Die Bedeutung der ersten WM-Teilnahme seit drei Jahrzehnten für den österreichischen Fußball manifestiert sich in der Zusammensetzung der ÖFB-Reisegruppe, die am Mittwoch von Wien-Schwechat nach Washington DC abhob. Vom Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Pröll abwärts befindet sich die gesamte Verbandsspitze auf dem Weg zur Auslosung des FIFA World Cups 2026. Selbstverständlich sind Sportdirektor Peter Schöttel, Teamchef Ralf Rangnick und die Co-Trainer Stefan Oesen sowie Lars Kornetka mit an Bord. Ebenfalls auf dem Weg in die US-Hauptstadt ist Geschäftsführer Bernhard Neuhold, der dem kicker den Ablauf der nächsten Tage erläuterte.
In welcher WM-Region wird das ÖFB-Team daheim sein?
Auf dem Programm stehen in Washington die Auslosung der Gruppengegner am Freitag, dann die Festlegung von Spielorten und exakten Anstoßzeiten am Samstagabend (jeweils 18 Uhr MEZ). Und danach wird es für die österreichische Delegation erst richtig intensiv, denn es geht sofort an die Entscheidung über das geographisch und logistisch perfekte WM-Basecamp. Was die Modalitäten des Ticketverkaufs für die Österreich-Spiele aus den ÖFB-Kontingenten betrifft, müssen sich die rot-weiß-roten Fans noch bis Anfang kommender Woche gedulden. Laut Neuhold wird der Verband nach dem Vorliegen aller Informationen über die Kapazitäten der betreffenden Stadien und genauen Kontingente diese so schnell wie möglich über alle Kanäle kommunizieren.
Für das WM-Quartier der Österreicher, von dem aus die Mannschaft hoffentlich viele Trips zu den Spielen unternimmt, wurde in den letzten Monaten intensive Vorarbeit geleistet. Bereits im Juni war Lennart Coerdt, einer der beiden ÖFB-Teammanager, in den USA. Der Deutsche begutachtete im Rahmen der Klub-WM interessante Hotels wie Trainingsstätten und sammelte Informationen von der FIFA und Klubs, die dabei waren. Entscheidend für die optimale Wahl wird nun sein, in welcher der drei geographisch gegliederten WM-Zonen Österreich seine Gruppenspiele bestreitet.
Die West Region des Mammut-Turniers in Kanada, USA und Mexiko besteht aus den Spielstädten Vancouver, Seattle, San Francisco und Los Angeles. Die Central Region setzt sich aus Houston, Dallas, Kansas City sowie den mexikanischen Austragungsorten Guadalajara, Mexico City und Monterrey zusammen. Und in der East Region werden die WM-Partien in Toronto, Boston, Philadelphia, New York/New Jersey, Atlanta sowie Miami ausgetragen. Das jeweilige Team-Basecamp muss gemäß FIFA-Vorgaben in der Region liegen, in der die Gruppenspiele ausgetragen werden - zumal auch alle Spiele einer Gruppe in dieser einen Region angesetzt werden, um zumindest auf diesem Weg noch mehr Flugkilometer für Teams und Fans zu vermeiden.
Rangnick hat beim WM-Quartier das letzte Wort
Eine weitere Frage, die man beim ÖFB allerdings schon vorab für sich entschieden haben dürfte: Wählt man ein Basecamp aus den von der FIFA angebotenen Optionen oder begibt man sich auf individuelle Pfade. Hier tendiere man laut Neuhold zu einer Lösung aus dem FIFA-Katalog, da diese entscheidende infrastrukturelle und organisatorische Vorteile böte. Obwohl Suche und Finden des optimalen WM-Quartiers klarerweise verbandsinternes Teamwork darstellt, hat Cheftrainer Rangnick wie schon bei der EM 2024 in Deutschland auch in dieser Frage das letzte Wort. Der Teamchef gilt auch und vor allem in diesem Bereich als sehr fordernd und durchaus detailverliebt.
Nach dem Wochenende werden wohl so gut wie alle Fragen beantwortet sein. Für die österreichischen Fans noch nicht ganz, denn die interessiert neben den Gegnern und Spielorten natürlich, wieviele Tickets für die Österreich-Partien zur Verfügung stehen. Und vor allem, wie man an die Karten kommt. Das Wochenende über müssen sich reiselustige und hoffentlich finanzkräftige Anhänger (Flüge, Hotels, Tickets...) zumindest gedulden. Überschlägt man im Kopf die im Vergleich zur EM in Deutschland wesentlich größeren Kapazitäten der meisten WM-Stadien, dazu das voraussichtliche Österreich-Kontingent von etwa zehn Prozent pro Spiel und bedenkt noch die Kosten eines WM-Trips nach Übersee, wird das Gerangel um die Tickets aber vielleicht gar nicht so brutal.
Starauflauf: Klum, Hart, Robbie Williams und Trump
Die Auslosung der Gruppenphase in Washington sorgt jedenfalls für einen Starauflauf: Das deutsche Supermodel Heidi Klum wird die Veranstaltung gemeinsam mit dem US-Schauspieler und Comedy-Star Kevin Hart sowie Schauspieler Danny Ramirez moderieren. Auftritte des italienischen Tenors Andrea Bocelli sowie von Popstar Robbie Williams in Begleitung von Nicole Scherzinger sind geplant. Nach Abschluss der Auslosung soll die Band Village People den Welthit "Y.M.C.A." performen. Nach Angaben aus dem Weißen Haus will US-Präsident Donald Trump am Event teilnehmen. Zuletzt war auch spekuliert worden, dass Trump den neuen FIFA-Friedenspreis erhalten könnte.