Sportlich betrachtet war RB Leipzig eine der negativen Überraschungen der Vorsaison - und auch aus der ganzheitlichen Perspektive haben die Sachsen nicht gerade überzeugt. Das zumindest ist eine Erkenntnis der FoMa-Q-Score-Studie, die die Handelshochschule Leipzig (HHL) jährlich durchführt. In der Spitze der Liga schiebt sich Eintracht Frankfurt um einen Rang nach vorne auf Platz zwei und rückt "Meister" FC Bayern weiter auf den Pelz. Auch die Entwicklung beim VfB Stuttgart, der sich von Platz sechs auf vier verbessert, kann sich demnach sehen lassen.
SGE entwickelt sich auf und neben dem Platz
"Die Managementqualität in der Bundesliga steigt. Frankfurt und Stuttgart etwa haben strukturell aufgeholt - das verändert das Kräfteverhältnis", sagt Studienleiter Prof. Dr. Henning Zülch. Vor allem in den Bereichen Finanzen und sportlichem Erfolg haben sich die Hessen entwickelt. Auch bei den Schwaben kommen diese Faktoren zum Tragen, genauso aber ein Sprung in der Fanwohlmaximierung. Neben diesen drei Hauptaspekten bewertet die HHL auch noch das Segment Führung und Governance.
Die einzelnen Segmente setzen sich wiederum aus Unterpunkten zusammen. Die finanzielle Bewertung etwa fußt aus Kennzahlen aus den Bereichen Wachstum/Profitabilität, Markenentwicklung und Internationalisierung, die der sportlichen Performance aus dem sportlichen Abschneiden an sich genauso wie aus spieler- und trainerspezifischen Charakteristika wie Vertragslängen oder Durchschnittsalter und Spielerentwicklung, was sich an den Einsätzen selbst ausgebildeter Talente in der eigenen Profi-Truppe sowie den Verbandsauswahlen oder dem Abschneiden der Teams aus dem Nachwuchsleistungszentrum bemisst.
Mainz bei der Spielerentwicklung auf Platz 1
Hier punktet beispielsweise Mainz 05. Im Bereich Spielerentwicklung erzielen die Rheinhessen mit 80 Prozent ligaweit den höchsten Wert. Dennoch und trotz des sportlich guten Abschneidens sacken sie neben dem 1. FC Union und der TSG Hoffenheim im Vergleich zur Vorsaison mit am stärksten ab, was auch an den Finanzkennzahlen liegt.
Denn: Die Studie beleuchtet die Langfristperspektive, betrachtet also einen Dreijahreszeitraum. Daher auch Unions "Abstieg", eben auch weil die sportliche Tendenz rückläufig war. Hoffenheim hat sowohl in Sachen Fanwohl als auch Führung Probleme laut der HHL. Bei RB sehen Zülch und Kollegen neben den mehr oder weniger bekannten Schwierigkeiten (Intransparenz, wenige Mitglieder) und dem sportlich enttäuschenden Abschneiden 2024/25 weiterhin kaum Fortschritte im Bereich Spielerentwicklung.
„Der Vertrauensbruch nach der gescheiterten Investorenöffnung 2024 hallt nach.“ (Studienleiter Prof. Dr. Henning Zülch)
Es dürften unter anderem die Sachsen gemeint sein, wenn der Wirtschaftswissenschaftler sagt: "Einstige Vorzeigeklubs zeigen Schwächen. Trotz insgesamt positiver Entwicklungen hin zu höherer Professionalität neben dem Platz ist der Weg zu langfristiger Wettbewerbsfähigkeit noch lang." Dennoch professionalisiere sich das obere Mittelfeld zunehmen, während das untere Drittel ins Hintertreffen gerate. Unter den Klubs wachse jedoch das Bewusstsein für die Fans. "Der Vertrauensbruch nach der gescheiterten Investorenöffnung 2024 hallt nach und stellt viele Führungsteams vor eine Reifeprüfung, der nicht alle mit der nötigen Qualität begegnen", schließen die Studienautoren.
Die positiven Entwicklungen in Augsburg und Wolfsburg beruhen laut HHL vor allem auf einer Qualitätssteigerung in Führung und Governance, Heidenheim kann dank der nun dritten Bundesliga-Saison in Serie und den Einnahmen aus der Conference League finanziell auf eine deutlich höhere Stabilität verweisen. Vor allem damit hängt auch der Sprung des VfB auf Platz vier zusammen, die Champions-League-Teilnahme und der DFB-Pokalsieg haben die wirtschaftliche Perspektive der Schwaben weiter stabilisiert. Die Frankfurter Eintracht verdankt ihre neue Rolle als Bayern-Jäger Nummer eins neben dem starken sportlichen Abschneiden der Tatsache, dass sie einen der jüngsten Kader der Liga hat sowie eine besondere Kontinuität auf der Trainerbank und zudem besserer Resultate im Fan-Bereich und in Sachen Technik und Innovation.
"... hier entscheidet sich die Zukunft der Liga"
Für riskant allerdings halten die Leipziger Experten den sich weiter fortführenden Trend zur Ausbildungsliga, da Wachstum bei vielen Klubs oft durch Spielerverkäufe entstehe. "Die Bundesliga darf sich nicht auf kurzfristige Transfererlöse verlassen", warnt Zülch. "Nachhaltiger Erfolg entsteht durch gezielte Nachwuchsförderung sowie Entwicklung und Bindung eigener Talente - hier entscheidet sich die Zukunft der Liga."
Wer sich die Studie in Gänze ansehen möchte, kann sie unter foma2025@hhl.de anfordern.