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Bielefeld-Fan Kevin Kühnert: Ein Plädoyer für die Hoffnung und gegen das Aufgeben

kicker

Ex-Politiker über Underdogs und Wunder

Gastbeitrag von Kevin Kühnert, Arminia-Fan und Ex-Politiker

Fan zu sein bedeutet für die meisten von uns, den Umgang mit andauerndem Scheitern zu lernen. Und daran nicht zu verzweifeln. Wir besingen schmerzhafte Niederlagen, taufen unsere Klubs auf beschönigende Namen wie "Fahrstuhlmannschaft" oder "schlafender Riese" und zelebrieren die gnadenlose Kraft, die uns gegen jede Vernunft immer wieder ins Stadion zieht.

Was uns von Giesing bis zur Lübecker Lohmühle und vom Stadion der Freundschaft bis zur Wedau bei der Stange hält, ist die Hoffnung. Die verdammte Hoffnung, dass irgendwann - eines Tages! - auch wir mal von der Sonne geküsst werden. Diese Hoffnung ist unser Motor. Und sein Treibstoff, das sind die kleinen und großen Fußballwunder, die dann und wann geschehen und helfen, unsere Hoffnung in Gang zu halten. Hoffen ist harte Arbeit.

Der Landespokal als Spiegelbild des Misserfolgs

Vor fast genau einem Jahr taumelte mein Verein dem dritten Abstieg in Serie entgegen. Am 37. Spieltag entschieden in der zweiten Minute der Nachspielzeit beim Spielstand von 0:0 wenige Millimeter des linken Innenpfostens darüber, dass dieser Kelch an uns vorüberging. Kurz darauf gewannen wir den Landespokal. Den Weg ins Finale ebneten krampfige Siege gegen Frisch Auf Herringhausen/Eickum und den TSV Victoria Clarholz. Es war ein Titel, den ich nicht bejubeln mochte. In ihm spiegelte sich schließlich nur der Misserfolg der letzten Jahre!

Ich blicke heute anders auf diese Zeit, denn ich bin Mitglied mit Dauerkarte bei Arminia Bielefeld. Über Tristesse und Enttäuschung wusste ich schon vieles. Doch in den vergangenen zwölf Monaten habe ich Neues gelernt. Über Fieberträume, erfüllte Hoffnungen, Demut im Angesicht eines DFB-Pokal-Tickets, das neben mir auf dem Schreibtisch liegt. Nie wieder will ich den Westfalenpokal gering schätzen!

Das Pokalwunder kann auch anderen Mut machen

Doch dieser Text soll kein Tagebuch-Eintrag aus dem Leben eines Arminen sein. Schon gar nicht will er Millionen Fans der anderen meist glück- und titellosen Klubs die lange Nase zeigen. Ganz im Gegenteil. Er ist ein Plädoyer für die Hoffnung und gegen das Aufgeben. Unser Bielefelder Pokalwunder taugt zum Mutmacher!

Weil bei genauer Betrachtung nichts daran übernatürlich ist. Wir haben einen Zweit- und vier Erstligisten ausgeschaltet, und zwar alle in der regulären Spielzeit bei mindestens zwei eigenen Toren. Wir fahren als Drittliga-Meister nach Berlin, obwohl es auch sportliche Hänger in der Saison gab.

Unsere Mannschaft hat einen sensationellen Teamgeist, auch wenn nicht alle Transfers funktioniert haben. Unser Trainerteam darf seit zwei Jahren an diesem Erfolg arbeiten, weil die Sportliche Leitung in Krisenzeiten am gemeinsamen Plan festgehalten hat. Und ganz Ostwestfalen begleitet die Entwicklung mit hartnäckigem Stolz: Der zweithöchste Zuschauerschnitt seit dem BundesligaAbstieg 2009 spricht für sich.

Den DSC Arminia Bielefeld im Jahr 2025 schickt nicht der Fußballgott! Wir sind lediglich ein sehr irdisch-erfolgreicher Tankwart, der zaudernden Fans landauf und landab eine ordentliche Ladung Fußballwunder in den Tank ihres Hoffnungsmotors pumpt. Bitte bedient euch reichlich, und dann auf in eine hoffnungsvolle Saison 2025/26!