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Feldhofer im Interview: "Man kann sich in der Arbeit gegenseitig aufziehen"

kicker

Am Samstag steht das Grazer Derby an. Mit welchen Emotionen blicken Sie diesem Spiel entgegen?

Es ist ein Spiel, auf das wir uns alle freuen. Ein Spiel, in dem meine Spieler wachsen können. Für viele ist es das erste Grazer Derby, da gilt es, jede Minute in einer tollen Atmosphäre zu genießen. Für uns ist es ein Kräftemessen gegen den amtierenden Meister. Wir sind klarer Außenseiter und wollen mit unseren Mitteln und Tugenden selbstbewusst auf den Platz gehen.

Sie sind Sturm-Legende und jetzt GAK-Trainer. Inwieweit schlagen aktuell noch zwei Herzen in Ihrer Brust?

Als Spieler habe ich in Österreich viel erlebt. Egal ob in Graz, Wien oder Innsbruck. Ich habe wertvolle Erfahrungen gemacht und Erfolge sowie Misserfolge bei den Vereinen gehabt. Als Trainer habe ich diese Eindrücke mitgenommen und daraus meine eigene Spielidee geformt. Ich habe im In- und Ausland schon einiges gesehen. Ich identifiziere mich stark mit meinem Umfeld, in dem ich arbeite. Als Trainer gehst du voran, ich habe ein klares Ziel mit der Mannschaft. Ich lege sehr viel Wert auf die Spielerentwicklung, möchte meine Spieler besser machen. Durch den Klassenerhalt haben wir beim GAK gemeinsam viel erlebt. Wir sind ein starkes Kollektiv geworden, haben es aus eigener Kraft geschafft. Ich bin stolz auf die Jungs, wie sie da mitgezogen sind. Demnach freue ich mich auf das Kräftemessen gegen Sturm in einem ausverkauften Stadion.

Sie wurden von Sturm-Fans nach Ihrer Bestellung zum GAK-Trainer zur "persona non grata" erklärt. Was löst das bei Ihnen mit Blick auf das Spiel am Samstag aus?

Es ändert nichts an meiner oder unserer Herangehensweise auf das Spiel. Wir versuchen, uns wie gewohnt bestmöglich auf den Gegner einzustellen. Bei Stadtderbys wird man immer mit besonderen Eindrücken konfrontiert - vor, während und nach dem Spiel. Diese Energien können wir positiv für uns mitnehmen und intelligent in das Spiel integrieren.

Mit dem Cup-Aus und drei Punkten in der Liga verlief der Saisonstart für den GAK eher durchwachsen. Welche Gründe haben Sie dafür ausgemacht?

Wir haben in den Spielen gegen die Austria, die WSG, Altach und phasenweise auch gegen Salzburg von der Spielanlage und vom Auftreten her eine sehr gute Figur gemacht. Nicht zu vergessen: Wir stecken mitten im Umbruch, haben uns in vielen Positionen neu formiert und versucht, den Kader qualitativ breiter und stärker zu machen, damit wir konkurrenzfähiger sind. Es bedarf auch Zeit, bis sich die Neuverpflichtungen an die neuen Bedingungen gewöhnen. Ich bin positiv überrascht, wie schnell das gegangen ist, und sehe die Entwicklung auf dem Platz positiv. Es gilt aber, weiter konsequent zu arbeiten und unseren Prinzipien treu zu bleiben. Dann werden wir auch am Spielfeld mit Punkten belohnt. Wir wollen in dieser Saison für mehr Überraschungen sorgen, der Klassenerhalt ist noch immer das große Ziel. Unsere Ressourcen sind nicht die größten in der Bundesliga. Sehr spannend für Spieler ist die Plattform, die wir ihnen bieten. Harte und ehrliche Arbeit wird immer belohnt. Wir wollen an den zuletzt gezeigten Leistungen dranbleiben und uns wie immer in gewissen Spielphasen verbessern.

Zuletzt holte Ihre Mannschaft in Altach ein Remis. Ein Zeichen, dass sich der GAK auf dem richtigen Weg befindet?

Wie schon gegen die WSG haben wir auch gegen Altach gegen den damaligen Tabellenersten gespielt. Beide Vereine sind sehr gut gestartet. Wir haben ihnen sehr viel abverlangt und waren sowohl mit als auch gegen den Ball gut im Spiel. Das Spiel in Vorarlberg war auch ein Zeichen, dass wir auswärts bestehen können. Zuhause wollen wir noch dominanter auftreten, unser Stadion soll ein Ort werden, an den man nicht so gerne kommt. Der GAK hat sich inhaltlich über die letzten Monate stark gewandelt. Es tut gut zu sehen, dass alle mitziehen und Spaß an der täglichen Arbeit haben.

Der GAK wartet noch auf den ersten Saisonsieg. Warum wird dieser ausgerechnet im Derby gelingen?

Unser Ziel ist es, unsere positiven Phasen im Spiel zu verlängern und noch mehr Intensität auf den Platz zu bringen. Es geht um die notwendige Energie und Überzeugung in allen Aktionen. Diese Tugenden will ich mit einem starken Kollektiv sehen, dann können wir für eine Überraschung sorgen. Sturm ist nach wie vor der große Favorit.

„Jedes Derby lebt von Emotionen und besonderen Geschichten. Diese Spiele bleiben immer in Erinnerung.“ (Ferdinand Feldhofer)

Für viele Fans ist das Derby im Saisonverlauf das Nonplusultra. Für Sie und Ihre Mannschaft auch?

Jedes Derby lebt von Emotionen und besonderen Geschichten. Diese Spiele bleiben immer in Erinnerung. Eine ganze Stadt spricht darüber, in der Arbeit kann man sich gegenseitig aufziehen. Es ist überall so - in Tiflis war es nichts anderes als in Brügge. Für die Entwicklung meiner Spieler ist es ein wesentlicher Bestandteil, wie sie mit dem größeren medialen Rummel umgehen, wie sie auf die Einflüsse im Stadion reagieren, wie sie mit der Situation wachsen und was sie alles mitnehmen können. Sturm ist es gewohnt, auf großen Bühnen zu tanzen. Wir sind da bescheidener, haben es in letzter Minute geschafft, in der Liga zu bleiben. Das ist auch ein Gewinn für die Stadt Graz und den Fußball in der Steiermark - sonst würden wir dieses Interview ja gar nicht führen.

Die Halbwertszeit im Trainergeschäft ist in Österreich eine sehr kurze. In dieser Woche gab es Gerüchte um ein mögliches Aus von Stephan Helm, der mit der Wiener Austria in der Vorsaison bis kurz vor Schluss um die Meisterschaft mitspielte. Inwieweit stimmt Sie das nachdenklich?

Meine Konzentration gilt voll meinem Job und der Vorbereitung auf das nächste Spiel. Das Trainergeschäft ist komplex, anspruchsvoll, fordernd, aber auch unglaublich bereichernd. Es gibt viele schöne Zeiten, aber auch herausfordernde Phasen. Wir haben ein Spiel vor der Brust - darauf liegt mein voller Fokus.

Auch Sie persönlich haben die Schnelllebigkeit des Trainergeschäfts nicht nur einmal am eigenen Leib erfahren. Haben Sie das Gefühl, beim GAK etwas ruhiger arbeiten zu können als anderorts?

Das Gesamtkonzept, die Vision des Vereins, die Herangehensweise, die Menschen, die hier arbeiten, haben mich überzeugt, dass wir hier gemeinsam langfristig etwas aufbauen können. Wir schaffen eine neue Spielkultur, bieten Spielern gute Voraussetzungen, um den nächsten Karriereschritt zu machen. Wir arbeiten vertrauensvoll und respektvoll miteinander. Es macht Spaß, am Trainingsplatz zu stehen und den Verein in allen Bereichen professioneller zu gestalten. Ich fühle mich hier sehr wohl.