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Aytekin selbstkritisch: "Wir gehen nicht nach Hause und denken uns, alles war super"

kicker

Ein erstes Mal betrat Deniz Aytekin die Review-Area im Borussia-Park in der 44. Minute. Zuvor war der Gladbacher Franck Honorat im Strafraum gegen Kristoffer Lund zu Boden gegangen. Der Referee ließ zunächst weiterlaufen, wie er nach der Partie am Sky-Mikrofon erklärte: "Im Oberkörperbereich ist es für mich niemals ein Strafstoß. Als ich außen stand, hat man mir Bilder gezeigt, wo der Kölner Spieler den Gladbacher eindeutig mit dem Knie trifft."

Aus der Feldperspektive sei es für Aytekin zunächst "ganz klar kein Strafstoß" gewesen. Die Bilder offenbarten dem Referee einen "klaren Knietreffer. Er trifft ihn mit dem Knie unten eindeutig. Das habe ich gar nicht gesehen, von meiner Perspektive."

Es folgte die Zurücknahme der eigentlichen Entscheidung, und es gab den ersten von drei Elfmetern im Rheinischen Derby. "Im modernen Fußball ist es halt ein Elfmeter. Im Oberkörperbereich ist es kein Elfmeter, aber unten ist halt der Kontakt", führte Aytekin weiter aus.

Wieder VAR-Einsatz, wieder Elfmeter

Auch beim zweiten Strafstoß für die Borussia meldete sich der VAR beim Feldschiedsrichter. Diesmal war Aytekin die Sicht sogar komplett versperrt: "Ich schaue zwar hin, aber da stehen drei Spieler vor mir. Es war total irre." Nach Meldung des VAR-Teams um Benjamin Cortus ging es für Aytekin in der 60. Minute also erneut in die Review-Area. Dort erkannte er ein strafbares Handspiel. Wieder war Lund der Verursacher.

"Als ich dann draußen stehe, sieht man, dass der Spieler am Anfang keine Orientierung hat. Und dann kommt diese Bewegung eben Richtung Ball. Das sieht halt sehr unglücklich aus", ordnete Aytekin ein. "Am Ende ist es für mich zu klar gewesen, dass der Ball runterfliegt - erst orientiert er sich, aber dann kommt diese Bewegung. Er kann aber auch diese Bewegung weglassen." Den erfahrenen Referee ärgerte es "natürlich, dass ich es selber nicht wahrgenommen habe, aber ich bin auch dankbar, dass es die Jungs gibt, die es in der Form auflösen".

Für Aytekin war Lunds Bewegung mit dem Arm nach vorne Richtung Ball entscheidend. "Am Ende des Tages ist es ein Handspiel, wenn wir den nicht geben, diskutieren wir genauso umgekehrt."

Dritter Elfmeter - ohne VAR

Es folgte erneut die Entscheidung Strafstoß, diesmal verwandelten die Gladbacher und sorgten kurz darauf mit dem 3:0 schon für die Vorentscheidung. Für Aytekin war der ereignisreiche Abend aber noch nicht vorbei, denn in der Nachspielzeit zeigte er erneut auf den Punkt - diesmal aber ohne Hinweis des VAR. Lukas Ullrich hatte Ragnar Ache vor einem Kopfball leicht geschoben, der Kölner Angreifer ging danach schnell zu Boden.

"Es ist ein harter Elfmeter. Ich weiß nicht, ob ich den bei 0:0 gebe, ist ja alles theoretisch, aber es ist ein harter Elfmeter, wenn ich das so sehe", lautete Aytekins Bewertung im Nachgang - es war die einzige Elfmeter-Fehlentscheidung des Gespanns an diesem Abend.

Insgesamt gab sich Aytekin selbstkritisch: "Ich ärgere mich, weil ich diese Sachen alle selber sehen will. Dafür ist man Schiedsrichter und man will auf dem Platz die richtige Entscheidung treffen." Er und sein Team gehen deswegen "nicht nach Hause und denken uns, na toll, alles war super", sondern: "Wir ärgern uns und analysieren es. Können wir es anders machen? Hätten wir es anders sehen können? Da waren heute einige Situationen, bei denen ich sagen muss, ich bin dankbar, dass es den Video-Assistenten gibt."

Eines war dem 47-Jährigen aber noch wichtig zu betonen: "Wir müssen, glaube ich, auch mal happy sein, dass nicht alles schwarz oder weiß ist, das ist halt der moderne Fußball. Wir haben mittlerweile keine Ahnung wie viele Kameras, mittlerweile habe ich auch eine Kamera im Ohr und gefühlt zehn Kilo Technologie am Körper."

Kein Elfmeter Nummer vier

Eine vierte Strafstoß-Situation löste Aytekin an diesem elfmeterreichen Abend schließlich auch noch ohne Pfiff - aber mit persönlichen Verwarnungen. Erst spitzelte Kevin Diks dem Kölner Isak Bergmann Johannesson den Ball vom Fuß, ehe es zum Kontakt kam. Dass der Gladbacher sich dann aber über den Kölner beugte und ihn anschrie, Ache schubste und Sebastian Sebulonsen bei der sich anschließenden Rudelbildung auch noch mitmischte, hatte Gelbe Karten für alle drei zur Folge.