Der KSV Hessen Kassel ist Erster der Regionalliga Südwest. Doch statt Saarbrücken, Essen oder Aachen werden die Nordhessen weiter die Stadien der vierten Liga ansteuern. Grund: Jene Spitzenplatzierung gilt einzig und alleine für die Jahrestabelle 2025. Jedwede Drittliga-Träume waren in Kassel sowieso zu keiner Zeit auch nur einen Funken realistisch. Das bis dato letzte Weihnachtsfest verbrachte der KSV Hessen tabellarisch betrachtet nämlich tief im Keller. Regionalliga? - Klingt auf einmal gar nicht mehr so schlecht.
Für Yannick Stark und Lukas Rupp kann man viele Adjektive finden, "schlecht" gehört garantiert nicht dazu. Die beiden höherklassig erprobten Routiniers wechselten weit nach Saisonstart ans Auestadion: Rupp Mitte September, Stark im Winter. Die Rechnung ging auf. Platz 1 im laufenden Kalenderjahr kommt nicht von ungefähr. Zur Vollständigkeit gehört: Der Anfang November als Cheftrainer installierte René Klingbeil konnte der Mannschaft nach der Wintervorbereitung neues Leben einhauchen.
Klingbeil gibt die Richtung vor
Klingbeil hatte bereits Anfang Mai seine Zusage für 2025/26 gegeben. Nun haben sowohl Stark als auch Rupp ihre Verträge bis 2026 ausgedehnt. Ein Erfolg am Verhandlungstisch für Geschäftsführer Sören Gonther, der jedoch die beiden Stützpfeiler in den Fokus rückt. Über Stark lässt Gonther verlauten: "Er hat der Mannschaft Stabilität und weitere Qualität verliehen. Zudem hat er sich als Teamplayer sehr gut in die Mannschaft integriert und ist schnell zu einem festen Bestandteil unseres Teams geworden." Als Sechser ging es für den 34-Jährigen schwerpunktmäßig darum, gemeinsam mit der Abwehrreihe für Ordnung zu sorgen. Mit nur 14 Gegentreffern war auch dieses Unterfangen von Erfolg gekrönt, nur der SGV Freiberg (13) kassierte 2025 noch weniger Gegentore.
Mit richtig viel Spielwitz überzeugte der international erfahrene Rupp. Vier Tore und vier Vorlagen sind für den ebenfalls 34-Jährigen notiert. Nach der Winterpause kam der gebürtige Heidelberger richtig in Form, auch eine Muskelverletzung in der zweiten März-Hälfe warf ihn nicht nachhaltig aus der Bahn. "'Ruppi ist ein hervorragender Typ, der nach innen und außen gut wirkt", bekräftigt Gonther, der Rupp als "wichtigen Unterschiedsspieler" adelt. Rupp selbst scheint richtig Gefallen an seiner Kasseler Mission gefunden zu haben: "Ich glaube an diese Mannschaft, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir eine gute Rolle in der kommenden Saison spielen können. Alleine was wir in der Rückrunde abgeliefert haben, dazu der Schulterschluss mit den grandiosen Fans im Rücken, das hat für mich den Ausschlag gegeben, weiterhin beim KSV zu bleiben."
Augenhöhe mit Wehen Wiesbaden
Zustimmung kommt von Stark: "Wir haben eine sehr starke Rückrunde gespielt mit dem Highlight im Pokalfinale, bei dem unsere Kasseler Fans eine echte Heimspielatmosphäre in Frankfurt erzeugt haben. Das zeigt, was wir für ein Potenzial haben." Jenes Pokalfinale ging gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden erst im Elfmeterschießen verloren (5:6). Augenhöhe mit einem Drittligisten? Gewiss, doch rund um Hessen Kassel dürfte nach der Tristesse im Winter 2024 das wohlige Gefühl überwiegen, mit zwei Leistungsträgern und reichlich Rückenwind in eine weitere Regionalliga-Saison starten zu können.