Am Sonntag stehen bei zwei Partien der ersten Pokalrunde Rassismus-Vorwürfe im Raum. Am Montag kündigte der Kontrollausschuss des DFB an, Ermittlungen aufzunehmen.
"Der Kontrollausschuss untersucht die Vorgänge und leitet Ermittlungen gegen die jeweiligen Vereine ein", sagte ein Verbandssprecher der dpa. Üblicherweise werden dazu erst einmal Stellungnahmen aller Beteiligten angefordert.
Bei der Partie des Oberligisten RSV Eintracht Stahnsdorf gegen den 1. FC Kaiserslautern soll ein Auswechselspieler der Roten Teufel rassistisch beleidigt worden sein. Dies machte der Stadionsprecher in Potsdam öffentlich. Der Täter konnte durch ein zügiges Reagieren von Zuschauern sowie des Sicherheitsdienstes unmittelbar nach dem Vorfall identifiziert und ergriffen werden, die Fans beider Lager skandierten "Nazis raus".
Im Spiel der Schalker bei Lok Leipzig hat Gästespieler Christopher Antwi-Adjei gegenüber Schiedsrichter Max Burda eine mutmaßliche rassistische Beleidigung gegen ihn kenntlich gemacht. Burda unterbrach die Partie für wenige Minuten, der Stadionsprecher forderte die Zuschauer auf, die rassistischen Zwischenrufe zu unterlassen. Nach Wiederaufnahme des Spiels wurde Antwi-Adjei bei jedem Ballbesitz ausgepfiffen. Lok Leipzig entschuldigte sich später dafür beim Spieler und dem FC Schalke.
Der Schalker hat mittlerweile Anzeige erstattet, weshalb in diesem Fall nicht nur der DFB, sondern auch die Polizei ermittelt. "Anzeige gegen Unbekannt" habe in Person von Geschäftsführer Martin Mieth auch Lok Leipzig gestellt, wie ein Klubsprecher am Montag erklärte - zuvor hatten die Leipziger Volkszeitung und die Bild über eine Anzeige von Lok berichtet.
Antwi-Adjei berichtete nach dem Spiel, dass von der Tribüne das "N-Wort" gerufen worden sei. Mit dem Begriff "N-Wort" wird heute eine früher gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben. Es sei "deutlich, dass diejenige Person ein Problem mit meiner Hautfarbe beziehungsweise Herkunft hat", schrieb Antwi-Adjei am Mittwoch in einem Statement auf Social Media. Gleichzeitig bedankte er sich für die vielen Solidaritätsbekundungen, die er erhalten hatte.
"Rassismus und Diskriminierung, Hass und Ausgrenzung haben im Fußball keinen Platz. Wir stehen für Vielfalt und Respekt. Und an der Seite der Betroffenen sowie derjenigen, die sich für unsere Werte einsetzen. Entsprechend wurden im Nachgang der beiden DFB-Pokalspiele am Sonntag durch den DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen eingeleitet", erklärte DFB-Präsident Bernd Neuendorf.
NOFV-Präsident Winkler: "Keine fremdenfeindliche Stimmung wahrgenommen"
Vor einer schnellen Vorverurteilung warnte unterdessen Herrmann Winkler, der Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbands (NOFV). "Bei aller Notwendigkeit einer zügigen Aufarbeitung dieses ernsten Themas, hört auf mit Spekulationen und Schuldzuweisungen, bevor nicht Spielbericht und Ergebnisse der polizeilichen Befragungen ausgewertet sind", sagte Winkler der dpa.
Winkler war selbst Augenzeuge der Partie im Bruno-Plache-Stadion und meinte, er habe "keine fremdenfeindliche Stimmung wahrgenommen". Derweil werten die Leipziger eigenen Angaben zufolge Video-Material aus, "weil es in dem Bereich, aus dem der Ruf kam, Überwachungskameras gibt". Bei Lok hoffe man natürlich, "den Rufer zu finden" und es soll schon einige Hinweise geben. Die Leipziger betonten zudem, dass man für den Fall, dass der Täter ermittelt wird, alle juristischen Mittel ausschöpfen und ein lebenslanges Hausverbot anstreben werde.
Infantino nimmt DFB in die Pflicht
Selbst FIFA-Präsident Giovanni Infantino meldete sich nach den zwei gemeldeten Vorwürden zu Wort: "Ich wiederhole mich und werde dies weiterhin tun: Im Fußball gibt es keinen Platz für Rassismus oder jede andere Form der Diskriminierung", sagte Infantino, der erst jüngst zwei Vorfälle in der englischen Premier League als "absolut inakzeptabel" verurteilt hatte.
Laut Infantino stünden die "FIFA, das Spieler-Gremium und die gesamte Fußballgemeinde fest an der Seite der von diesen Vorfällen Betroffenen". Den DFB nahm der Schweizer in die Pflicht: "Wir sind fest entschlossen, dafür zu sorgen, dass Spieler respektiert und geschützt werden, und dass die Wettbewerbsorganisatoren sowie die Strafverfolgungsbehörden entsprechende Maßnahmen treffen."