Bielefelds "heimlicher Top-Torjäger" trifft auch im Finale
Ein "unfassbares Erlebnis" liegt hinter Julian Kania, nach einem unfassbaren Jahr. Das DFB-Pokal-Finale in Berlin wird der Bielefelder Stürmer nie vergessen. "Es kann für viele das Spiel des Lebens sein", hatte er im Vorfeld schon gemutmaßt. "Gefühlt war halb Bielefeld im Stadion. Meine Familie ist extra aus Bayern nach Berlin gekommen."
Spät erlebten im Olympiastadion Fans und Freunde noch "ihren" Julian Kania. Zu spät, aber in typischer Manier. Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung traf er zum 1:4 ins Stuttgarter Netz. Das Gefühl sei trotz des Spielstands, der am Ende 2:4 lautete, top gewesen. "Aber wir wollten natürlich noch mehr, erst recht nach nach dem zweiten Tor. Wenn wir es zehn Minuten früher gemacht hätten, wäre es vielleicht noch einmal heiß geworden."
99 Minuten pro Treffer - das ist Liga-Spitze!
Dass Kania wieder einmal nicht von Beginn an ran durfte und diesmal von Coach Mitch Kniat besonders spät aufs Feld geschickt wurde, gefällt dem 23-Jährigen verständlicherweise nicht. Aber schmollen, weil er trotz seines Markenzeichens oft auf der Bank sitzt? Das ist nicht die Art des sympathischen Blondschopfs. Dass er mehr möchte, ist freilich nachvollziehbar. "Natürlich freue ich mich, wenn ich von Anfang an spiele. Aber wenn ich für 20, 30 Minuten reinkomme und der Mannschaft helfen kann, dann ist das auch in Ordnung." Auch wenn es in Berlin noch deutlich weniger Spielzeit war. "Klar habe ich mir mehr erhofft. Ich muss verstehen und reflektieren, was der Trainer macht, und versuchen, mein Bestes zu geben. Ich habe dann ja auch noch ein bisschen was gezeigt ..."
Wichtig ist der Beitrag für die Mannschaft, die mit und dank Kania Meister der 3. Liga wurde und in die 2. Liga aufsteigt. Mit 14 Treffern in 34 Einsätzen liegt der Edeljoker zwar "nur" auf Platz 7 in der abschließenden Torjägerliste. Aber er ist auch ein "heimlicher Top-Torjäger". Keiner unter den 100 Top-Torschützen in der Liga brauchte im Schnitt für einen Treffer weniger Minuten. Mit deren 99 steht Kania hier einsam an der Spitze. "Effektivität - damit beschreibe ich es, glaube ich, ganz gut", sagt er bescheiden.
In einem Nachwuchsleistungszentrum spielte er nie
Arminias intern bester Scorer spielte nie in einem Nachwuchsleistungszentrum, sondern wurde bei kleinen Vereinen groß. Von seinem Geburtsort Dinkelscherben bei Augsburg ging es über einige Zwischenstationen erst 2023 zur Zweiten des 1. FC Nürnberg, schließlich ein Jahr später nach Bielefeld, wo er sich zu einer wichtigen Säule aufschwang.
"Ich nenne unsere Einwechselspieler Gamechanger", sagt Kniat, der die ungeheure Wucht, die in den Spielen oftmals von der Bank aus ins Spiel gebracht wurde, zu schätzen weiß. Die Anhänger in Ostwestfalen registrieren das, tragen bevorzugt auch Kanias Trikot. Sein Kommentar: "Das bekommt man mit, wenn man durch die Stadt läuft. Das macht mich schon ein bisschen stolz und glücklich. Ich hoffe, dass es in der nächsten Zeit noch mehr werden."
Dann, wenn Kania mit Arminia in der 2. Liga zu neuen Ufern aufbricht. "Wir freuen uns alle schon drauf. Super Mannschaften, geile Stadien", sagt er. Die Erfahrungen aus der abgelaufenen Spielzeit werden helfen. "Im Großen und Ganzen können wir mit der Saison zufrieden sein. Das Erlebte stärkt uns auf jeden Fall. Man sieht, dass man mit Intensität, Mentalität und Kampf jeden schlagen kann."
Ein kleines Stück Pokal-Geschichte schrieb er beim Finale in Berlin ja auch noch mit. Noch nie zuvor in der Geschichte des Wettbewerbs hatte ein Drittligist im Endspiel Tore geschossen. Arminia schaffte das, und Kania war der erste Schütze. "In dem Moment ist es mir nicht durch den Kopf gegangen. Nach dem Abpfiff dann." Schon toll sei es, aber kein Trostpreis. "Denn wenn du als Drittligist in Berlin antrittst, willst du natürlich Geschichte schreiben, indem du das Ding komplett ziehst."