Seit einer Woche bereiten sich die Spieler der U 23 des 1. FC Nürnberg bei tropischen Temperaturen auf die neue Saison vor. Auch wenn der Blick natürlich hauptsächlich in die Zukunft gerichtet ist, haben die Verantwortlichen die nervenaufreibende Spielzeit 2024/25 noch einmal unters Mikroskop gelegt und Schicht für Schicht analysiert. Das anvisierte obere Tabellendrittel wurde deutlich verfehlt, der Klassenerhalt erst am drittletzten Spieltag eingetütet. "Saison mit Höhen und Tiefen, aber durchaus lehrreich", setzt Michael Wiesinger, Leiter des Nürnberger Nachwuchsleistungszentrums, als Überschrift über die vergangene Spielzeit.
Als einen gewichtigen Aspekt macht der 52-Jährige den Einsatz von bemerkenswerten 44 Akteuren, zusammengesetzt aus dem U-23-Stamm, U-19-Kräften und Abstellungen aus dem Lizenzkader aus. "Dadurch konnte sich kein gefestigter Kern bilden, der in wichtigen Spielen das Momentum auf unsere Seite gezogen und wichtige Punkte klargemacht hätte. Wir haben zu oft Führungen nicht über die Zeit gebracht. So mussten wir uns bis fast zum Schluss die Relegation vom Hals halten. In der Endphase haben es die Jungs aber gut gemacht."
Zum Saisonfinale fand das Team von Trainer Andreas Wolf in die Spur und mit drei Siegen und zwei Remis den Weg aus dem Keller. Die sportlich gesehen durchwachsene Saison geriet aber unter einem anderen Aspekt zu einer äußerst erfolgreichen für die Talentschmiede U 23. Mit Dustin Forkel, Tim Janisch und Nick Seidel fehlten drei Säulen der Regionalligamannschaft schon frühzeitig, weil sie sich durch starke Leistungen in den Fokus des Zweitligakaders gespielt hatten. Auszeichnung und Ansporn gleichermaßen für das Nürnberger NLZ. Und so gibt es auch keinen Grund, an der Vorgehensweise bei der Saisonplanung größere Änderungen vorzunehmen.
"The same procedure as last year? The same procedure as every year!" Der Saisonübergang bei der U 23 des 1. FC Nürnberg erinnert ein wenig an den Dialog des Silversterklassikers "Dinner for One". Jedes Jahr die gleiche bewährte Prozedur. Größere Teile des Kaders verlassen den Verein (meist nach zwei Jahren), die nachrückenden Leistungsträger der eigenen U 19 und einige Neuzugänge verleihen dem Regionalligakader ein stark verändertes Gesicht. Der Trainer der Zweitvertretung muss dann in wenigen Wochen aus den Einzelspielern ein funktionierendes Gesamtgefüge schmieden.
Glaube an Obiogumu
Zehn Spieler haben Nürnberg verlassen, darunter auch Leistungsträger Uche Obiogumu, der mit seinen elf Saisontreffern und sieben Assists zu einer Art Lebensversicherung im Abstiegskampf avancierte. Der Deutsch-Nigerianer wechselt auf Leihbasis zu Drittligaaufsteiger Schweinfurt 05, wo er auf höherem Niveau Spielpraxis sammeln soll. "Für Uche hat es für die 2. Liga noch nicht gereicht. Er braucht einen Zwischenschritt, den wir in der Regionalliga nicht bieten können. Schweinfurt als künftiger Drittligist bietet hier ein gutes Umfeld", traut Wiesinger dem schnellen Flügelstürmer eine Profi-Karriere beim FCN durchaus weiterhin zu.
Einen Wechsel wird es auch im Tor geben. Nicolas Ortegel zählte zwar zum Lizenzkader, stand aber in 26 Regionalligapartien zwischen den Pfosten. Der 21-Jährige wird zum BFC Dynamo verliehen. Für ihn wird voraussichtlich Profi-Neuzugang Robin Lisewski (U 19 von Borussia Dortmund) in der U 23 Spielpraxis sammeln. Leon Kickler von Rot-Weiß Walldorf komplettiert das Torwartteam. Stabilität in die stellenweise wackelige Abwehr sollen Rückkehrer Leo Eberle (SpVgg Bayreuth), Khalid Abu El Haija von Carl Zeiss Jena und Kristian Mandic aus der U 19 von Eintracht Frankfurt bringen.
Vor allem Mandic wird ein ähnlicher Werdegang wie Nick Seidel im Vorjahr zugetraut. Der 17-Jährige wird dieser Tage ins Training der Zweitligaprofis einsteigen. Dort wird er auch auf Piet Scobel treffen. Die Leistungen des Angreifers (fünf Tore bei zwölf Einsätzen), der in der Winterpause vom Eimsbütteler TV zum FCN kam, sind an höherer Stelle nicht unbemerkt geblieben. Scobel soll aber weiter behutsam aufgebaut werden und Einsatzzeiten in der Regionalliga bekommen. Dabei wird er gemeinsam mit Luca Horst auf Torejagd gehen. Der 19-Jährige kommt von Kickers Offenbach.
Konstanz gibt es indes auf der Trainerbank. Andreas Wolf geht in sein drittes Jahr als Coach der U 23. Dabei wird ihm ein neuer Assistent zur Seite gestellt. Dominik Tekeser, bisher U-16-Trainer, soll künftig seine jahrelange Erfahrung auf verschiedenen Trainerposten im Verein einbringen. Zur vollen Überzeugung von NLZ-Leiter Wiesinger: "Dominik hat schon viele Mannschaften im Verein durchlaufen, er verkörpert den FCN seit Jahren und hat unsere DNA verinnerlicht. Er kann noch mal neue Impulse reinbringen."
Spekulationen um Seligenporten
Bei allen Änderungen wird es in der kommenden Saison aber auch eine Konstante geben - den Valznerweiher als Heimspielstätte. Entgegen der Spekulationen, dass mehrere Heimpartien als Risikospiele ins 32 Kilometer entfernte Seligenporten verlegt werden müssen, dürfen die Franken weiterhin regelmäßig am heimischen Max-Morlock-Platz eintreten. Einzig das zuschauerträchtige Derby gegen die U 23 des FC Bayern München steigt weiter traditionell im Max-Morlock-Stadion. Dorthin würde man auch im Falle eines Flutlichtspiels in einer englischen Woche ausweichen, wie Wiesinger erklärt: "Wir haben einen sehr guten Kontakt zu den Verantwortlichen in Seligenporten. Die dortige Anlage wäre in jedem Falle geeignet. Aber aktuell ist das Stadion weiterhin unsere Ausweichoption, die wir beim BFV gemeldet haben."