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Die Binde für Andrich: Ten Hags heikle Kapitänsfrage

kicker

Dass Lukas Hradecky zur AS Monaco wechseln wird, davon gehen alle Beteiligten aus. Mit dem 35-Jährigen wird Bayer 04 aber nicht nur seine langjährige Nummer 1, sondern auch seinen Kapitän verlieren. Und so stellt sich die Frage nach Hradeckys Nachfolger als Spielführer.

In den beiden jüngsten Testspielen beim VfL Bochum (2:0) und bei Fortuna Sittard (2:1) trug jeweils Robert Andrich die Binde. Übernimmt der 30-Jährige, der nach seinem Wechsel 2021 von Union zu Bayer schnell zum Führungsspieler aufstieg, das Amt des Finnen?

„Das ist natürlich ein Zeichen. Rob ist ein Leader.“ (Erik ten Hag)

Trainer Erik ten Hag wollte Andrich als möglichen Kandidaten nach dem 2:1-Sieg in Sittard jedenfalls nicht in Abrede stellen. Vielmehr äußerte er sich so, dass dies schon als klarer Wink für den deutschen Nationalspieler gewertet wurde. "Das ist natürlich ein Zeichen", erklärte der 55-Jährige zur erneuten Vergabe der Binde an Andrich, "Rob ist ein Leader. Das sieht man. Er kommuniziert. Er ist präsent. Er ist ein Vorbild für die Mannschaft."

Als das absolute Signal, dass Andrich dauerhaft die Binde trägt, muss dies allerdings nicht gewertet werden. Schließlich fügte ten Hag an seine positive Beurteilung Andrichs noch an: "Das ist schon gut, aber wir brauchen mehr Leader, weil auch viele Leader gegangen sind."

Es gibt nicht viele Kandidaten - Andrich ist grundsätzlich geeignet

Klar ist: Da Hradecky vor einem Wechsel steht und zudem auch die logischen Nachfolger wie Jonathan Tah (Bayern München), Granit Xhaka (AFC Sunderland) oder auch Florian Wirtz (FC Liverpool) den Klub verlassen haben, drängen sich nicht allzu viele Kandidaten auf. Dafür ist die Auswahl Andrichs, der im Laufe der Rückrunde immer mehr an Einsatzzeit eingebüßt hatte, in jedem Fall ein klares Zeichen.

Dass der defensive Mittelfeldspieler grundsätzlich aufgrund seiner Persönlichkeit ein geeigneter Aspirant ist, steht außer Frage. Ergibt sich die Ernennung Anrichs als quasi von alleine? Ist Andrich also wirklich automatisch der neue Kapitän, da Hradecky entweder wechselt oder falls er nicht seinen Platz im Tor an Mark Flekken verliert? Was so logisch und einfach klingt, ist aber durchaus ein diffiziler Sachverhalt.

Mit der Wahl Andrichs könnte ten Hag eine Baustelle schaffen

Denn die Vergabe dieses Amtes sollte gut bedacht sein. So würde sich ten Hag mit seinem Votum für Andrich womöglich eine zusätzliche Baustelle schaffen. Schließlich war der Rechtsfüßer in der Rückrunde unter Xabi Alonso zuletzt sportlich immer weiter aufs Abstellgleis gerutscht. Und trotz des Abgangs des gesetzten Xhaka ist es nicht selbstverständlich, dass Andrich zur unumstrittenen Stammkraft wird.

So ähnelt der zuletzt verletzt fehlende Aleix Garcia als Spielertyp am ehesten Xhaka. Und bei Bayer setzt man darauf, dass der durch den Schweizer bislang zum Teil blockierte Spanier in seiner zweiten Saison eine gewichtigere Rolle einnimmt. Zudem gilt der argentinische Weltmeister Exequiel Palacios, wenn er topfit ist, quasi als gesetzt.

Ein Kapitän, der nicht spielt, wirft Diskussionen auf

So könnte es für den in Sittard gut spielenden Andrich trotz Xhakas Abschied schnell eng werden auf der Doppelsechs. Und die dann automatisch folgenden medialen Diskussionen, warum der neue Kapitän nicht zur Startelf gehört, wären ein unnötiger und selbstgemachter Unruheherd. Denn klar ist: Ein Kapitän sollte im Idealfall auch Stammspieler sein, um etwaige Störfeuer bei diesem Thema zu vermeiden.

Zudem würde Andrich womöglich schnell als Symbolfigur ausgemacht, wenn es sportlich beim Vizemeister nicht laufen sollte. Nach dem Motto: Wenn ein Reservist aus der Endphase der Vorsaison zum Kapitän aufsteigt, belegt das ja eindeutig, dass die Abgänge von Leistungsträgern und Köpfen wie Tah, Xhaka und Wirtz nicht durch entsprechende Zugänge aufgefangen wurden.

Die Kapitänsfrage kann heiklen Charakter annehmen

Ten Hag muss also im Laufe des August bis zum Start eine durchaus diffizile Entscheidung treffen. Dafür ist die bisherige Vergabe der Binde an Andrich in jedem Fall ein eindeutiges Zeichen. Wie in so vielen Aspekten, so stellt auch die Kapitänsfrage beim Umbruch in diesem Sommer eine spannende dar - und eine, die durchaus einen heiklen Charakter annehmen kann. Weshalb die Antwort darauf wohl überlegt sein sollte.