Das internationale Parkett bleibt ein gutes Pflaster für den SC Freiburg. Auch im vierten Spiel bleiben die Breisgauer in der Europa League ungeschlagen. In Nizza, an der malerischen Côte d’Azur, gewinnt die Schuster-Elf mit 3:1 - auch wenn sich eine Rahmenbedingung in der ersten Hälfte mitunter nicht dem höchsten Niveau würdig erwies. "Heute war es echt skurril", stellte Matthias Ginter nach Schlusspfiff am RTL-Mikrofon klar.
"Ich schaue ab und an mal bei meinen Kumpels in der Kreisklasse vorbei, da ist es manchmal so, dass der Ball etwas platt ist", sah sich der 31-Jährige an eine andere Spielklasse erinnert. Dreimal musste in der ersten halben Stunde der Ball ausgetauscht werden, weil dieser nicht den nötigen Druck hatte. Vor dem Anstoß des OGC nach dem Freiburger Ausgleich riss schließlich auch der Geduldsfaden des griechischen Schiedsrichters Anastasios Sidiropoulos, der sich gut von den Außenmikrofonen hörbar bei den Verantwortlichen vehement beschwerte.
Rabenschwarzer Tag von Bard
"Er hat gemeint, ein Ballsack war nicht aufgepumpt und der war leider hier ums Feld rum verteilt. Anscheinend haben sie ihn glücklicherweise zur Halbzeit aufgepumpt", berichtete Ginter über den Fauxpas in der Allianz Riviera.
Der bisherigen Erfolgsstory des SC bei der vierten EL-Teilnahme konnten aber auch die platten Bälle keinen Abbruch tun. Angespornt vom Rückstand drehten die Breisgauer an der Côte d’Azur auf und legten mit drei Toren innerhalb von 13 Minuten den Grundstein für den dritten Sieg (bei einem Remis, 1:1 in Bologna). Bitter für die weiterhin punktlosen Hausherren aus dem Departement Alpes-Maritimes: Jeweils hatte Nizza-Kapitän Melvin Bard seine Aktien an den Toren. Vor dem Ausgleich verlor der französische Kapitän am Strafraum den Ball, den Elfmeter zum zweiten Treffer verursachte er selbst und das 3:1 fälschte der 25-Jährige unglücklich ab.
So können die Breisgauer abermals Selbstvertrauen für den Liga-Alltag sammeln - in diesem ist noch etwas Sand im Getriebe. Zuletzt konnten die vergangenen fünf Spielen nicht gewonnen werden, zwischenzeitlich gewann die Schuster-Elf im DFB-Pokal mit 3:1 bei Zweitligist Fortuna Düsseldorf. "Grundsätzlich haben wir ein gutes Gefühl. Wir haben aus den letzten zwölf Spielen nur eins verloren, haben leider nur relativ oft Unentschieden gespielt." Mit vier Remis führt man die Liga in dieser Kategorie an.
Grifo: "Ich wünsche ihm am Sonntag, dass er feiern kann"
Der Unterschied am Donnerstagabend? Unter anderem auch die Zielstrebigkeit vor dem gegnerischen Tor, wie Vincenzo Grifo befand: "Wir haben so gute Jungs, die so gute Füße haben. Und deswegen müssen wir viel mehr zum Abschluss kommen."
Trotz des letztendlich souveränen Sieges sollte eine andere Person hingegen nur eine Randgeschichte bleiben: Christian Günter - wie zuletzt beim 0:0 in Berlin. Der Freiburger Linksverteidiger muss sich bis zu seinem Rekord noch gedulden. An der französischen Südküste erhielt abermals Jordy Makengo den Vorzug von Trainer Julian Schuster vor dem 32-Jährigen. Ein Einsatz fehlt dem Urgestein, um als alleiniger Rekordspieler an Andreas Zeyer vorbeizuziehen. "Deshalb wünsche ich ihm am Sonntag, dass er das feiern kann", dachte auch Grifo an seinen engen Freund.
Zur Feier des Tages würde der Deutsch-Italiener dann auch eine Ausnahme machen: "Wenn er es fordert und sich das wünscht, dass ich für den Abend auch ein Gläschen Wein trinken sollte, dann werde ich zwei Schlucke mittrinken." Zuvor gilt der Fokus jedoch erstmal dem Spiel auf St. Pauli (Sonntag, 15.30 Uhr, LIVE! bei kicker). Vielleicht kann dann dank der ganzen guten Füße auch auf das Ende der Sieglos-Serie angestoßen werden.