Die Sache in Heidenheim, das betont Lukas Kwasniok, war nichts Persönliches. "Das Spiel hat es nicht hergegeben", begründet der Coach die Tatsache, dass Isak Johannesson nicht eingewechselt wurde. Weil zu viele gelernte Innenverteidiger verletzt fehlen, musste Sechser Eric Martel in der Abwehr aushelfen. Dadurch blieb im Mittelfeld nur noch Tom Krauß als eher defensiv orientierter zentraler Mann übrig, neben dem sich erst Denis Huseinbasic und schließlich der etatmäßige Außenstürmer Jakub Kaminski als offensiverer Part versuchen durften. Der Stabilität wegen also musste Johannesson auf der Bank bleiben - zum ersten Mal in dieser Saison. Eine Premiere, die durchaus nicht überraschend kam.
Dabei gehörte der Isländer zu den großen Hoffnungsträgern im Sommer. 5,5 Millionen Euro Ablöse ließ sich der 1. FC Köln die Verpflichtung des 22-Jährigen kosten, der bei Fortuna Düsseldorf der zentrale und wichtigste Mann im Mittelfeld war. Elf Tore und sieben Vorlagen in der Zweitliga-Spielzeit 2024/25 befeuerten die Erwartungen ebenso wie der starke kicker-Notenschnitt von 3,09. Mit Johannesson, das versprachen sich die Geißböcke, sollte ein neuer Chef fürs Zentrum kommen. Ganz besonders, nachdem ihn Kwasniok, damals noch Coach des SC-Paderborn, als einen seiner "Lieblingsspieler" bezeichnet hatte.
Der Stammplatz ging verloren
Der erste Eindruck bestätigte diese Ansicht. In der ersten Pokalrunde rettete der isländische Nationalspieler beim 2:1 gegen Regensburg mit seinem Last-Minute-Treffer seinen neuen Klub gleich vor einer Blamage. Es folgte eine ansehnliche Leistung als Regisseur beim 4:1 gegen Freiburg und der erste Bundesliga-Treffer beim 3:3 in Wolfsburg. Seitdem aber ist - abgesehen von einer weiteren Vorlage - nicht mehr viel in seiner Scorer-Statistik passiert.
"Nur weil er mal mein Lieblingsspieler in der 2. Liga war, heißt das lange nicht, dass er ein Topspieler in der Bundesliga ist", sagt Kwasniok. Vielmehr sei es "normal, dass nicht alle durch die Decke gehen, sondern es auch mal eine kleine Delle gibt". Ein Anpassungsprozess, der Johannesson den Stammplatz kostete. Denn abgesehen vom Wolfsburg-Spiel, in das er leicht angeschlagen ging, gehörte er stets zur ersten Wahl des Trainers. Doch seit Anfang Dezember hat sich der Wind gedreht. Als kreative Kraft im Mittelfeld nominierte Kwasniok nun immer öfter Huseinbasic. Auch, weil ein Grund für die etwas lahme Vorwärtsbewegung der Kölner ihren Ursprung im Mittelfeld hat. Und als Johannesson zum Jahresabschluss gegen Union Berlin (0:1) wieder starten durfte, gelang ihm eher wenig (kicker-Note 4,5).
Erhält Johannesson schon gegen Bayern die Chance?
"Insgesamt hat sich die Gesamtperformance von ihm nicht so ergeben, wie ich mir das gewünscht habe", findet auch Kwasniok. Zu Saisonbeginn sei sein Schützling befreiter gewesen, inzwischen aber in einem kleinen Tief. "Und am Ende ist es nicht so", begründet der 44-Jährige den Bank-Platz für Johannesson, "dass er komplett unantastbar war. Zu Beginn war er das." Jetzt müsse sich Johannesson mit anderen Konkurrenten um den Platz im Zentrum duellieren. "Das ist ein normaler Prozess."
Allerdings: Nachhaltig besser gemacht hat es Huseinbasic, wie Johannesson eher eine offensiv orientierte Kraft, nicht: In Heidenheim leitete der Bosnier mit einem Fehlpass den ersten Gegentreffer ein (kicker-Note 5). Gut möglich ist also, dass der Sommer-Zugang schon beim Duell mit dem FC Bayern am Mittwochabend (20.45 Uhr, LIVE! bei kicker) wieder seine Chance erhält. Denn in der Gunst seines Trainers steht Johannesson trotz Formdelle weiter. "Keine Sorge: Ich mag ihn nach wie vor", betonte Kwasniok und begründete: "Denn er hat echte Qualitäten."