Kommentar
Friedlich, stimmungsvoll, rockig: München erlebte am Samstagabend eine Sommerparty mit rauschendem PSG-Fußball und dem höchsten Finalsieg des Wettbewerbs überhaupt. Schon vor dem Anpfiff heizten Linkin Park mit der neuen Frontfrau Emily Armstrong den Fans ein. Man muss diese Amerikanisierung nicht mögen, cool kam der Auftritt dennoch.
Auf dem Rasen rockte anschließend nur Paris St. Germain, das Inter Mailand wie abgehalfterte Rolling Stones ohne Rhythmusgefühl dastehen ließ. Ein würdiger Sieger auf Europas Fußballthron, der seine finanzielle Potenz bekanntermaßen aus Katar bezieht.
Der Bundesliga blieb mit Ausnahme des Austragungsortes die Zuschauerrolle. Willian Pacho verteidigte vor einem Jahr noch für Eintracht Frankfurt, den überragenden Doppeltorschützen und Vorbereiter Desiré Doué wollte Max Eberl zum FC Bayern lotsen, der Hochbegabte entschied sich für die Heimat. Deutschlands höchste Liga bildet aus, sie verliert spannende Spieler oder bekommt sie erst gar nicht.
Ausnahmen statt Trend
Champions-League-Sieger aus der Bundesliga oder Finalisten wie im Vorjahr Borussia Dortmund liegen nicht im Trend, sie sind Ausnahmen. Die Bayern kamen seit ihrem Triumph in der Coronavirus-Zeit 2020 nur einmal über das Viertelfinale hinaus, der Traum vom "Titel dahoam" endete gegen das im Endspiel chancenlose Inter in der Runde der letzten acht. Aber war dieser Traum mit Blick auf Kader und Verletzungen überhaupt realistisch? Eher nein.
Bewährt hat sich das neue Format mit 36 statt 32 Teilnehmern und mit einer Ligaphase, die auch am achten und letzten Spieltag Spannung bot. Es sei daran erinnert, dass Triumphator PSG damals einen Auswärtssieg beim VfB Stuttgart (4:1) benötigte, um nicht vorzeitig auszuscheiden.
Auch andere Schwergewichte wie Real Madrid oder Manchester City taten sich schwer, verabschiedeten sich ungewohnt früh. Hansi Flicks oft spektakulärer FC Barcelona biss sich an Inter die Zähne aus. Das Gute: Der Kreis der Favoriten scheint etwas größer geworden zu sein, das kann dem Wettbewerb nur guttun.
Und es bietet die Chance für Bayern, Dortmund, Leverkusen und Frankfurt, in der kommenden Saison positive Zeichen zu setzen. Vielleicht ja sogar mit der erwähnten Ausnahme am 30. Mai 2026 in Budapest, dem nächsten Finalort.
München wiederum hat erst den Anfang einer tollen Fußballwoche erlebt. Am Mittwoch geht es an selber Stelle weiter mit dem Halbfinale zwischen Deutschland und Portugal in der Nations League. Dann kann die Bundesliga, kann der deutsche Fußball zeigen, dass er zumindest im Ländervergleich der Musik nicht hinterherläuft, sondern ebenfalls rocken kann.