Bayers letztes Testspiel vor dem Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal beim FC Chelsea am Freitag (Anstoß 20 Uhr) steht unter ungünstigen Vorzeichen. Ist doch die Personalsituation beim deutschen Vizemeister, der zudem noch unter Hochdruck nach Verstärkungen sucht, akut extrem angespannt.
40 (!) Spieler zählt aktuell der Kader des FC Chelsea. Bei Bayer sind es 24, wobei von diesen die Langzeitverletzten Martin Terrier und Jeanuel Belocian Trainer Erik ten Hag genauso wenig für die Generalprobe zur Verfügung stehen werden wie der von der PSV Eindhoven gekommene, angeschlagene US-Nationalspieler Malik Tillman.
Bayer umgeht Tapsobas Rotsperre mit zusätzlichem Test
Auch Keeper Lukas Hradecky ist aufgrund seines quasi beschlossenen Wechsels zur AS Monaco nicht mehr wirklich für Einsätze eingeplant, um sich nicht mehr zu verletzen. So wurde der finnische Nationalspieler zuletzt weder in Sittard (2:1) noch gegen Pisa eingesetzt.
Zusätzlich auf der Ausfallliste wäre auch Innenverteidiger Edmond Tapsoba gestanden, der beim 3:0-Sieg gegen Pisa wegen einer Notbremse die Rote Karte sah und eine Sperre für eine Partie erhielt. Doch um Tapsobas Ausfall in London zu umgehen, setzte Bayer kurzfristig für Donnerstag einen Test gegen Sechstligist SV Schlebusch an. Durch dieses Spiel wird Tapsoba seine Sperre abgegolten haben und am Freitag gegen den FC Chelsea spielen können.
Ein legitimer Kunstgriff, den Bayer aufgrund der Situation anwendete. Hatte doch ten Hag nach dem Spiel gegen Pisa schon hinter die angeschlagenen Arthur, Axel Tape und Exequiel Palacios ein Fragezeichen gesetzt.
Zumindest hinter Arthur und Palacios stehen weiter Fragezeichen
"Momentan haben wir von der Anzahl noch nicht den richtigen Kader", sagte der Niederländer nach dem Pisa-Spiel nicht ohne Hintergrund, "Chelsea hat den - die haben zwei Kabinen voll." Er müsse abwarten, wie es mit Arthur, Tape und Palacios aussehe.
Bei dem Trio muss die medizinische Abteilung am Donnerstag erst noch ihr abschließendes Urteil abgeben. Wobei Tapes Einsatzfähigkeit wahrscheinlich ist. Hinter Arthur, der umgeknickt war, und vor allem Palacios, der sich am Oberschenkel verletzte, stehen hingegen weiterhin mindestens Fragezeichen.
Bayer kann sich bei den Angeschlagenen kein Risiko erlauben
Zudem sind für Mittelstürmer Victor Boniface, der seit Vorbereitungsstart mit Belastungsproblemen kämpft, bislang nicht mehr als nur Teileinsätze drin. Der Nigerianer spielte in den Tests nie länger als eine gute halbe Stunde, zuletzt nur jeweils etwas mehr als 20 Minuten. Gegen Pisa ließ ihn ten Hag wegen Tapsobas Platzverweis völlig ohne Einsatz.
Dem neuen Trainer bleiben so bei der Generalprobe gar nicht viele Entscheidungsmöglichkeiten. Vielmehr muss er zusehen, gegen den Champions-League-Teilnehmer überhaupt eine schlagkräftige Elf zusammen zu bekommen. Da man es sich kaum leisten kann, jetzt ein Risiko einzugehen, würde es nicht überraschen, wenn Arthur und vor allem Palacios selbst bei relativ günstigen Diagnosen in London nicht spielen.
Der Trainer hat in London kaum noch gestandene Alternativen
Dann könnte der neue Werkself-Trainer bestenfalls mit dieser Anfangsformation rechnen: Flekken - Tapsoba, Quansah, Hincapie - Tella, Aleix Garcia, Andrich, Grimaldo - Maza, Schick, Adli. Wobei Aleix Garcia nach einer Muskelverletzung gegen Pisa gerade erst sein Kurz-Comeback gab und sicher noch nicht für 90 Minuten eingeplant werden kann.
Eine Formation, die bei weitem nicht ten Hags Wunschvorstellung vor dem Pflichtspielstart entspricht. Und zu der sich mit Jonas Hofmann (33) nur noch eine gestandene Alternative im Feld anbietet. Abgesehen vom Routinier und dem bislang äußerst überzeugenden Innenverteidiger-Talent Tape (17) blieben dem Niederländern nur noch die Teenager und Perspektivspieler Christian Kofane, Farid Alfa-Ruprecht und Alejo Sarco (alle 19) sowie Akteure aus der eigenen U 19.
Ten Hags Rückkehr auf die Insel unter ungünstigen Voraussetzungen
Während also der FC Chelsea am Freitagabend an der Stamford Bridge wirklich zwei Kabinen mit Profis füllen könnte, wird in den Umkleideräumen der Gäste kein Platzmangel herrschen. Und der ehemalige Manchester-United-Trainer Erik ten Hag bei seiner Rückkehr auf die Insel und Bayers Generalprobe denkbar ungünstige Voraussetzungen vorfinden.