"Derzeit müssen wir viel schlucken", bringt es Austria-Kapitän Manfred Fischer bei Sky unmittelbar nach der 1:3-Heimniederlage gegen den TSV Hartberg auf den Punkt. Seine Mannschaft liegt nach dem vierten Spieltag nur auf Rang elf. Einzig Blau-Weiß Linz hat weniger Punkte auf dem Konto als die Veilchen. Dass man auch den Oststeirern nichts entgegenzusetzen hat, war dann doch verwunderlich.
Doch woran liegt's? Fischer: "Mir kommt vor, es sind elf Einzelkämpfer, die versuchen, es über die Bühne zu bringen. Jeder lässt den anderen im Stich. Dann sieht das so aus, wie es heute ausgesehen hat. Furchtbar." Auch Trainer Stephan Helm zeigte sich ratlos: "Ich habe ganz andere Erwartungen an dieses Spiel gehabt. Aus so einer Situation spielt man sich nicht heraus, da muss man sich heraus arbeiten."
Austria muss "Zweikampfführung um 200 Prozent steigern"
Doch wie will sich die Austria aus dieser Krise kämpfen? Helm: "Indem man sich dessen bewusst ist, dass man in eine Situation geraten ist, in der einem das Wasser bis zum Hals steht." Fischer sieht den nötigen Hebel bei den Grundtugenden: "Was es braucht? Dass wir in erster Linie eine Zweikampfführung um 200 Prozent steigern."
In der Defensive ist die Austria oft zu passiv und fehleranfällig. In der Offensive fehlt es an Kreativität und Durchschlagskraft. Dass der Abgang von Dominik Fitz zu Minnesota United gegen Hartberg ins Gewicht fiel, verneint Johannes Eggestein: "Wir hatten die Probleme auch schon, bevor Fitzi gegangen ist. Der Saisonstart allgemein ist ziemlich in die Hose gegangen. Das kann man nicht an einem Spieler festmachen, sondern wir müssen uns als gesamtes Team hinterfragen."
"Werner raus"-Plakate auf der Ost-Tribüne
Ob Helm nach wie vor die Rückendeckung von der sportlichen Führung genießt, ist fraglich. Auf einen anstehenden Termin mit ebendieser meinte der Coach der Austria: "Es gibt immer Termine, wo wir die Leistung beprechen. Ich muss den Fokus darauf legen, dass wir die Situation so schnell wie möglich verbessern."
Auch für Sportdirektor Manuel Ortlechner sei die Situation "brutal ernüchternd". In der Sky-Sendung Talk und Tore meinte er außerdem: "Wenn mir das jemand vor der Saison gesagt hätte, dann hätte ich das gar nicht glauben können." Der Frage nach einem möglichen Aus von Trainer Helm wich Ortlechner aus, stärkte diesem aber den Rücken: "Es macht von den handelnden Personen niemand etwas anders, als im April. Das sind alles Leute, die in ihrem Fach sehr gut ist."
Für Unruhe sorgt weiterhin die Rolle von Sportvorstand und Investor Jürgen Werner. Fans fordern Werners Rauswurf. Vor der Partie gegen Hartberg sollen entsprechende Plakate auf der Ost-Tribüne zu sehen gewesen sein. Die Anhängerschaft kritisiert, dass der Verein nicht zwischen seinen beiden Funktionen trennt. "Wenn Jürgen Werner zu seinen Worten steht, dann ist jetzt die Zeit für Konsquenzen gekommen", stand unter anderem auf dem zweiseitigen Schriftstück geschrieben.
Hartberg-Trainer Schmid hat Mitleid
Einer, den die Krise der Veilchen klarerweise nicht kalt lässt, ist Hartberg-Trainer Manfred Schmid. Der wurde in Minute 65 erneut mit Sprechchören der Austria-Fans bedacht. "Natürlich habe ich das mitbekommen. Aber ich bin jetzt Trainer von Hartberg, mir tut es leid für die Spieler und mir tut es leid für den Trainer."
Welche Schlüsse die Austria aus der Niederlage vom Sonntag zieht und ob es Konsequenzen geben wird, bleibt abzuwarten. Die nächste Möglichkeit, den Turnaround zu schaffen, haben Fischer und Co. am kommenden Sonntag um 17 Uhr (LIVE! bei kicker), wenn der bis dato ungeschlagene SCR Altach in der Generali Arena zu Gast ist.