Der FC Augsburg muss sich nicht erst nach dem 1:1 gegen Union große Sorgen um seine Bundesliga-Zugehörigkeit ab Sommer machen. Wer die ersten 30 Minuten der Partie gegen Union Berlin verfolgte, braucht schon viel Phantasie, um sich aktuell ein schwächeres Team in Deutschlands höchster Spielklasse vorzustellen. Körpersprache und fußballerischer Vortrag waren ernüchternd, es fehlte nach dem 0:4 in Mönchengladbach offensichtlich das Selbstvertrauen.
Das Traumtor von Alexis Claude-Maurice sorgte nicht nur bei ihm, sondern beim ganzen Team für Befreiung, ehe in der Nachspielzeit der Tiefschlag folgte: In Überzahl, mit einer 1:0-Führung im Rücken, gestattete das Team Union Berlin allzu leicht den Ausgleich, stand mit einem statt drei Punkten da und hat mit Blick auf die Tabelle noch das Glück, dass drei Klubs hinter ihm stehen. Die Betonung liegt auf noch.
"Wir hatten es eigentlich im Griff, müssen uns cleverer anstellen. Wir stehen da unten, weil wir solche Dinge im Moment nicht richtig machen", sagte Michael Gregoritsch nach seinem Startelf-Debüt und war ansonsten arg bemüht, die positiven Dinge herauszustellen. Zu diesen gehörte zweifelsfrei Claude-Maurice, der endlich sein erstes Saisontor erzielte - und was für eins: Ansatzlos zog der Franzose aus circa 28 Metern ab, jagte den Ball unhaltbar mit Hilfe der Unterkante der Latte ins Union-Tor.
"Ich weiß, dass das Team mehr davon von mir braucht"
Kaum zu glauben, dass der Franzose mit dem wuchtigen Schuss so lange warten musste. In der Sommer-Vorbereitung verletzte er sich, verpasste den Saisonstart, kam danach schwer in Schwung und spielte zuletzt komplett ohne Selbstvertrauen. Auch am Donnerstagabend bis zu seinem Tor. Dies schien wie eine Befreiung zu sein, anschließend blühte er auf, war bester Mann auf dem Rasen und an nahezu jeder gefährlichen Offensivaktion des FCA beteiligt. Pech, dass sein direkter Freistoß am Pfosten landete (58.).
"Ein gutes Gefühl. Ich beurteile meine Leistungen nicht nur nach Toren und Assists, auch wenn ich weiß, dass das Team mehr davon von mir braucht", sagte der Torschütze anschließend und betonte, dass er sich unter Manuel Baum "freier" auf dem Platz fühle. Eilig warf er hinterher, dass seine Krise nicht die Schuld von Ex-Trainer Sandro Wagner gewesen sei: "Ich hatte viele gesundheitliche Probleme, jetzt fühle ich mich richtig gut."
"Er hat lange darauf hingearbeitet, wir haben viel gesprochen. Das Tor hat ihm und der Mannschaft Energie gegeben", beobachtete Baum richtig und fügte seine Erwartungshaltung an: "Wir wollen das in den nächsten Spielen auch von ihm haben." Ob dieses Tor wirklich eine Befreiung ist, nachdem der 27-Jährige in der vergangenen Saison neunmal getroffen hatte und zum Unterschiedsspieler wurde?
Diese Stabilität muss die Mannschaft beibehalten
Der FCA muss darauf hoffen, sonst droht tatsächlich der erste Abstieg in seiner Bundesliga-Historie. Wobei, nicht alles muss aus einem negativen Blickwinkel betrachtet werden. Das Gegentor, so ärgerlich es war, bedeutete das erste in einem Heimspiel nach 413 Minuten, Vereinsrekord. Diese Stabilität muss die Mannschaft beibehalten, dann kann es klappen mit dem Klassenerhalt.