Manchmal ist der Fußball dann doch gar nicht so kompliziert. Man frage nur nach im Lavanttal. Denn die bisherige Saison des Wolfsberger AC lässt sich ziemlich treffsicher in zwei völlig unterschiedliche Phasen unterteilen: jene mit und jene ohne Didi Kühbauer in Verantwortung.
Moment des Grunddurchgangs: Kühbauer-Wechsel
Trotz des bitteren Aus im Europacup lag der WAC nach seiner überragenden Saison 2024/25 auch zu Beginn der laufenden Spielzeit mehr als im Soll. Nach neun Runden nahmen die Wölfe in der Liga nur einen Punkt hinter Sturm Graz Platz zwei ein, ehe das ansonsten so beschauliche Lavanttal Anfang Oktober böse überrascht wurde. Erfolgstrainer Didi Kühbauer entschied sich für eine Rückkehr zum LASK, der zum damaligen Zeitpunkt nur Vorletzter war. Die Entwicklung der beiden Vereine hätte seither nicht unterschiedlicher sein können: Während der WAC nach Kühbauers Abschied nur mehr neun Punkte holte, ist der LASK mitten im Rennen um die Meisterschaft.
Spruch des Grunddurchgangs
„Langsam fühle ich mich verarscht.“ (Ex-Trainer Peter Pacult gegenüber der "Krone" nach der 0:2-Niederlage des WAC bei Rapid)
Flop des Grunddurchgangs: Dietmar Riegler
Pacults emotionale Aussage nach Wolfsbergs Pleite bei Rapid, die er im Legendenklub der Hütteldorfer verfolgte, kommt nicht von ungefähr. Der Wiener wurde im Herbst nach nur fünf Pflichtspielen (zwei Siege, ein Remis, zwei Niederlagen) entlassen und von Präsident Dietmar Riegler anschließend ziemlich deutlich als Fehlbesetzung bezeichnet. "In der ersten Woche war es noch okay. Als Pacult dann seine eigenen Methoden angewandt hat, ist die Unzufriedenheit immer größer geworden", meinte der 59-Jährige etwa in einem ORF-Interview. Ein glückliches Händchen bewies Riegler offenbar auch bei seinem zweiten Trainerwechsel in der Saison 2025/26 nicht: Unter Ismail Atalan schaffte es der massiv kriselnde WAC nicht in die Meistergruppe. Zudem scheiterte der Titelverteidiger im Cup-Viertelfinale an Salzburg.
Transferbilanz
Überraschenderweise blieben große Transfererlöse im Sommer nach der überaus erfolgreichen Saison 2024/25 aus. Gab es für Dejan Zukic kein passendes Angebot, fand sich für Thierno Ballo mit Millwall lediglich ein vorübergehender Abnehmer. Zudem verletzte sich Chibuike Nwaiwu zum ungünstigsten Zeitpunkt und wurde erst im Winter für 5,5 Millionen Euro an Trabzonspor verkauft. Vor allem die Transferzeit im Sommer verlief für den WAC demnach sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus sportlicher Sicht enttäuschend. Stammkräfte wie Adis Jasic oder Maximilian Ullmann konnten durch Fabian Wohlmuth bzw. Rene Renner nicht adäquat ersetzt werden, auch Donis Avdijaj erfüllte die Erwartungen nicht. Überhaupt keine Rolle spielten bis dato Ryan Ogam, Austin Uzondu und Raymond Tochukwu.
Handlungsbedarf
Vor dem Beginn der Qualifikationsgruppe herrscht beim WAC im Prinzip an allen Ecken und Ende Handlungsbedarf. Die Kärntner präsentieren sich seit Monaten wie ein Absteiger und müssen nach der Punkteteilung höllisch aufpassen, damit der Tabellenplatz nicht schon bald den sportlichen Leistungen entspricht. Sechs Zähler Vorsprung auf Schlusslicht Blau-Weiß Linz scheinen auf den ersten Blick komfortabel, sind es angesichts Atalans Bilanz (ein Sieg, zwei Remis, sieben Niederlagen) aber definitiv nicht. Insbesondere die (langsame) Defensive bereitet Kopfzerbrechen: Seit der Winterpause erhielten Dominik Baumgartner und Co. in jedem Liga-Spiel mindestens zwei Tore.
Gesamtnote der kicker-Redaktion: 4,5