzeitigen Lage der Austria könnte Manfred Schmid auch bei seinem fünften Besuch in seinem alten Wohnzimmer wieder für Zündstoff sorgen. Abgesehen davon wirft das Aufeinandertreffen bei vielen Fans wieder einmal die Frage auf, ob der seit der Schmid-Trennung im Dezember 2022 von Jürgen Werner eingeschlagene Weg der richtige war.

Zur Erinnerung: Mit dem Versprechen auf "ein, zwei Scheißjahre“ hat der langjährige Stöger-Co Manfred Schmid im Sommer 2021 bei der hochverschuldeten - aber noch Werner-losen - Austria das Traineramt übernommen. Mit einigen neuen Billigkräften (u.a Fischer, Martins, Mühl) und den Talenten aus der eigenen Akademie sollte er möglichst kostengünstig das Schlimmste verhindern und im besten Fall noch Spieler entwickeln, die sich dann gewinnbringend verkaufen ließen.

Schmids Debütanten

Manfred Schmid lieferte prompt. In seinen eineinhalb Saisonen auf dem violetten Trainersessel verhalf er mit Matteo Meisl, Ziad El Sheiwi, Leonardo Ivkic, Dario Kreiker, Romeo Vucic, Manuel Polster, Can Keles und Florian Wustinger nicht weniger als acht "Young Violets" zu ihren Bundesliga-Debüts. Matthias Braunöder, Aleksandar Jukic und Muharem Huskovic, die schon unter Peter Stöger ihre ersten Einsätze bekommen hatten, entwickelte er zu Stammkräften und Leistungsträgern. Die Austria-Fangemeinde hieß den eingeschlagenen Weg gut und belohnte die couragierte Truppe, die noch dazu überraschend gut performte, mit davor nicht gekannten Zuschauerzahlen.

Die Saison endete mit einem nicht für möglich gehaltenen dritten Platz, Matthias Braunöder als Jungstar des Jahres und der Europacup-Teilnahme. Letztere sollte sich für Schmid bald als Fluch der guten Tat herausstellen. Ohne entsprechenden Kader war die Austria in der Conference League Punktelieferant. Und dem neuen Investor Jürgen Werner missfiel der dabei gezeigte Ballbesitzfußball. Um Austrias "Tafelsilber" verkaufstauglicher zu machen, sollte es in einer moderneren Umgebung glänzen. "Wir müssen ticken wie ein Schweizer Uhrwerk, um Spieler zu entwickeln. Dafür müssen wir eine gewisse Art Fußball spielen. Und das darf kein Zweckfußball sein", war Sportdirektor Manuel Ortlechner plötzlich His (new) Masters Voice. Kurzum, Schmid musste gehen, für ihn kam der "Pressing-Trainer" Michael Wimmer. Der sich auch nicht länger hielt als Schmid.

Nicht gut gealtert

Mit bald drei Jahren Abstand lässt sich sagen, dass Ortlechners Worte nicht gut gealtert sind. Die Austria hat durch Stadion-Verkauf und Schuldenschnitt zwar über 60 Millionen Euro an Schulden abgebaut, Spieler-Entwicklung ist es aber nicht, womit sie in den vergangenen beiden Jahren geglänzt hat. Lag der Altersschnitt einer typischen Schmid-Startelf in der Saison 2021/22 bei 23,0 Jahren, stellen die Veilchen jetzt mit einem Schnitt von 27,9 bis 29,1 Jahren nach Aufsteiger Ried die älteste Truppe der Liga. Mit Routiniers wie Dragovic, Wiesinger und Ranftl sowie den Leihspielern Malone und Prelec spielten die Violetten in der vergangenen Saison zwar bis zuletzt um den Titel mit, die Jungen sahen trotz Young Violets und Stripfing jedoch wenig Licht. Unter Michael Wimmer feierten gerade einmal Luca Pazourek und Sanel Saljic ihre Debüts, bei Helm waren es bisher Philipp Maybach, Konstantin Aleksa, David Ewemade (bereits abgegeben) und Dejan Radonjic.

Selbst Jürgen Werner nimmt die Bezeichnung "Tafelsilber" nicht mehr in den Mund, seit die Verkäufe von Braunöder und Jukic längst nicht das gebracht haben, was man sich versprochen hatte. Und dennoch waren es in den vergangenen zwei Jahren die violetten Eigengewächse, die um ein Vielfaches mehr eingebracht haben als die Werner-Einkäufe.

Eigenbau schlägt Einkäufe

Fitz (ca. 2 Mio,), Braunöder (1,6 Mio.), Keles (1,3 Mio.), Polster (200.000) und Jukic (nach disziplinären Problemen um 50.000 Euro "verschenkt") spülten rund 5,2 Millionen Euro in die Austria-Kassen. Ihnen stehen lediglich die Transfer-Einnahmen für Haris Tabakovic und Chris Früchtl gegenüber. Der ablösefrei gekommene Tabakovic, der mittlerweile für Mönchengladbach stürmt, musste aufgrund einer entsprechenden Ausstiegsklausel für 400.000 Euro abgegeben werden, Goalie Früchtl brachte zwar einen Transfererlös von 500.000 Euro, doch soll daran auch noch sein Ex-Klub Bayern München partizipiert haben. Andere Werner-Einkäufe wie Gruber (450.000 Euro), Holland (150.000) gingen ablösefrei bzw. beendeten die Karriere. Die 1,4 Millionen für Rekord-Transfer Raguz kann die Austria überhaupt in den Wind schreiben.

Während die halbe Liga längst auf Transfer-Aktien setzt und der Erzrivale in Hütteldorf einen Transferrekord nach dem anderen vermeldet, ist Jürgen Werner - auch aufgrund der beschränkten Mittel -  dieser Turnaround noch nicht gelungen. Malone und Barry mögen bei etwaigen Transfers zwar etliches mehr einbringen als sie gekostet haben, in Jansson-Dimensionen werden sie sich aber auch nicht bewegen.