Ohne die Klub-WM, so stellte es Ehrenpräsident Uli Hoeneß vor einigen Monaten dar, hätte selbst der FC Bayern 2024/25 rote Zahlen geschrieben. Des einen Freud aber ist bekanntlich des anderen Leid. Denn klar ist auch: Aus deutscher Sicht hatten die Münchner auch ohne die ausgebaute FIFA-Veranstaltung in der vergangenen Spielzeit sowieso schon die höchsten Einnahmen aus den internationalen Klubwettbewerben und damit ihre Position als Nummer eins der Bundesrepublik weiter festigen können.
Diese hohen Ausschüttungen der UEFA stellen nicht nur für die Bundesliga mit Blick auf den Titelkampf ein Problem dar, die Frage nach der Wettbewerbszementierung stellt sich in nahezu allen nationalen Ligen.
4,4 Milliarden Euro Einnahmen - und wie sie verteilt werden
Jüngst warnte der Schweizer Claudius Schäfer, der Präsident der Ligenvereinigung European Leagues (EL), vor einer "erheblichen Verzerrung". Bei der Jahreshauptversammlung der EL präsentierten nun Vertreter der Union of European Clubs (UEC) einen Plan, der dieser Entwicklung entgegenwirken soll. Und der, das kann man sagen, vor allem bei den Vertretern der Großklubs und deren Vereinigung EFC (ehemals ECA) mit dem wandelnden Interessenkonflikt, Paris-Saint-Germain-CEO Nasser Al-Khelaifi, an der Spitze auf wenig Gegenliebe stoßen wird.
Die UEC, die vor allem kleine Vereine respektive Klubs aus Ligen der Mittel- und Unterklasse Europas vertritt, fordert als Grundidee ein verändertes Ausschüttungsmodell der Preisgelder für die UEFA-Klubwettbewerbe. Von den aktuell 4,4 Milliarden Euro an Einnahmen verbleiben nach Abzug der Organisationskosten (387 Millionen), Solidaritätszahlungen (440 Millionen), Zahlungen an die Frauen-Champions-League und die Youth League (25 Millionen) sowie dem UEFA-Anteil (231 Millionen) 3,317 Milliarden Euro Preisgeld.
Davon werden 27,5 Prozent als Start- und 37,5 Prozent als Leistungsprämie verteilt, 35 Prozent werden als Wertprämie ausgeschüttet, die neben der Stärke des nationalen Medienmarktes auch das Abschneiden eines Klubs der vergangenen zehn Jahre berücksichtigt. Wie sich das auswirkt, zeigt ein Blick in die Vorsaison: Hier schieden sowohl der VfB Stuttgart als auch RB Leipzig in der Ligaphase der Königsklasse aus, doch über jene Säule nahmen die Sachsen rund 20 Millionen Euro mehr ein als die Schwaben.
Finanzielle Unterschiede mit dem Faktor 79,8
Und ebendiese Wertprämie, die international eine Zementierung der Verhältnisse zumindest begünstigt, möchte die UEC abschaffen und anders verteilen. Was im ersten Schritt das gesamte Preisgeld für alle drei UEFA-Klubwettbewerbe von 3,317 auf 3,525 Milliarden Euro erhöhen würde, weil die Solidaritätszahlungen wegfielen.
Denn: Das Startgeld, so die UEC, solle komplett in den nationalen Ligen aufgehen. 85 Prozent würden unter den jeweiligen Erstligisten zu gleichen Teilen ausgeschüttet, 15 Prozent unter den Zweitligisten. Zudem sollen die Töpfe zwischen den Wettbewerben neu verteilt werden: Die derzeit mit 74 Prozent der Preisgelder dotierte Champions League käme "nur" noch auf 50 Prozent zugunsten von Europa League (17 auf 30 Prozent) und Conference League (9 auf 20 Prozent) - um auch die kleineren Klubs und Nationen mehr profitieren zu lassen. Das wird weder in München noch beim FC Barcelona oder dem FC Arsenal für Jubel sorgen und ganz gewiss nicht bei der EFC.
Die Grundidee dahinter aber ist allemal eine inhaltliche Auseinandersetzung wert, denn die Zahlen, die die UEC den Ligen am Mittwoch in Sofia präsentierten, sind alarmierend: In Portugals Primeira Liga erlöst der einnahmenstärkste Klub aktuell 79,8-mal soviel wie der wirtschaftlich betrachtet Letzte. In der Ligue 1 liegt dieser Faktor bei 46,1, in der Eredivisie bei 19,9, in der Serie A bei 8,1, in La Liga bei 6,7. Die UEC-Verteilung, so das Papier, würde die Schere zumindest etwas schließen, ohne die gute Ausgangsposition der Spitzenverdiener zunichte zu machen.
Die Faktoren lägen, angewendet auf die Saison 2024/25, dann bei 11,4 in Portugal, 7,7 in Frankreich, 5 in den Niederlanden, 4,4 in Italien und 4,2 in Spanien. Das Extrembeispiel ist die Ukraine: Dort liegt der Faktor aktuell bei 134,8, die UEC-Umgestaltung würde ihn auf 3,2 reduzieren.
Besonders in den mittleren und kleineren Fußballligen, das geht aus diesen Faktoren hervor, zementieren die UEFA-Preisgelder den Wettbewerb. Doch auch in den großen Ligen verstärken sie natürlich die Pole Position der Führenden. Wenngleich hier auch das Argument gilt: Gerade Klubs wie die Bayern haben sich ihre Position über Jahrzehnte sportliche wie wirtschaftlich erkämpft.
"Wettbewerbe werden vorhersehbar und langweilig"
"In Europa zu spielen, ist für Tausende von Fußballvereinen ein Traum. Aber die Konzentration des Geldes an der Spitze des Sports birgt die ernsthafte Gefahr, dass die UEFA-Klubwettbewerbe langweilig und vorhersehbar werden, da Jahr für Jahr dieselben Vereine in den späteren Runden vertreten sind", erklärt ein Sprecher der UEC, die zuletzt schon einen Spielerentwicklungsfonds vorgeschlagen hatten. "Da der Verkaufsprozess für die Medienrechte der UCC ab 2027 offiziell angelaufen ist, ist es jetzt an der Zeit, neu darüber nachzudenken, was wir mit den Einnahmen aus der Champions League und anderen europäischen Wettbewerben machen."
Die UEC erhofft sich aus ihrem Reformvorschlag, der moderat über eine fünfjährige Übergangsphase eingeführt werden soll, um aktuelle Finanzpläne nicht ins Wackeln zu bringen, eine Stärkung der nationalen Wettbewerbe und daraus resultierend Wachstum bei den Medienerlösen. "Geringere Verzerrungen im Inland / gesündere Verhältnisse ? mehr Spannung, engere Rennen, bedeutungsvollere Qualifikationskämpfe für Europa", heißt es in dem in Sofia präsentierten Positionspapier und weiter: "Höheres Interesse an nationalen Wettbewerben ? langfristig höherer Medien-/kommerzieller Wert, von dem alle Vereine profitieren, nicht nur die europäischen Stammgäste."
Spannendere Meisterschaften für mehr Erlöse
Tatsächlich kann ein spannender Meisterkampf förderlich sein, das erlebte die Deutsche Fußball-Liga während der jüngsten nationalen Medienrechteausschreibung im Frühsommer 2024. Damals lief Bayer Leverkusen dem FCB nach dessen elfjähriger Titelserie überraschend für eine Saison den Rang ab und die DFL-Einnahmen wuchsen sogar minimal gegen den stark rückläufigen gesamteuropäischen Trend. Ob sich allerdings eine Mehrheit finden lässt für die UEC-Idee, darf nicht zuletzt vor dem Hintergrund des hohen Einflusses der EFC, den diese über ihr Joint Venture mit der UEFA nehmen kann, bezweifelt werden.
"Lassen wir zu, dass eine zunehmende Polarisierung und Vorhersehbarkeit die Magie des Fußballs für diejenigen ruiniert, die unseren Sport lieben? Oder gibt es einen vernünftigen Weg, die Einnahmen der UEFA-Klubwettbewerbe so zu verteilen, dass Vereine, Ligen, UEFA-Wettbewerbe und die gesamte Pyramide gestärkt werden?"
Eine rhetorische Frage, die man sich bei der UEC stellt. Die Antwort aus Sicht der Interessengemeinschaft: "Die UEC und unsere Mitgliedsvereine sind der Meinung, dass es einen anderen Weg gibt. Und wenn die UEFA und ihre Partner mutig genug sind, über kurzfristige Interessen und den politischen Druck der mächtigsten Vereine Europas, von denen viele aktiv an der gescheiterten Superliga-Initiative beteiligt waren, hinauszuschauen, steht eine ernsthafte Diskussion bevor, die dem europäischen Fußball insgesamt zugutekommen könnte."