Einen Standardspezialisten im Trainerstab zu haben, ist längst keine Seltenheit mehr - ebenso wenig wie unübersichtliche Schubsereien im Vorfeld und während einer Ecke. Während sich die Torhüter mehr Unterstützung durch die Schiedsrichter wünschen, darf die Frage gestellt werden, ob Eckbälle in dieser Form überhaupt noch zielführend sind. Ein Pro & Contra.
Pro: Eckbälle erzeugen mehr Fouls als Spannung
Von Thomas Böker
Der Torhüter? Hat oft keine Chance mehr, an den Ball zu kommen, sieht unverschuldet schlecht aus. Viele Spieler? Laufen oder stehen nicht mehr in Erwartung eines Eckballs, sondern ringen, zerren, halten, schubsen, klammern. Weil das ja "handelsüblich" ist: hier zu wenig für einen Strafstoß, da, um den Treffer abzuerkennen.
Aber es sind schlicht Fouls, deren Legitimierung durch die Referees allein an der Masse liegt und die sie überfordert. Bei Fouls nach Einwürfen oder Abstößen aber greifen sie ein. Die Fans? Warten pfeifend auf die Ausführung.
Wozu all das? Es hat selten mit Klasse zu tun, zumal Eckballstärke oft als Alibi gilt, keine spielerischen Lösungen zu finden. Also, bewusst provokant gefragt: Wer braucht solche Ecken, die mehr Fouls als Spannung bieten?
Gegenvorschläge: den "Fünfer" frei lassen oder Ecken kurz ausführen müssen, weil dann eh alle rausrücken - und loslassen. Aber, wenn man mehr Tore will (werden die Keeper-Behinderungen daher nicht geahndet?), dann schafft doch Bolzplatz-Feeling: drei Ecken, ein Elfer ...
Contra: Die Regeln müssen lediglich konsequenter durchgesetzt werden
Von Matthias Dersch
Bei allem verständlichen Frust über die wilden Bedingungen, die inzwischen bei ruhenden Bällen in den Strafräumen herrschen: Die Eckball-Regelung abzuschaffen oder zu modifizieren darf nicht die Lösung sein. Standardsituationen bieten Mannschaften, die aufgrund ihrer finanziellen Mittel eingeschränkt sind, die Möglichkeit, mit guter und detailverliebter Arbeit mit den Großen mitzuhalten, sie gar ab und an zu besiegen.
Und: Lieben wir nicht alle die Spannung, die in engen Spielen durch späte Ecken und Freistöße automatisch entsteht, weil alle genau wissen, dass jetzt noch mal was passieren könnte? Das verteidigende Team fängt an zu zittern, die angreifende Mannschaft wittert Morgenluft und schickt den Torwart mit nach vorne. Und auf den Rängen wird es lauter und lauter. Genau diese Emotionen wollen wir doch!
Das heißt wiederum nicht, dass es kein Verbesserungspotenzial gäbe. Doch dafür muss man die Regeln nicht revolutionieren, sondern nur die bereits geltenden konsequenter durchsetzen.