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Erst der Keil, dann der Panikmodus: Krösche erklärt das Toppmöller-Aus

kicker

Nach zweieinhalb Jahren endete am Sonntag die Zeit von Dino Toppmöller bei Eintracht Frankfurt. An diesem Montag nahm Sportvorstand Markus Krösche ausführlich Stellung zur ersten Frankfurter Trainerentlassung inmitten einer Saison nach zehn Jahren.

Dem 45-Jährigen war anzumerken, dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen war. "Dino hat mit seinem Trainerteam dafür gesorgt, dass wir erstmals über die Liga in die Champions League gekommen sind. Unheimlich viele Spieler haben sich weiterentwickelt, er hat sich immer in den Dienst von Eintracht Frankfurt gestellt und daher möchte ich ihm einfach heute noch mal danken für seine Arbeit. Es wird uns immer verbinden. Es war ein außergewöhnlicher Erfolg." Die Freistellung ändere nichts daran, dass er Toppmöller für einen "herausragenden Trainer" halte.

Nur eben nicht mehr für den passenden Trainer im aktuellen Moment. Die eklatante Abwehrschwäche - wettbewerbsübergreifend 56 Gegentore, allein in der Liga 39 - schwebte schon seit Wochen als Damoklesschwert über dem Team. Das jüngste 3:3 in Bremen hat altbekannte Muster bestätigt und das Schwert letztlich zum Fallen gebracht. "Wir hatten nicht mehr die Überzeugung, dass das Trainerteam in diesem Bereich Lösungen finden kann", betonte Krösche. "Stagnierend bis rückläufig" sei die Entwicklung gewesen.

Erst der Keil, dann der Panikmodus

Erklären können sie sich die Probleme in Frankfurt nicht so recht. Die Stützen der Abwehrreihe, die genau das nicht mehr sind, heißen unverändert Robin Koch, Arthur Theate und Rasmus Kristensen. Alle drei kamen in den vergangenen Monaten nicht annähernd an ihr Leistungsniveau der Vorsaison ran. Fußball sei "viel Kopfsache", meinte Krösche. "Wir hatten das Gefühl, dass sich auch manchmal Trainerteam und Mannschaft ein bisschen verkeilen, dann die Überzeugung vielleicht schwindet und eine gewisse Unsicherheit und auch Unzufriedenheit hinzukommt."

"Solche Entwicklungen passieren im Fußball", sagte Krösche und nennt eine eigene Erfahrung. "Roger Schmidt und ich sind in Leverkusen freigestellt worden - das war eine ähnliche Situation. Das ist eine Kombination, die sich über eine Zeit entwickelt."

Kurzum: Mannschaft und Trainerteam konnten die gegenseitigen Erwartungen nicht mehr erfüllen. In dieser Konstellation glaubten die Verantwortlichen nicht mehr an die Rückkehr zur Stabilität. Das Tuch zwischen Trainer und Team sei aber keineswegs zerschnitten gewesen. "Die Jungs wollen die Dinge gut machen und kommen dann in eine Art Panikmodus, in dem sie nicht mehr als Team agieren, sondern individuell jeder versucht, seinen Weg zu gehen", erläuterte Krösche.

Die Formkurve zeigt schon länger nach unten. "Dass wir nicht zufrieden waren mit der Art und Weise, das war schon vor Weihnachten so", sagte Krösche. Doch damals war der Glaube noch vorhanden, gemeinsam das Ruder herumzureißen. Die Trainerfrage habe sich daher zum Jahresende noch nicht gestellt. "Wir wollten gemeinsam den Weg gehen, wir haben uns oft zusammengesetzt. Am Ende ist leider keine Verbesserung eingetreten. Warum der Zeitpunkt jetzt? Weil wir noch zwei Champions-League-Spiele haben und noch die Möglichkeit haben, in die K.-o.-Phase zu kommen".

Krösche widerspricht der Kritik

Einen Alleinverantwortlichen für das Scheitern gebe es nicht. Trainerteam, Mannschaft und Vorstandsriege nach Krösche in die Pflicht. Konkret wurde er im Dialog mit den anwesenden Journalisten aber nicht. "Sicherlich haben alle ihren Anteil daran, dass wir jetzt zu dieser Entscheidung kommen mussten, aber das werde ich sicherlich jetzt nicht mit euch hier diskutieren."

Der Sportchef selbst steht in der Kritik, weil die defensive Anfälligkeit auch den offensichtlichen Planungsfehlern auf der Sechserposition geschuldet ist. Weder Ellyes Skhiri, noch Hugo Larsson, Oscar Höjlund, Fares Chaibi, Mario Götze oder der eigentlich im Sommer aussortierte, letztlich aber doch wieder regelmäßig eingesetzte Mahmoud Dahoud haben die Klasse nachgewiesen, als Aufräumer vor der Abwehr und verlängerter Arm des Trainers auch in Phasen vorwegzugehen, in denen es kriselt. Wie seit Wochen und Monaten. Es fehlt ein klarer Anführer.

Dem widerspricht Krösche: "Ich bin überzeugt davon, dass wir eigentlich genug Qualität haben, das dementsprechend zu leisten. Natürlich gibt es immer Optimierungen. Wir sind aber überzeugt von der Mannschaft und der Qualität, die wir auf den einzelnen Positionen haben."

Vorerst darf sich das Interimsduo aus Dennis Schmitt, Trainer der 2. Mannschaft, und Vereinslegende Alex Meier, U-19-Trainer, daran versuchen, mehr aus den einzelnen Spielern herauszuholen. "Dennis ist schon länger bei uns, hat seinen Fußballlehrer abgeschlossen, hat schon gewisse Erfahrungen. Wir glauben, dass wir mit Dennis gewisse Themen angehen und einen Impuls setzen können. Er ist ein sehr talentierter Trainer", sagte Krösche über den 32-Jährigen.

Nur Fießer darf bleiben

Gemeinsam mit Jan Fießer, der als einziger von Toppmöllers Assistenten bleiben darf, stehen die beiden am Mittwochabend (18.45 Uhr, LIVE! bei kicker) in der Champions League bei Qarabag Agdam unter Siegzwang, um die Minimalchance auf die Play-offs zu wahren. Ob sie die Mannschaft auch beim Bundesligaspiel am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen die TSG Hoffenheim anleiten, wird sich zeigen.

Jegliche Fragen zum Stand der Trainersuche und potenziellen Kandidaten blockte Krösche ab. Einzig, das Anforderungsprofil skizzierte er sehr grob: "Wir wollen jemanden, der eine gewisse Art und Weise Fußball spielt - offensiven, mutigen Fußball. Und der in der Lage ist und die Bereitschaft hat, Spieler weiterzuentwickeln." Eine heiße Spur führt zum aktuellen Zeitpunkt zu Marco Rose.