Aus Atlanta berichtet Matthias Dersch
Serhou Guirassy ist einer der besten Stürmer Europas. Das ist unter anderem daran abzulesen, dass er in der vergangenen Champions-League-Saison mit 14 Treffern die Torschützenliste anführte. Ein schillernder Star allerdings - wie so mancher seiner internationalen Kollegen - ist der 29-Jährige nicht. Der gläubige Moslem hat keinen extravaganten Kleidungsstil, geht nicht auf exklusive Partys und weicht Mikrofonen aus, so oft es eben möglich ist.
Guirassy ist kein Typ für den Strand
Am Montag allerdings musste Guirassy doch mal sprechen: Sein Klub Borussia Dortmund hatte ihn als einen von drei Profis ausgewählt, die vor dem Klub-WM-Achtelfinale gegen CF Monterrey aus Mexiko mit den Pressevertretern aus aller Welt sprechen mussten. Er tat das höflich und mit einem Lachen im Gesicht. Aber man tritt ihm nicht zu nahe, wenn man sagt: Allzu viel verraten über sich hat der Stürmer nicht.
Er gehe nicht viel raus im Teamquartier in Fort Lauderdale, ein Strandtyp sei er auch nicht, nur ab und zu habe er mal das Hotel verlassen, um etwas einzukaufen, sagte er - und sprach dann etwas ausführlicher über das, was er am liebsten macht: Fußball spielen und Tore schießen.
"Ich spiele hoffentlich jedes Spiel"
Auf die Frage, ob er es begrüßen würde, wenn sich Borussia Dortmund um einen Back-up für ihn bemühen würde, gab er eine klare Antwort: "Es ist nicht mein Business, über Transfers zu reden. Ich versuche immer, bereit zu sein, um zu spielen. Wenn ich mich weiter gut fühle, dann spiele ich hoffentlich jedes Spiel." Im Klartext: Aus seiner Sicht benötigt der BVB keine Ersatzlösung. Zumal er versicherte, hart daran zu arbeiten, dass er so fit bleibt wie in den vergangenen Monaten: "Ich arbeite viel mit den Physios, mache Mobility-Programme und gehe früh schlafen. Das ist sehr wichtig."
Sein Trainer Niko Kovac hört diese Dinge gern. Für ihn verkörpert Guirassy jenen Spieler-Typ, den der 53-Jährige am liebsten hat: Hart und gewissenhaft arbeitende Vollprofis, die nach stetiger Verbesserung streben. "Ich bin froh, dass wir Serhou haben. Er ist unsere Lebensversicherung", sagte Kovac in der Pressekonferenz vor dem Monterrey-Spiel. "Er spielt viel, weil ich davon überzeugt bin, dass er die Qualität hat, die ganzen Spiele zu spielen."
Kovac sieht einen "ordentlichen Mix"
Anschließend gab er eine klare Antwort darauf, wie er zu der Back-up-Frage für Guirassy steht: "Wenn er die körperlichen Fähigkeiten nicht hätte, dann müssten wir anders agieren. Aber er hat sie. Solange Serhou gesund ist und nicht von sich aus sagt, dass er nicht möchte oder kann - was er nicht tun wird -, dann wird er auch spielen."
Und was, wenn er doch einmal ausfallen sollte - so wie zu Beginn der vergangenen Saison, als er aufgrund einer Knie-Operation verspätet einsteigen konnte? Aus Sicht von Kovac verfügt er in seinem Kader auch in einer solchen Situation über geeignete Alternativen: "Wir haben mit Karim Adeyemi und Maximilian Beier Spieler, die Serhou ersetzen können. Wenn auch auf andere Art und Weise." Während Guirassy seine Stärken auch mit dem Rücken zum Tor hat, sind Adeyemi und Beier eher Spieler, die die Tiefe für ihr Spiel brauchen. "Dadurch", sagte Kovac, "haben wir einen ordentlichen Mix."