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Emotionslos und faktengesteuert - ein Einblick in die Arbeit des VAR

kicker

In Volketswil stehen bei jedem Super-League-Spiel drei Personen im Einsatz: der Videoschiedsrichter, sein Assistent sowie ein "Replay Operator", der die richtigen Kameraeinstellungen liefern soll. Erst ab zwölf eingesetzten Kameras braucht es einen zweiten "Replay Operator", doch in der Schweiz wird laut Sascha Amhof, Leiter des Ressorts Schiedsrichter, höchstens bei einem Cupfinale eine solche Anzahl an Kameras eingesetzt. Seit der Saison 2019/20 unterstützt der VAR die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in der höchsten Liga der Schweiz. Jährlich kostet der Betrieb des Videoschiedsrichters den Schweizer Fussball knapp 900'000 Franken.

Die Kommunikation als Schlüssel

Zumeist sei es einfach, eine Entscheidung zu treffen, wenn man als Schiedsrichter alles sehe. Wichtig sei es aber auch, richtige Entscheidungen zu treffen, wenn nicht alles klar zu sehen ist. Dabei ist es laut Sascha Amhof wichtig, dass alle Punkte in der Kommunikation zwischen dem Schiedsrichter und dem VAR klar benannt werden und alle Fakten auf dem Tisch liegen: "Wir wollen kein 'Blabla', wir benötigen Fakten." Für Emotionen habe es in der Entscheidungsfindung des VAR keinen Platz.

In der Praxis zeigt sich dann auch, wie die Kommunikation zwischen den Unparteiischen in Volketswil und dem Team im Stadion tatsächlich abläuft. Selbst in einer ruhigen Startviertelstunde im Stade de Geneve überprüft das Team im Zürcher Oberland drei mögliche Elfmeter. Innert Sekunden werden die kleinsten Anfangsverdachtmomente aber ausgeräumt. Die Unterbrüche sind im Spiel kaum bemerkbar. Auch Schiedsrichter Sandro Schärer wird nur angefunkt, als der Check während eines Unterbruchs durchgeführt wird und das Spiel für einige Sekunden nicht wieder aufgenommen werden soll. Szenen, die der VAR nicht überprüft, gibt es eigentlich nicht.

Selbst als sich Servette-Offensivspieler Mardochee Miguel zu einer dilettantischen Schwalbe hinreissen lässt, benötigt Schärer keinen Input aus Volketswil. Der junge Genfer sieht die zweite Gelbe Karte und fliegt vom Platz. Die Proteste der Genfer lässt der erfahrene Schiedsrichter an sich abprallen und zitiert den Captain zu sich. Sandro Schärer macht Steve Rouiller klar, was er von der Schauspieleinlage hält, indem er einen treffenden Vergleich zieht: "This is professional football, this behavior is fifth League (Das ist professioneller Fussball, das Verhalten ist fünfte Liga)." Der korrekte Entscheid Schärers wird von Rouiller ohne Reklamieren akzeptiert.

Während Volketswil ständig hört, was das Schiedsrichterquartett im Stadion untereinander sagt, wird der Kanal in die umgekehrte Richtung nur in wichtigen Momenten offengelegt. So wird gewährleistet, dass sich das Schiedsrichterteam im Stadion nicht von unnötiger Kommunikation ablenken lässt. Nach dem Eigentor des kurz zuvor eingewechselten Florian Ayé bekommt Schärer dann nach einigen Sekunden auch nur "check completed" zu hören. Im Hintergrund wurde ein allfälliges Abseits überprüft, doch der Angreifer in der Szene stand nicht zu weit vorn.

Es sollte der einzige Treffer bleiben in einer Partie, mit deren Leitung das Schiedsrichterquartett im Stadion keinerlei Probleme gehabt hat. Und trotzdem war das VAR-Team die ganze Zeit da, hat eine Szene nach der anderen akribisch geprüft und die Entscheidungen des Schiedsrichters, immer dann, wenn notwendig, bestätigt. So erfolgt beispielsweise auch bei jeder ausgesprochenen Karte ein kurzer Abgleich der Rückennummern, denn auch Spielerverwechslungen auszuschliessen gehört in den Aufgabenbereich des VARs.

Ein Mix der Sprachen

Die Codes, die sich die Referees zwischen Volketswil und Genf hin und hergeben, sind alle auf Englisch. Die weitere Kommunikation untereinander findet in diesem Spiel auf Deutsch statt, da alle beteiligten Unparteiischen Deutschschweizer sind. Unterschiedlich ist dann die Kommunikation zwischen Schärer und den Spielern. Hier dominiert wiederum die englische Sprache.

Wie bei den Fussballern ist es ab einem gewissen Alter auch als Schiedsrichter nicht mehr möglich, physische Topleistungen zu bringen. Aktuell gibt es keine zurückgetretenen Schiedsrichter in der Schweiz, die nur noch als VAR amten. Künftig könnte sich dies gemäss Amhof aber ändern: "International kann man sich bereits jetzt eine Karriere als reinen VAR vorstellen. In der Schweiz machen die Schiedsrichter aber noch beides. Mit Fedayi San haben wir aber einen internationalen Top-VAR. Die Tendenz ist auch bei uns so, dass wir uns gut vorstellen können, Schiedsrichter nur noch als VAR einzusetzen, wenn Schiedsrichter auf dem Platz zurücktreten."