Fehlercode: %{errorCode}

Die andere Seite von Bayerns erster Niederlage

kicker

Ein bisschen außergewöhnlich wirkte es fast schon, wie nüchtern-ernst die Blicke der bayerischen Protagonisten am Mittwochabend in London ausfielen. Man hat sich in den vergangenen Monaten seit dem - ohne zu googlen - 0:2 gegen Paris bei der Klub-WM so sehr an zufriedene Münchner gewöhnt, dass der Niederlagen-Erklärungsmodus auch mal wieder interessant zu beobachten war.

Da stand dann in den Katakomben des Emirates Stadium zum Beispiel Jonathan Tah am DAZN-Mikrofon und sprach von Details, die das Topspiel zwischen den Bayern und Arsenal entschieden hätten. Oder Serge Gnabry, der um Akzeptanz bat, "wenn man mal verliert". Verdient verliert übrigens, wie es Joshua Kimmich gleich einordnete.

Kimmich: "Das ist ein extrem wichtiges Spiel für uns"

Und Vincent Kompany? Der würde am liebsten gleich nochmal gegen Arsenal spielen. Weil dieser akribische Trainer sich so intensiv auf den Tabellenführer der Premier League vorbereitet hatte, dass es in seinem Selbstverständnis des Immer-Gewinners eine Gelegenheit geben muss, diesen Fauxpas geradezurücken. Und vielleicht gibt es diese Gelegenheit ja auch, aber frühestens im neuen Jahr.

Diese bis vor wenigen Wochen noch absurd gute Bilanz von 16 Siegen aus 16 Spielen liest sich nach dem 1:3 in London immer noch absolut okay: 17 Siege sind es aus 19 Partien, bei einer Niederlage und einem Remis (2:2 in Berlin). Tabellenführer der Bundesliga sind die Bayern nach wie vor mit einem großzügigen Vorsprung, und in der Königsklasse müssen sie - anders als vor einem Jahr - trotzdem noch nicht um einen Platz unter den ersten acht bangen.

Sie haben sich den Luxus erarbeitet, nach einer Niederlage auch mal wieder in den Lernmodus schalten zu dürfen. "Das ist ein extrem wichtiges Spiel für uns", meinte Kimmich zum Beispiel. "Also ich bin davon überzeugt, dass wir extrem viel mitnehmen werden, dass wir viel daraus lernen werden. Es waren viele Aspekte dabei, die wir verbessern müssen."

Gegen PSG hatte der Mann-gegen-Mann-Ansatz der Münchner eine Hälfte lang in Perfektion funktioniert, in London dagegen bekam der deutsche Branchenprimus vom besten englischen Team teilweise die Grenzen aufgezeigt: weil Arsenal sich gar nicht einließ auf Kompanys Pressingfußball und körperlich (Declan Rice!) nahezu durchgehend überlegen war; und weil die Gunners es auf beeindruckende Art und Weise schafften, Spielmomente zu kontrollieren und die Bayern einzuschnüren.

Die Bayern erfahren etwas, was sie von Leipzig oder Dortmund nicht erfahren können

Fußballspiele hinterher aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, ist nicht nur gesund, sondern auch normal. Bei einem Sieg in London hätten die Münchner weiterhin den inoffiziellen und absolut unwichtigen Titel als derzeit beste Mannschaft Europas für sich reklamieren müssen. So aber haben sie erfahren dürfen, was sie von Leverkusen, Leipzig oder Dortmund nicht erfahren können: Es gibt tatsächlich noch Dinge zu verbessern.

"Lernen", fordert deshalb auch Sportvorstand Max Eberl. "Lernen aus dem Spiel, lernen, weil solche Spiele in der K.-o.-Runde auf uns zukommen werden. Mit solchen Gegnern, mit solchen Kalibern."

Das einzige Problem daran: Solche Kaliber kommen vermutlich erst wieder im Frühjahr, wenn es in die K.-o.-Runde der Königsklasse geht. Und dann darf Kompany sich wieder akribischst vorbereiten - und es im Zweifel nochmal versuchen gegen Arsenal.