In all dem Spektakel war es eine Randnotiz, die in der Schlussphase fast unterging: Der FC Bayern rannte nochmal an, versuchte es immer wieder über die linke Angriffsseite - aus gutem Grund. Denn auf der rechten Abwehrseite von PSG, die normalerweise von Achraf Hakimi gehalten wird, fand sich der zwar variabel einsetzbare, normalerweise aber deutlich weiter vorne agierende Joker Senny Mayulu wieder - obwohl Hakimi weiter auf dem Platz stand.
Der marokkanische Nationalspieler hatte sich in der 88. Minute in der Nähe der gegnerischen Eckfahne bei einem Zweikampf mit Konrad Laimer verletzt, war am Boden liegen geblieben und hatte sich den linken hinteren Oberschenkel gehalten. Das Problem: Paris hatte zu diesem Zeitpunkt zwar erst viermal gewechselt, dafür aber die Maximalanzahl von drei Wechselfenstern ausgeschöpft. Einen neuen Mann bringen konnte PSG-Coach Luis Enrique also nicht, Hakimi spielte so in den letzten Minuten der Partie nominell als Mittelstürmer, um weniger Schaden anzurichten.
Von "spielen" konnte allerdings nur bedingt die Rede sein: Der Ex-Dortmunder schleppte sich nur noch humpelnd übers Feld, effektiv agierte der FC Bayern mit einem Mann mehr - und schnupperte mit einigen gefährlichen Strafraumszenen, die hauptsächlich über Hakimis etatmäßige Seite eingeleitet wurden, noch am Ausgleichstreffer.
Auch wenn dieser nicht mehr fiel, könnte Hakimis Verletzung noch einen Einfluss auf den Ausgang dieses jetzt schon denkwürdigen Champions-League-Halbfinals haben. Denn wie die französische Sportzeitung L'Equipe berichtet, hatten die Betreuer auf dem Rasen zwar zunächst einen Krampf beim Marokkaner vermutet, die weiteren Eindrücke deuten jedoch eher auf eine Muskelverletzung hin. Sollte sich dies bewahrheiten, würde Hakimi, der in Paris eine gute Leistung ablieferte (kicker-Note 2,5) und das zwischenzeitliche 4:2 vorbereitete, für das Rückspiel in München am 6. Mai wohl ausfallen, was ein herber Rückschlag für die Franzosen wäre.
Sein Trainer konnte nach Spielschluss noch keine Auskunft über den Zustand seines Spielers geben. "Ich weiß noch nichts", sagte Luis Enrique auf der Pressekonferenz. "Wir werden morgen sehen, wie es um ihn steht. Ich will aber noch nichts vorwegnehmen." Bereits im Gruppenspiel zwischen beiden Mannschaften hatte sich Hakimi bei einem Foul von Luis Diaz, der dafür die Rote Karte sah, am Knöchel verletzt und war im Anschluss fast zwei Monate lang ausgefallen.