Die Wellenbewegungen durch die laufende Spielzeit gehen weiter. Und die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsauftritten ist eklatant. Wie schon über weite Phasen beim 1:4 in Köln, über zwei Drittel des Spiels in Augsburg (0:1) fehlte auch am Samstag jene Intensität, mit der die Hanseaten zuletzt in den Heimspielen gegen Dortmund (1:1), Stuttgart (2:1) oder Bremen (3:2) qualitative Vorteile des Gegners wettgemacht haben. "Das", sagt Merlin Polzin ehrlich, "war weit weg von dem, was wir in den letzten Wochen gezeigt haben." Und weit weg von dem, um in der Bundesliga zu Zählbarem kommen zu können.
"Es hat Intensität gefehlt, das war zu wenig"
Dass mit Nicolai Remberg ausgerechnet der robusteste Hamburger bei der TSG Hoffenheim seine Gelbsperre absitzen musste, war fraglos eine Schwächung, taugt aber nicht zur alleinigen Erklärung für vielfach zu halbherziges Verteidigen von Routiniers: Vor dem ersten Gegentreffer agierten Giorgi Gocholeishvili und Miro Muheim unachtsam, vor dem dritten Nicolas Capaldo, vor dem vierten ließ sich auch Youngster und Überflieger Luka Vuskovic anstecken. "Die Leistung war nicht so, dass wir als Sieger vom Platz hätten gehen können", erklärt Daniel Heuer Fernandes selbstkritisch, "es hat Intensität gefehlt, gerade in den Zweikämpfen, bei Balleroberungen. Da war es zu wenig."
Der Trainer sagt, er wolle die Problematik nicht "auf Heim- und Auswärtsspiele runterbrechen, auch wenn es so aussieht." Und durch Statistiken belegt wird: Mit zwei Pünktchen ist der HSV Letzter der Auswärtstabelle. Polzin bemängelt, dass seine Mannschaft "weit weg von der Härte in den entscheidenden Momenten war." Dass ihr dies abermals in der Fremde widerfuhr, ist offensichtlich. Der Chef bestätigt das in dieser Feststellung: "Es geht für uns darum, sich in jedem einzelnen Zweikampf zu behaupten, das haben wir in Hoffenheim nicht gemacht."
Polzin fordert mit Blick auf die Partie gegen Frankfurt: "Wir wollen wieder ein anderes Gesicht zeigen." Der Trainer wird dann zum Jahreskehraus wieder auf Remberg in der Zentrale setzen können und hofft auf Jean-Luc Dompé, der in Sinsheim wegen anhaltender Achillessehnenprobleme fehlte. Er könnte dann womöglich in der Sturmmitte Yussuf Poulsen einbauen. Der Kapitän kam nach seiner dritten Muskelblessur am Samstag zum zweiten Mal in Folge als Joker, während Ransford-Yeboah Königsdörffer die nächste Bewährungs-Chance von Beginn an verstreichen ließ.
Dass für die Mittelstürmer-Position während der Transferperiode im Januar Bedarf herrscht, ist offensichtlich und von den Bossen so erkannt. Dieser besteht unabhängig vom Ausgang der Partie gegen die Hessen - und unabhängig vom Heim-und Auswärtsgesicht.