Kommentar zum Titel des SK Sturm
Erfolg zu bestätigen, so sagt man, ist die Königsdisziplin im Sport. Die erfolgreiche Titelverteidigung des SK Sturm Graz ist insofern mehr als nur ein neuerliches Meisterstück von Otar Kiteishvili und Co. Sie ist der Beweis dafür, dass sich kontinuierliche Arbeit auszahlt. Und dass in Fußball-Österreich seit vielen Jahren an keinem Ort so gut gearbeitet wie in den schwarz-weißen Teilen der steirischen Landeshauptstadt.
Hatte vor und zu Saisonbeginn alles für einen Großangriff des entthronten Krösus Red Bull Salzburg gesprochen, führte auf Dauer letztlich kein Weg an Sturm vorbei. Selbst der beeindruckend starke WAC und die sportlich auferstandene Wiener Austria konnten die Grazer auf dem Weg zum fünften Meistertitel der Vereinsgeschichte nicht stoppen. Was nicht zuletzt daran lag, dass Sturm nach jedem Rückschlag noch stärker zurückkam.
Biereth-Abgang hinterließ Spuren
Die Wechsel von Andreas Schicker und Christian Ilzer zur TSG Hoffenheim hätten den Verein in seinen Grundfesten erschüttern können. Doch was machte der SK Sturm? Er reagierte auf den aufsehenerregenden Abgang seines Erfolgstrainers mit einem fulminanten 7:0-Erfolg über Austria Klagenfurt. Nichts - so schien es lange Zeit - werde diese Mannschaft aufhalten können. Bis im Winter Mika Biereth und Jusuf Gazibegovic den Schritt ins Ausland wagten.
Goalgetter Biereth, der sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Torjägerkrone gesichert hätte, konnte Sturm nie wirklich ersetzen. Die Leihe von Fally Mayulu entpuppte sich aufgrund der Verletzung des Franzosen als Flop, Seedy Jatta wurde den hohen Erwartungen an der Mur seit seinem Wechsel im Sommer 2023 nie gerecht. So mussten mit Kiteishvili und William Böving zwei Spieler einspringen, deren Kernkompetenz eigentlich nicht das Toreschießen ist.
Kiteishvili war erneut der entscheidende Faktor
Vor allem Kiteishvili ging in der Meistergruppe - wie bereits in der Vorsaison - voran. Den 2:1-Auswärtssieg bei Red Bull Salzburg fixierte der Georgier praktisch im Alleingang, auch der Goldtreffer zum 1:0 bei Blau-Weiß Linz ging auf sein Konto. War Sturm in Nöten, konnten sich die Mitspieler stets auf die genialen Momente des Kreativgeists verlassen. Und auch abseits des Platzes nahm Kiteishvili die entscheidende Rolle ein, wie etwa seine Reaktion auf die herbe 0:3-Abfuhr beim WAC Mitte Februar zeigte.
Mit Kiteishvili, Jon Gorenc Stankovic und Gregory Wüthrich verfügt Sturm seit Jahren über eine funktionierende Achse, die in dieser Qualität und Stabilität in der Bundesliga einzigartig ist. Die Abläufe funktionieren, scheinbar unabhängig vom Trainer. Denn auch nach der Übernahme von Jürgen Säumel ging der Zug nicht verloren, im Gegenteil. Mitunter machte es den Anschein, als würde sich die Mannschaft von innen heraus organisieren und ihren auf diesem Niveau noch unerfahrenen Coach damit auf ein neues Level heben.
Säumel stellt Lernfähigkeit unter Beweis
Wurde Säumel nach dem verpatzten Start ins Frühjahr teils noch heftig kritisiert, zeigten sich seine Fähigkeiten spätestens in der Meistergruppe. Der vorentscheidende 4:2-Heimsieg über Salzburg war nicht zuletzt einer Umstellung von Vierer- auf Dreier- bzw. Fünferkette zu verdanken, mit der Säumel den immensen Druck der Bullen aufzufangen wusste. In den Vordergrund drängte die so bescheidene Vereinslegende trotz seiner steilen Lernkurve im vergangenen Halbjahr aber nie.
Für Säumel stand stets die Mannschaft im Mittelpunkt, fast schon gebetsmühlenartig hob er die "sehr gute Chemie" innerhalb des Teams hervor. Sah man die Spieler auf dem Platz, wurde schnell klar, dass dies weit mehr als nur eine leere Phrase war. Das Ergebnis bekam Sturm am Samstag präsentiert: die Krönung der letztjährigen Meister-Krönung.