Im aktuellen Kader der Bebbi gibt es zwei Stürmer, die diese Rolle grundsätzlich ausfüllen müssen. Bislang werden aber weder Albian Ajeti noch Neuzugang Moritz Broschinski der grossen Erwartungshaltung gerecht.
Dem FC Basel fehlt ein Knipser
Die Basler hatten in der Vergangenheit so manchen Torjäger in den eigenen Reihen. Man denke hierbei nur an die Zeiten eines Christian Gimenez und später füllten Spieler wie Mladen Petric, Marco Streller, Alex Frei, Seydou Doumbia oder Arthur Cabral diese wichtige Rolle aus.
Der letzte wirkliche Torjäger in Diensten des FCB dürfte Thierno Barry gewesen sein, der jedoch just dann wechselte, als er so richtig ins Rollen gekommen ist. In der Saison 2024/25 glückten dem Franzosen nämlich starke fünf Treffer an den ersten drei Super-League-Spieltagen.
Der aktuell beste Goalgetter der Bebbi in dieser Saison, Xherdan Shaqiri, steht nun bei fünf BSL-Toren aus zwölf Partien. Dahinter folgt Philip Otele mit vier Treffern, während ein Albian Ajeti erst drei Tore auf seinem Super-League-Konto hat.
Moritz Broschinski seinerseits wartet noch gänzlich auf sein erstes Ligator, gelangen ihm nur im Cup zwei Tore.
Die einzige Konstanz bei Ajeti ist dessen Inkonstanz
In jungen Jahren galt Albian Ajeti als der ganz grosse Hoffnungsträger im Sturm, sollte er doch auch in der Schweizer Nati eines Tages die Rolle des Torjägers einnehmen. Die Nati-Ausbeute des mittlerweile 28-Jährigen zeigt jedoch deutlich auf, dass bei ihm Hoffnung und Realität weit auseinanderklaffen.
In elf Länderspielen glückte dem Stürmer nur gerade ein Tor; und dies gleich bei seinem Länderspieldebüt beim 6:0-Erfolg gegen Island.
Während seiner gesamten Karriere konnte der gebürtige Basler nie den Nachweis erbringen, ein richtiger Torjäger zu sein. Nur in einer einzigen Saison gelangen dem Stürmer mehr als 15 Saisontreffer. Es war in der Spielzeit 2017/18, als er für den FC St.Gallen (drei Tore) und danach für den FC Basel (14 Treffer) auflief und sich mit 17 Toren sogar zum Torschützenkönig in der höchsten Schweizer Spielklasse krönte.
Eine Saison später gelangen ihm dann 14 Tore für den FCB, was bis heute seine zweitbeste Saison bedeutet, wenn man nur die nackte Anzahl an Toren berücksichtigt. In der letzten Spielzeit steuerte er zehn Treffer zum Titelgewinn der Bebbi zu.
Der Schweizer Offensivspieler hat immer wieder sehr gute Phasen in einer Saison, in welchen ihm in mehreren Spielen in Folge ein Treffer gelingt. So auch in der letzten Meistersaison, als er vom 4. bis 6. Spieltag vier Tore aus drei Partien erzielte. Danach glückte ihm in der Hinrunde aber nur noch ein weiteres Erfolgserlebnis in der Liga. Von Anfang November bis im April blieb er über sechs Monate ohne Ligator. Zum Ende der Spielzeit hin glückten ihm dann dafür wieder fünf Tore aus vier Partien.
Solch lange Phase ohne ein Erfolgserlebnis sieht man bei Albian Ajeti immer wieder, fehlt ihm doch die nötige Konstanz, um ein zuverlässiger Knipser sein zu können. Sein letztes Ligator in dieser Saison gelang im Anfang Oktober, womit er auch schon wieder seit einem Monat ohne Treffer geblieben ist.
Dabei kann man ihm nicht vorwerfen, dass er sich nicht bemühen würde. Vielmehr fehlt ihm beim Abschluss die Coolness und Kaltschnäuzigkeit, denn fehlende Chancen sind nicht das Problem von Ajeti. Er schafft es einfach nicht, die ihm bietenden Gelegenheiten auch zu nutzen.
Broschinski und die Frage, ob er überhaupt Torjäger-Potenzial besitzt?
Bei Moritz Broschinski, dem zweiten Basler Stürmer im Kader, sehen die nackten Zahlen noch ein wenig düsterer aus. So gelang dem 25-Jährigen bei acht Einsätzen noch keine einzige Torbeteiligung in der Liga. Es muss natürlich erwähnt werden, dass der Deutsche vornehmlich mit der Jokerrolle leben muss, weswegen er deutlich weniger Spielzeit aufweist als Ajeti.
Bei Broschinski muss man jedoch ganz allgemein die Frage in den Raum werfen, ob dieser über die nötigen Qualitäten verfügt, ein Torjäger sein zu können? Seine Karrierezahlen sehen nämlich nicht sehr vielversprechend aus.
Seine persönlich produktivste Saison erlebte der Stürmer in seiner Zeit bei Energie Cottbus in der Regionalliga Nordost. In der Saison 2019/20 gelangen ihm sechs Tore und acht Assists aus 23 Ligaspielen.
Über den BVB II ging es dann in die Bundesliga zum VfL Bochum, wo er 2023/24 andeuten konnte, welches Potenzial in ihm steckt. Sechs Scorerpunkte in seiner ersten Bundesliga-Saison können sich durchaus sehen lassen, wobei er nur zweimal selbst treffen konnte. Ganz allgemein gelangen Broschinski vor dieser Saison zusammengezählt nur neun Treffer aus den letzten vier Saisons.
Es kann bei seinen bisherigen Leistungen eigentlich nicht erwartet werden, dass sich sein Knopf plötzlich löst und er zu einer Tormaschine mutiert. Viel eher müssen sich die Verantwortlichen Gedanken darüber machen, wie sie bezüglich des Vakuums eines fehlenden Torjägers weiter vorgehen wollen.
Diskussion über vorzeitige Hunziker-Rückkehr spricht nicht für die aktuellen FCB-Stürmer
Es geht derzeit das Gerücht um, wonach sich die FCB-Verantwortlichen überlegen, Andrin Hunziker, der auf Leihbasis beim FC Winterthur spielt, vorzeitig zurück ans Rheinknie zu holen. Alleine die Tatsache, dass es dieses Gedankenspiel gibt, darf nicht gerade als gutes Zeichen für die aktuellen FCB-Stürmer gewertet werden.
Auch die Tatsache, dass beim Basler Spiel gegen den FC Zürich Albian Ajeti für Ibrahim Salah, einem gelernten Flügelspieler, weichen musste, dürfte zumindest für Broschinski eine bittere Pille gewesen sein. Allgemein gilt festzuhalten, dass man beim FCB nicht von einem allgemeinen Offensivproblem reden kann, sorgen doch die Flügelspieler um Philip Otele und Benie Traoré für reichlich Offensivpower, welche vom genialen Spielmacher Shaqiri orchestriert wird.
Die Abhängigkeit von Shaqiri ist ein Problem
Captain Xherdan Shaqiri ist der Denker und Lenker in der Offensive des FCB und wie grossen dessen Einfluss tatsächlich ist, beweist der nachfolgende Fakt. Der FC Basel gewinnt in der Liga nur dann ein Spiel, wenn der Schweizer Zauberzwerg einen Scorerpunkt holen konnte. Der 34-Jährige hat in dieser Saison in sieben Super-League-Partien gescort und alle Spiele wurden letztlich auch gewonnen.
In den restlichen fünf Spielen, in denen er weder ein Tor noch einen Assist beisteuern konnte, gewann der amtierende Schweizer Meister nicht (vier Pleiten und ein Unentschieden). Die unfassbare Abhängigkeit von XS23 ist definitiv gefährlich, denn wenn es ein Team schafft, ihn aus dem Spiel zu nehmen, wird es für die Basler plötzlich enorm schwierig.
Nur schon aus diesem Grund bräuchte das Team von Trainer Ludovic Magnin einen Stürmer, der weiss, wo das Tor steht. Ein Mann, der nur wenige Szenen braucht, um auch zuschlagen zu können. Derzeit trägt Shaq die Last der Offensive quasi alleine auf seinen Schultern, was für ihn selbst in mentaler Hinsicht sicherlich auch nicht immer ganz einfach ist. Das dürfte wohl mit ein Grund dafür sein, warum man ihn des Öfteren lamentieren sieht, wenn es seinem Team in der Offensive nicht nach Wunsch läuft. Er alleine kann es aber nicht richten, ist der Fussball nach wie vor ein Teamsport.
Und man stelle sich einmal vor, der FC Basel hätte nebst Shaqiri auch noch einen Torjäger, der die Edelpässe des Basler Ausnahmekönners veredeln könnte - die Bebbi wären dann zumindest in der heimischen Liga kaum mehr zu stoppen.