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Die Pflicht erfüllt und den Kimmich-Kurs korrigiert

kicker

Julian Nagelsmann hatte vor der Partie gegen den Underdog erklärt, dass er seiner Mannschaft grundsätzlich nicht den Auftrag erteilen würde, etwas für das Torverhältnis zu tun. Weil letztlich aber genau das gelungen ist und Nordirland die Slowakei bezwang, überholte seine Elf beide Kontrahenten und geht als Erster in die nun anstehende Aufgabe am Montag in Belfast.

Wirkliche Rückschlüsse, wo das DFB-Team vor dem Nordirland-Trip genau steht und wie gut es sich tatsächlich vom enttäuschenden September-Lehrgang erholt hat, lässt der Auftritt von Sinsheim nicht zu - weil der ohnehin limitierte Gegner nach der frühen und harten Roten Karte nur tief am und im eigenen Strafraum verteidigte, die Partie zeitweise einem Handballspiel rund um den "Kreis" herum glich.

Positiv ist, dass Nagelsmanns Spieler den Fuß auf dem Gaspedal behielten und sich Einzelne wie insbesondere Serge Gnabry in der Arbeit mit und gegen den Ball hervortaten. Zu bemängeln bleibt, dass Ungenauigkeiten vor allem im ersten Durchgang ein noch klareres und schwungvolleres Angriffsspiel verhinderten.

Korrektur mit Kimmich ist ein Eingeständnis

Erkenntnisse hatte Nagelsmann am Freitagabend schon vor dem Anpfiff mit seiner Aufstellung geliefert. Die Nominierung von Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger ließe sich bei kritischer Betrachtungsweise als Rolle rückwärts bewerten, weil der Chef seinen Kapitän erst einen Monat zuvor offiziell ins Mittelfeld zurückbeordert hatte. Tatsächlich ist seine Korrektur eher ein Eingeständnis, dass er im September danebengelegen hat. Denn offensichtlich ist: Deutschland hat im Mittelfeldzentrum sowohl qualitativ als auch quantitativ keine Problemzone, diese aber besteht auf der defensiven Außenbahn - und zwar nicht erst, seit in der Slowakei der Versuch mit Nnamdi Collins gescheitert ist.

Dass Nagelsmann nun Kimmich in die vom Spieler weniger geliebte Position zurückzieht, ist ein Beleg für das, was schon während des Final Four in der Nations League im Juni sichtbar geworden ist, als eine ersatzgeschwächte deutsche Elf zwei Niederlagen kassierte: Nationen wie Portugal und Frankreich, aber auch Spanien und England, haben ein deutlich größeres Repertoire an Top-Spielern auf verschiedenen Positionen.

Deshalb bleibt die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko dennoch Pflicht und ist seit dem Verlauf des Freitagabends auch deutlich näher als noch vor dem Spiel. Im Gewand eines Favoriten aber wird die deutsche Elf im kommenden Sommer nach aktuellem Stand nicht anreisen.