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Die "große Liebe" ist König Artur nachgereist: Wie Wichniarek in Berlin mitfiebert

kicker

Der Ex-Torjäger über Bielefeld, Gerland und Trikots

Gleich zweimal, von 1999 bis 2003 und von 2005 bis 2009, stürmte er für Arminia Bielefeld, und das erfolgreich. Mit 45 Toren in 152 Erstligaspielen hält Artur Wichniarek bei den Ostwestfalen den Rekord mit den meisten Treffern für den Klub in der Bundesliga. Ein Erfolg, der den mittlerweile 48-jährigen Polen noch immer eng mit dem Klub verbindet. Und auch bei den Fans hat sich der Spieler mit dieser Leistung unsterblich gemacht, noch heute wird er von ihnen als "König Artur" verehrt.

In der polnischen Botschaft in der Straße Unter den Linden in Berlin hielt der König am Tag vor dem DFB-Pokalendspiel Hof und erzählte von den Anfängen seiner internationalen Karriere. Inzwischen auch in Berlin lebend, reist ihm die "große Liebe" Arminia nun in die Wahlheimat nach und bestreitet im Olympiastadion das Finale gegen den VfB Stuttgart. Wichniarek, am Samstag fürs polnische Fernsehen als Experte am Start, wünscht sich einen spannenden Verlauf mit gutem Ausgang für die Bielefelder: "Vielleicht steht es am Ende nach Verlängerung 1:1 oder 2:2. Im Elfmeterschießen ist dann alles möglich."

Im Nachtzug nach Posen, schlechter als der Zeugwart

Dass die emotionalen Erinnerungen an Bielefeld nach wie vor lebendig sind, hat bei Wichniarek auch private Gründe. "Zu meiner Zeit gab es von Bielefeld eine direkte Verbindung mit dem Nachtzug in unsere damalige Heimatstadt Posen", berichtet er, "meine Frau Kasia hat ihn besonders oft genutzt, als sie daheim noch ihr Studium abschließen musste. Und: Meine erste Tochter Maja ist in Bielefeld zur Welt gekommen. Ich selbst habe heute noch alle Trikots aus der Zeit und trage Arminia in meinem Herzen."

Wichniarek, der in seinem jetzigen Leben als vielseitiger Geschäftsmann, Spielerberater und eben fürs TV unterwegs ist, nennt aber auch kuriose Dinge, die seine Zeit in Bielefeld unvergesslich machen: "Als meine Frau und ich dorthin kamen, sprachen wir noch kein Wort Deutsch, nur etwas Englisch. Wir bekamen von Arminia einen Aufpasser zur Seite gestellt, der Türke war und nur Türkisch und Deutsch sprach …" Auch mit den Trainern, darunter Thomas von Heesen und Michael Frontzeck, lief es für den bisweilen egozentrischen Topspieler nicht immer reibungslos. "Besonders mit Hermann Gerland hatte ich Probleme", verrät Wichniarek, "da hatte der Zeugwart fast größere Chancen, aufgestellt zu werden …"

Erfolg mit Arminia, Frust bei Hertha

Bis zum Erscheinen eines gewissen Robert Lewandowski war Wichniarek die "heißeste Aktie" seines Heimatlandes in der Bundesliga. "Die Leute zu Hause in Polen schauten die Bundesliga und bekamen erst mit, dass es Bielefeld überhaupt gibt, als dort ein Pole Tore schoss", ist Wichniarek stolz. Dass Lewandowski oder ein Harry Kane heute viel mehr Tore erzielen als er, wurmt ihn nicht. Zumal es in Bielefeld eine ganz andere Nummer gewesen sei als sie es für seine beiden prominenten Kollegen in ihren Teams ist. "Als Stürmer bist du in Dortmund, München oder Barcelona ständig am Ball, bekommst die Pässe vor dem Tor in den Fuß gespielt. In Bielefeld gab's den langen Ball und du musstest aus wenig viel machen. Wir wollten, konnten aber nicht so offensiv auftreten."

Die beiden Intermezzi bei Hertha BSC waren für "seine Majestät" unterdessen insgesamt nicht so von Erfolg gekrönt. Dafür gab es viel Frust. In 81 Spielen gelangen ihm sechs Tore in der Hauptstadt. Selbstkritisch, aber mit dem zeitlichen Abstand auch augenzwinkernd denkt der Blondschopf an seine aktive Zeit in Berlin zurück: "Ich bin zweimal dort gelandet. Das erste Mal war schwach. Beim zweiten Mal dachte ich: Schlechter kann es nicht werden. Aber ich habe es geschafft …"

Für die jüngst so erfolgreiche Arminia sieht Wichniarek derweil eine rosige Zukunft, wenn sich Fehler in der Vereinsführung, wie sie oft in der Vereinsgeschichte und auch zu seiner Zeit passierten, nicht wiederholen. "Die Region ist fußballverrückt. Bielefeld könnte auf Sicht eine Rolle wie Mainz, Freiburg oder Augsburg spielen. Jetzt sind sie erst einmal mit einer grandiosen Saisonleistung wieder in die 2. Liga aufgestiegen. Bisher gab es in Bielefeld nur einen König Artur, jetzt gibt es dort zu Recht mehrere Könige."