Einem Pfiff folgten Pfiffe: Schiedsrichter Felix Bickel hatte das recht einseitige Drittliga-Verfolgerduell zwischen Osnabrück und Essen kurz zuvor erst abgepfiffen, da näherte sich die Essener Mannschaft dem mitgereisten Anhang, der den eigenen Akteuren als Quittung für das 0:3 ein lautes Pfeifkonzert entgegenschleuderte. Dabei blieb es nicht, am Zaun lieferten sich Fans und Spieler teilweise hitzige, kurze Wortgefechte, die nach längerer Aussprache immerhin in gegenseitigen, aufmunternden Applaus mündeten.
Der Eindruck, dass RWE im Topspiel nicht mithalten konnte, blieb jedoch und wurmte den Cheftrainer, der anschließend bei MagentaSport klare Worte fand.
"Ich glaube, dass wir heute im gesamten Spiel nicht so drin waren, wie es sich für ein Spitzenspiel gehört. Wir hatten unheimlich viele Situationen, in denen die 50:50-Bälle von Osnabrück wachsamer erobert und verteidigt wurden", sagte Uwe Koschinat. Daraus leitete er ein grundlegendes Problem ab: "Aus meiner Sicht hatten wir ordentliche Aufbaustrukturen, kamen aber nie in die gefährlichen Zonen, weil wir heute gedanklich einfach unheimlich langsam waren. Wenn ich mir alle Szenen vors geistige Auge rufe, in denen der Ball zwischen zwei Gegenspielern lag, waren das Osnabrücker Bälle. Das ist ein schlechtes Zeichen für uns - eigentlich eine Domäne, über die wir uns immer ausgezeichnet haben."
„Es geht darum, zu verstehen, warum sich manche Spiele so hervorragend anfühlen und andere so miserabel.“ (RWE-Cheftrainer Uwe Koschinat)
Als Sinnbild der unzureichenden Essener Leistung bezeichnete der 54-Jährige das Zustandekommen des Rückstands kurz vor der Pause. Nach einer kleinen Drangphase kassierte sein Team das 0:1, das aus einem eigenen Abstoß resultierte. Danach habe sein Team nicht mehr ins Spiel gefunden und sich am Ende klar geschlagen geben müssen. "Natürlich bewegen wir uns mit Osnabrück bislang auf Augenhöhe, das zeigt die Tabelle. Deshalb ist es ärgerlich, dass wir heute nicht auf Augenhöhe waren", so Koschinat weiter.
Rios Alonso macht sich "keine Sorgen"
Zustimmung bekam er von José-Enrique Rios Alonso. "Wir waren in vielen Situationen nicht wachsam genug, nicht nah genug dran", sagte der Verteidiger, der die Reaktion der mitgereisten Fans gelassen einordnete: "Es ist normal, dass man nach einem 0:3 frustriert und sauer ist. Wir wissen selbst, dass wir heute nicht gut gespielt haben. Wir versuchen, Woche für Woche alles abzuliefern. Mit der Saison bis jetzt können wir sagen, dass wir immer alles geben."
Und doch bleibt der Eindruck, dass RWE mal wieder im entscheidenden Moment nicht den Sprung nach oben schafft. Da nun das nächste Verfolgerduell und schwere Auswärtsspiel am kommenden Samstag in Rostock ansteht, besteht Gesprächsbedarf. "Es geht darum, zu verstehen, warum sich manche Spiele so hervorragend anfühlen und andere so miserabel", erklärte Koschinat. "Von außen betrachtet wirkte es heute so, als hätten alle Spieler in allen Situationen so sehr kämpfen müssen, dass unser Spiel keine Ruhe und Präzision hatte. Wenn man eine dermaßen hohe Verkettung von Problemen hat, fällt der Einstieg in ein solches Spiel besonders schwer."
Die Notwendigkeit zur Aufarbeitung sah auch Rios Alonso. "Wir alle wissen, dass jetzt die heißeste Phase beginnt. Der Trainer fängt mit den Führungsspielern an, und dann sprechen wir intern mit der Mannschaft", betonte er, fügte aber hinzu: "Ich mache mir keine Sorgen, wir haben immer gut auf solche Phasen reagiert."