"Der Star ist die Mannschaft". Dieser Leitspruch von Berti Vogts während seiner Zeit als Bundestrainer, insbesondere bei der Europameisterschaft 1996, gilt seither als Phrase. Auch wenn viel Wahres drinsteckt. Die Nationalmannschaft bestand aus elf Stars. Aber im Kollektiv gelang damals der Titelgewinn. Nur als Team wird man erfolgreich sein.
Das lässt sich genauso auf den Amateurfußball übertragen. Und doch ist es da ein wenig anders. Nicht selten steht der Star da an der Seitenlinie. Bestes Beispiel ist der MTV Wolfenbüttel: Trainer Deniz Dogan war lange Jahre Profi. 23-mal lief er für Eintracht Braunschweig in der Bundesliga auf. Zudem verfügt der 45-Jährige über die Erfahrung von 74 Zweit- und 98 Drittligaspielen. Dogan kennt sich aus im Profifußball. Und nun feierte er als Trainer seinen größten Erfolg: Er führte den MTV Wolfenbüttel in die Oberliga Niedersachsen. Der Star ist der Trainer.
Auftakt im Braunschweig-Trikot
Vor drei Jahren, als er kam, war der MTV gerade in die Landesliga abgestiegen. Für den Neuaufbau konnte man mit Dogan einen prominenten Namen gewinnen. In Wolfenbüttel sorgte das durchaus für Aufsehen. Einige im Team sind Anhänger von Eintracht Braunschweig. Beide Städte liegen nur 12 Kilometer auseinander. "Natürlich kannten mich die Jungs", erzählt Dogan und muss selbst dabei schmunzeln, als er quasi als Beleg eine kleine Anekdote hinterher schiebt: "Johannes Patz (Anmerkung der Red.: MTV-Abwehrspieler) hatte eine Wette verloren. Und so musste er zum ersten Training in meinem Trikot auflaufen."
Für Dogan als immer noch jungen Trainer war der Schritt nach Wolfenbüttel folgerichtig: "Ich kann hier etwas entwickeln, Ideen einbringen und mich selbst weiterentwickeln." Die Entwicklung lässt sich anhand von Zahlen belegen: Nach Platz 3 in der Saison 2023/24 marschierte Wolfenbüttel mit einer Tordifferenz von 117:24 und 18 Punkten Vorsprung förmlich durch die Landesliga Braunschweig. "Schade, sieben Tore mehr, und wir hätten eine Tordifferenz von 100 gehabt", scherzt Teammanager Lars Pape, der seinem Trainer einen großen Anteil am Aufstieg zumisst. "Deniz hat hier drei Jahre etwas aufgebaut mit seiner klaren Spielidee."
Kontrolle in allen Phasen
Wie diese aussieht, beschreibt Dogan selbst und betont dabei, er würde es in der Bundesliga nicht anders machen. "Wir wollen Kontrolle haben, mit und ohne Ball. Wir versuchen, den Gegner in unbequeme Positionen zu bringen." Das Training gehe schon manchmal an die Grenzen, "aber die Jungs entwickeln sich dadurch. Das Passspiel wird besser, die Technik wird besser, die Spielintelligenz nimmt zu. Ich merke, dass die Jungs es cool finden und auch mitgehen." Deshalb will der 45-Jährige auch in der Oberliga an seiner Arbeitsweise festhalten. "Das ist der Weg, den wir eingeschlagen haben und der uns das gebracht hat, was wir geleistet haben. Warum sollen wir davon abkehren, das macht wenig Sinn."
Der Verein geht mit Demut, aber nicht ohne Mut und Mumm an die Aufgabe. "Wir gehen davon aus, dass wir in der Oberliga mithalten können", betont Sportchef Pape. Der Kader besteht aus 29 Akteuren. 19 Spieler wurden gehalten. Dazu kamen fünf aus der U 19 sowie fünf externe Neue. Während die jungen Spieler Zeit bekommen werden, sollen "die Externen uns auf Anhieb weiterbringen", macht Pape klar. Besonders erfreut sei er über die Zusage von Marvin Oktay. "Drei Jahre waren wir an ihm dran, den hatten wir schon lange auf dem Zettel." Oktay kommt von Freiturner Braunschweig aus der Landesliga. "Ein Vollblutstürmer", wie Pape ihn bezeichnet.
Angesprochen auf die Ambitionen, sträubt man sich in der Lessingstadt nicht, das R-Wort in den Mund zu nehmen. Die nächste Stufe der Entwicklung könnte mittelfristig in der Regionalliga münden. "Wir denken darüber nach. Wenn es so kommen würde, wären wir nicht abgeneigt." Aber erst mal sei das Ziel, sich in der Oberliga zu etablieren und nicht zur Fahrstuhlmannschaft zu werden.
„Wir haben mit die beste Anlage in der Oberliga.“ (Lars Pape, Teammanager)
Infrastrukturell müsste auf Dauer noch einiges gemacht werden. Wie so vielen Oberligisten fehlt es an einem Gästebereich für die Fans. In Bezug auf die Spielstätte braucht Wolfenbüttel dennoch keinen Vergleich zu scheuen. Die Trainingsbedingungen sind top. Mit dem Sportpark Meesche hat der Klub eine Anlage, die höheren Ansprüchen genügt. 13 Millionen hat die Stadt in den 2022 gebauten Sportpark investiert. Die Anlage wird auch für den Schulsport genutzt. Es gibt zwei Kunstrasenplätze, einen Hartplatz, einen Platz mit Naturrasen, eine Tribüne, ein Funktionsgebäude. Der Park bietet die Möglichkeit für Beachvolleyball, Basketball, Fitness sowie einen Laufpfad zum Joggen. "Ich glaube, wir haben mit die beste Anlage in der Oberliga", bemerkt Pape.
Es hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan in Wolfenbüttel. Und die Entwicklung ist nach Ansicht aller Beteiligten nicht abgeschlossen. Allen voran Dogan möchte noch einiges bewegen. Sich mit Besseren zu messen, mache einen selbst besser. Das sage er auch seinen Spielern. Für ihn ist Wolfenbüttel genau der richtige Ort, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. "Ich persönlich möchte schon wieder in den Profibereich. Das wissen auch alle." Er sehe das Ganze aber nicht verkrampft. Vorerst bleibt er der Star beim neuen Oberligisten aus dem südöstlichen Niedersachsen.