Null Punkte nach zwei Spielen - so lautet die ernüchternde Bilanz des Club. Anders als beim 0:1 in Elversberg verdient die knappe Niederlage gegen die Lilien vor 32.455 Zuschauern im Max-Morlock-Stadion tatsächlich das Prädikat "bitter".
Besonders in der letzten halben Stunde präsentierte sich der FCN spielstärker und ließ erstmals in dieser Saison durchblitzen, wie das Endergebnis aussehen könnte. Nur muss dieser Ansatz zur Norm werden, denn in den ersten 60 Minuten irritierte der Heimauftritt.
Lange, hohe Bälle, um die gefühlt größte Innenverteidigung der Liga auszuhebeln, waren jedenfalls nicht der richtige Ansatz. Beinahe problemlos setzte sich der 2,01 Meter große SVD-Abwehrmann Aleksandar Vukotic in Luftzweikämpfen gegen das erneut schwache Sturm-Duo um Artem Stepanov und Mickael Biron durch.
Erneut ein unnötiges Gegentor
Dass die spätere Leistungssteigerung nicht einmal mit einem Remis belohnt wurde, spiegelt die Situation beim Altmeister passend wider. "Wir haben jetzt die zwei schlechten Seiten vom Fußball gesehen. Du machst es jetzt ordentlich und verlierst schon wieder", ärgerte sich Trainer Miroslav Klose im Pressegespräch über den Ausgang.
„Ich bin jetzt fast 50, das kriege ich auch noch hin.“ (Club-Trainer Miroslav Klose)
Der Knackpunkt: der unnötige Gegentreffer tief in der Nachspielzeit. Wie schon in Elversberg war Tim Janisch in der Entstehung entscheidend beteiligt, suchte etwa lieber den Rückpass zu Torhüter Jan Reichert, als den Ball nach vorne zu dreschen.
"Wir wollen so wenig wie möglich zum Torwart spielen", sagte Klose mit ernster Miene. "Tim nimmt den Ball ganz in Ruhe an, ist schon 15 Meter höher als Jan, also kriegt er den Ball weiter vor." Doch an diesem Ansatz hakte es mehrfach - vor allem in der Offensive fehlte der Mut, die Abwehrreihe zu überspielen. "Wir haben es nicht einmal geschafft, den Ball hinter die Innenverteidiger zu chippen - nicht einmal. Ich bin jetzt fast 50, das kriege ich auch noch hin."
Harte Worte des Weltmeisters, der allerdings eine klare Vorstellung hat, was nun zu tun ist: "Wir werden viele Gespräche führen müssen. Aber ich bleibe optimistisch: Ich weiß, was für eine Arbeit wir letztes Jahr geleistet haben. Jetzt müssen wir sehen, wer dem Druck Stand halten kann. Das ist der erste Gegenwind für viele und ich muss sehen, wie der ein oder andere damit umgeht. Wir brauchen keine Trainingsweltmeister, wir brauchen die, die auf dem Platz liefern."
FCN steht "mit dem Rücken zur Wand"
Was zu einer unumgänglichen und mittlerweile bekannten Erkenntnis führt: Es müssen dringlichst Zugänge her, ansonsten bleibt das von Sportvorstand Joti Chatzialexiou vorgegebene Ziel "Top 25 Deutschlands" ein völlig utopisches, das mit diesem Kader wohl nicht zu erreichen ist. Im Übrigen auch, weil Caspar Jander wieder nicht im Aufgebot stehen konnte, laut Klose war der 22-Jährige nach seinen Knieproblemen noch nicht bei 100 Prozent.
Die schwache Vorbereitung und der unfertige Kader haben einen schlechten Saisonstart erahnen lassen, der durch zwei Niederlagen zum Auftakt zur Realität geworden ist. Bereits am kommenden Samstag steht der 1. FC Nürnberg im DFB-Pokal bei Regionalligist Illertissen unter Druck. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand."