Wieso, weshalb, warum? So richtig weiß es wohl nur PSG-Coach Luis Enrique, warum er einen seiner Titelgaranten nicht mehr zwischen die Pfosten stellen will. Von einem "anderen Typ Torhüter" hat er gesprochen, der Spanier, und setzt fortan auf Lucas Chevalier. Donnarumma, für viele Fans aktuell der beste Keeper der Welt, wurde also in die Wüste geschickt. Doch da möchte er gar nicht hin, er hat noch ehrgeizige Ziele abseits des höchsten Gehalts in Saudi-Arabien oder Katar. Und so war zuletzt die Rede davon, dass der italienische Europameister in die Premier League wechseln könnte und möchte.
Liverpool und Arsenal doppelt gut aufgestellt
Sollte es denn so sein, und dafür spricht tatsächlich nicht wenig, stünden theoretisch erst mal 20 Klubs zur Auswahl, von denen jedoch ganz schnell jene ausgeschlossen werden dürften, die nicht international spielen. Bis auf einen. Und generell die, die eher nicht in Gehaltssphären unterwegs sind, die dem 26-Jährigen wohl vorschweben dürften. Und damit kommt dann auch Manchester United wieder ins Spiel, obwohl die bekanntlich nicht mal in der Conference League unterwegs sind. Doch zunächst weiter im Ausschlussverfahren, das es natürlich nur bedingt sein kann, denn wer ahnt schon, was in den Köpfen mancher Bosse und Eigner so vor sich geht? Aber nach gesundem Menschenverstand sollten die Champions-League-Klubs Liverpool und Arsenal ebenso von der Liste gestrichen werden können, da sie jeweils doppelt gut aufgestellt sind: Beim Meister kann Trainer Arne Slot zwischen dem brasilianischen Nationaltorwart Alisson und dem georgischen Auswahlkeeper Georgi Mamardashvili wählen, bei den Gunners hat David Raya die Nase vor dem gerade erst verpflichteten Ersatzmann Kepa.
Rooney wird deutlich
Weitere Champions-League-Teilnehmer aus Englands Eliteklassement sind Tottenham und Newcastle, die sich zwar jeweils mit Donnarumma verbessern würden, die aber zum einen auch mit Guglielmo Vicario (Spurs) und Nick Pope/Aaron Ramsdale (Magpies) ganz ordentlich aufgestellt sind und zum anderen nicht des Suchenden erste Wahl sein dürften. Bleiben noch drei Klubs. Einer ist Manchester United, der aus drei Gründen noch im Rennen ist: Der Klub hat Geld, was noch vor wenigen Monaten nicht so aussah, als man sogar das Kantinenessen für Mitarbeiter peinlicherweise strich. Der Klub hat Bedarf, da Torwart André Onana derzeit verletzt ist und wohl auch bei Coach Ruben Amorim nicht mehr so hoch im Kurs steht. Altay Bayindir ist keine hochkarätige Alternative. Und der Klub ist trotz allem immer noch englischer Rekordmeister (gemeinsam mit Liverpool) und verfügt somit über eine gewisse Anziehungskraft. Klub-Legende Wayne Rooney meinte sogar, es wäre "verrückt, wenn ManUnited nicht zuschlägt".
Überangebot bei zwei Top-Klubs
Andererseits: "Zuschlagen" kann United ja, aber ob sie ihr Ziel "treffen", steht auf einem anderen Blatt. Also: Ob Donnarumma das überhaupt will, wenn er - möglicherweise, Transferzeit ist immer Spekulatiuszeit - doch viel attraktivere Destinationen ansteuern könnte. Es bleiben nämlich noch Klub-Weltmeister FC Chelsea und der entthronte Champion Manchester City. Bei den Blues soll den Italiener die Stadt London reizen, doch Sightseeing dürfte nicht Prio 1 für ihn haben. Rein sportlich käme er in eine gute Mannschaft, die genau da, im Tor, jedoch Nachbesserungsbedarf hat. Also quantitativ nicht, doch qualitativ steht infrage, ob Robert Sanchez (trotz guter Klub-WM), Filip Jörgensen und Gabriel Slonina Königsklassenformat aufweisen. Und schließlich die Skyblues. Die haben auch drei Keeper, drei deutlich bessere als Chelsea, doch irgendwie ist bei Ederson und Stefan Ortega Moreno transfertechnisch selbst nichts ausgeschlossen und der gerade erst zurückgeholte James Trafford soll möglicherweise eher eine Investition für die Zukunft sein, die aber auch schneller beginnen könnte als gedacht.
Donnarumma soll begeistert sein von Pep
Donnarumma und City - das klingt beide Male nach allerhöchstem Regal, zwei, die irgendwie zusammenkommen sollten, könnte man denken. Und tatsächlich scheint es Donnarumma auch am ehesten dorthin zu ziehen, weil er von der Mannschaft und vor allem von Trainer Pep Guardiola angetan sein soll. Allerdings: Der legt bekanntermaßen großen Wert auf einen mitspielenden Torhüter, der, übertrieben formuliert, mit den Füßen noch besser mit dem Ball umgehen muss als mit den Händen. Und genau das ist eigentlich Donnarummas einzige Schwäche ... wie viele Augen da wohl Pep bereit ist zuzudrücken?
Wie gesagt: Aktuell sind das nette Gedankenspiele, fix ist nix. Vielleicht landet Donnarumma ja auch in seiner Heimat Italien? Sollte es aber die Premier League werden, wird es ein spannender Dreikampf mit der vorsichtigen Prognose, dass Chelsea alles in allem das "sinnvollste" Ziel wäre. Aber dass der Fußball selten einer Logik folgt, weiß Donnarumma am besten. Denn seine Verbannung aus Paris ist alles, aber nicht logisch.