Die Sport wurde deutlich. "Das schlechteste Spiel, seit Flick die Trainerbank übernommen hat, fand in Sevilla statt", schrieb die in Barcelona ansässige Sportzeitschrift.
Das 1:4 am Sonntagabend war vielleicht nicht unbedingt das schlechteste Spiel, aber wohl tatsächlich die schlechteste Halbzeit des FC Barcelona unter dem ehemaligen DFB-Coach. Vom Anpfiff weg klappte bei den Katalanen so gut wie nichts, gerade in der Defensive wirkten die Blaugrana geradezu hilflos. Über vier bis fünf Gegentreffer schon zur Pause hätte sich Barcelona nicht beschweren dürfen. Eine Handvoll Großchancen ließ Sevilla liegen.
Strittiger Elfmeter gegen Araujo
Wobei auch eingeräumt werden muss, dass der erste Treffer der Andalusier äußerst umstritten war. Isaac kam nach einem Zweikampf mit Ronald Araujo im Strafraum zu Fall, zunächst entschied Referee Muniz Ruiz auf Weiterspielen.
Im Nachhinein wurde der Dialog zwischen dem Schiedsrichter und dem VAR-Team öffentlich. "Unserer Meinung nach stolpert der Verteidiger, bringt den Angreifer zu Fall und legt sein Bein zwischen die Beine des Angreifers", hieß es vom Videoteam. Der Referee forderte mehr Bilder und schlug dann vor: "Lasst uns Elfmeter geben, okay? Elfmeter ohne Karte. Er berührt den Ball nicht." Das bestätigte der VAR: "Er berührt den Ball nie, er spielt den Ball nie."
Es war dennoch eine harte Entscheidung, da sich die beiden Spieler mehr oder weniger ineinander verheddert hatten. Vor dem 0:2 hatten einige im Mittelfeld zudem ein Foul an Jules Koundé erkannt. Für den Referee war es aber zu wenig, was durchaus nachvollziehbar war.
Flick sucht nicht nach Ausreden
Flick ließ zwar durchblicken, dass er die Situationen anders wahrgenommen hatte, wollte die Szenen aber auch aufgrund der Vielzahl an weiteren Chancen für Sevilla nicht überbewerten. "Ich möchte nicht über die beiden Gegentore sprechen, wir wollen keine Ausreden", sagte der 60-Jährige. "Die erste Halbzeit war nicht gut für uns, sie spielten Eins-gegen-eins und sehr aggressiv. Wir hatten keine Lösungen." Der schmeichelhafte Anschlusstreffer von Marcus Rashford quasi mit Halbzeitpfiff kam mehr oder weniger aus dem Nichts.
Aber er gab den Katalanen enormen Auftrieb. Mehrmals kam Barcelona dem Ausgleich nahe, doch nicht mal per Elfmeter wollte das 2:2 gelingen - Robert Lewandowski schoss in der 76. Minute neben das Tor. Dass der ehemalige Barcelona-Akteur Alexis Sanchez den Strafstoß von Sevilla zuvor verwandelt hatte, passte irgendwie auch ins Bild.
Am Ende warf Barcelona alles nach vorne und wurde gnadenlos ausgekontert. Flick zeigte sich aber "nicht verärgert", in der zweiten Halbzeit habe sein Team ein gutes Spiel gemacht. "Wir verlieren nicht gerne 1:4. Das ist hart, aber letztendlich ist es nur ein Spiel", fügte der Deutsche hinzu.
Nicht das schmerzhafteste Spiel
Allerdings war es bereits die zweite Niederlage in Folge nach dem 1:2 gegen Paris Saint-Germain in der Champions League. "Ich habe es nach dem PSG-Spiel gesagt: Wir müssen aus solchen Spielen lernen, und das werden wir auch tun", versprach Flick.
Von der schlimmsten Niederlage seit Amtsantritt wollte der Coach übrigens nichts wissen. "Die schlimmste war das Halbfinale in Mailand", erinnerte er sich an den verpassten Finaleinzug in der Königsklasse Anfang Mai. Selbst nach dem 1:1 bei Rayo Vallecano am 3. Spieltag, als Barcelona erstmals Punkte gelassen hatte, sei er enttäuschter gewesen.