"Das 1:1 hört sich immer so an, als ob wir Glück gehabt haben", sagte Berlins Trainer Steffen Baumgart nach dem Remis in Stuttgart bei DAZN und stellte klar, dass das absolut nicht der Fall war und betonte: "Wir haben schon mehr als einmal gezeigt, dass wir nicht nur mithalten können."
Mit Verweis auf die Glanzparade von Alexander Nübel gegen Woo-Yeong Jeong in der 88. Spielminute war Baumgart sogar der Auffassung, dass an diesem Nachmittag sogar mehr für seine Schützlinge drin gewesen wäre. Eine Auffassung, die auch VfB-Coach Sebastian Hoeneß teilte, der zugab, dass "Union nach dem 1:1 näher dran war".
Gewiss wäre ein später Siegtreffer "das i-Tüpfelchen gewesen", wie Baumgart sagte. "Trotzdem: Das 1:1 geht in Ordnung und ist aus meiner Sicht leistungsgerecht. Der Teilerfolg geht komplett in Ordnung. Wir sollten die Kirche im Dorf lassen, wir arbeiten weiter und es gibt noch genug Spiele, um das ein oder andere besser zu machen."
Der 54-Jährige freute sich zudem über das Zutun der Einwechselspieler, die wie schon gegen Mainz und Augsburg am Ende das Ruder noch herumgerissen haben. "Die, die reingekommen sind, haben nahtlos angeknüpft - und der Trainer hat deshalb ein Lächeln im Gesicht, auch wenn man es mir nicht immer ansieht."
Khedira und Kemlein loben
Ähnlich hatte auch Rani Khedira die Partie, die für ihn, der ja einst beim VfB den Sprung zum Profi geschafft hatte, "nach wie vor etwas Besonderes ist", gesehen: "Wir wollen unsere Gegner in Zweikämpfe verstricken und das haben wir heute geschafft. All das, was uns ausmacht, ist heute auf dem Platz zu sehen gewesen. Wir haben ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht und nehmen einen verdienten Punkt mit nach Hause. Vom Gefühl her war vielleicht mehr drin. Am Ende hätten wir mit noch ein bisschen Glück das 2:1 machen können, aber unterm Strich ist es wahrscheinlich ein verdientes Unentschieden."
Mittelfeldmann Aljoscha Kemlein meinte auch, dass man in Köpenick mit dem Punkt gut leben könne und lobte dabei die Berliner Grundtugenden wie "Mentalität, Wille und Kampfbereitschaft", die allesamt in Stuttgart zur Geltung gekommen war, "aber man sieht auch, dass wir Qualität mit dem Ball haben und uns Chancen herausspielen können."
Mit 24 Punkten befinden sich die Unioner auf einem einstelligen Tabellenplatz und haben nur fünf Punkte Rückstand auf Platz 6 und damit aufs internationale Geschäft. Davon sprechen wollte Kemlein aber nicht. "Grundsätzlich ist das Ziel der Klassenerhalt", so der 21-Jährige, der sich in bekannte Floskeln flüchtete: "Ansonsten schauen wir von Spiel zu Spiel."
Und Baumgart? Der hielt ebenfalls den Ball flach und betonte, dass man jetzt erst einmal einfach wie bisher weiter möchte und verwies dabei auf die positive Entwicklung seiner Elf. "Wir arbeiten, wir machen, wir tun, die Jungs entwickeln sich. Die Stürmer, die nicht getroffen haben, treffen mit einem Mal. Wir treffen sogar aus dem Spiel heraus", so der 54-Jährige und schob scherzhaft hinterher: "Um Gottes willen, wo soll das noch hinführen?"