Der Schock aufgrund der gerade absolvierten 90 Minuten seiner Mannschaft stand Mark Flekken noch ins Gesicht geschrieben, als sich dieser in der Mixed Zone den Journalisten stellte. Und schon auf seine erste Antwort auf die Frage, wie er denn den Auftritt des deutschen Vizemeisters gesehen habe, dokumentierte, dass Mimik und Gefühlswelt des Torhüters absolut zusammenpassten.
Flekken macht aus seinem Herzen keine Mördergrube
"Willst du das wirklich wissen?", fragte der 32-Jährige, mehr rhetorisch natürlich, und als ihm dies selbstverständlich bejaht wurde, brauchte die vom FC Brentford für elf Millionen Euro geholte neue Nummer 1 sechs Sekunden um durchzuatmen und einmal hörbar durchzupusten, damit er die richtigen Worte fand für die Leverkusener Leistung bei der 1:2-Niederlage gegen Hoffenheim.
"Ein Spiel, bei dem nicht alles schlecht war, aber auch definitiv nicht viel gut", sagte der ehemalige Freiburger einleitend - um dann aber ausschließlich negative Kritikpunkte anzubringen. Flekken, um eine gemäßigte Antwort bemüht, wollte und konnte aus seinem Herzen keine Mördergrube machen. Zu tief saß offensichtlich die Enttäuschung über den Auftritt der Werkself beim Debüt ihres neuen Trainers Erik ten Hag.
Bayer kam nur zu einer Chance aus dem Spiel heraus
Dementsprechend schonungslos fiel seine Bestandsaufnahme aus. Dem Offensivspiel, das im Grunde genommen nicht stattgefunden hatte, verpasste er ein mangelhaft bis ungenügend. "Im eigenen Aufbauspiel hat Tempo gefehlt, zu viele einfache Fehler, wodurch du nicht in diesen Rhythmus reinkommst, um die Lücken zu reißen in der Defensive von Hoffenheim", analysierte der Keeper treffend, "am Ende ist es ziemlich deutlich, dass die größten Gelegenheiten aus Standards entstehen."
In der Tat waren drei der vier Leverkusener Torchancen wie auch der frühe Führungstreffer durch Jarell Quansah Standards entsprungen. Spielerisch blieb bei einer extrem statisch agierenden Werkself nur Stückwerk. Torjäger Patrik Schick, der schon in den Testspielen und in der ersten Pokalrunde beim Regionalliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach (2:1), wo er bei einer seiner wenigen Chancen zum 1:0 getroffen hatte, kaum in Abschlussposition gebracht wurde, blieb ohne Torchance.
„Dann spielst du mehr gegen dich selbst als gegen den Gegner.“ (Mark Flekken)
"Wenn die Lücken nicht da sind, ist es sehr schwierig nach vorne zu spielen und Patrik zu erreichen, hinter die Kette zu kommen. Dann ist es halt so, dass nur eine Chance aus dem Spiel herausspringt in der zweiten Halbzeit. Da müssen wir uns selbst an die Nase fassen, als den Gegner gut zu reden", analysierte Flekken, der eingestand, dass Bayer im Laufe der Partie auch immer mehr gegen die eigene Psyche antreten musste.
"Das kommt alles zusammen. Wenn du im eigenen Aufbauspiel zu viele Fehler machst, läufst du halt mehr hinter dem Ball her, als dass du mit dem Ball läufst. Dann fehlt irgendwann die Power und gehen die Köpfe runter, was natürlich nicht passieren sollte", erklärte Flekken den erschreckend schwachen Auftritt, "aber es ist passiert. Dann spielst du mehr gegen dich selbst als gegen den Gegner."
Flekken nimmt Tapsoba und Quansah in Schutz
Jegliche Alibis wischte der niederländische Nationalspieler vom Tisch, ehe sie genannt wurden. "Wir müssen selbst mehr bei uns nachschauen, nicht beim Gegner", weiß der Hüne, der auch an Bayers Spiel gegen den Ball klare Kritik übte. Wobei er den beim 1:2 äußerst unglücklich agierenden Edmond Tapsoba ("Es war einfach eine sehr unglückliche Situation") sogar noch in Schutz nahm.
Der zentrale Innenverteidiger in der Dreierkette hatte dabei einen weiten Schlag von TSG-Keeper Oliver Baumann nicht klären können; Quansah, der bereits beim 0:1 Torschütze Fisnik Asllani viel zu spät wahrgenommen und zu viel Raum gelassen hatte, war nicht konsequent dazwischengegangen. "Das sind die größten Stinkbälle für die Verteidiger, die so hinter der Kette runterkommen", relativierte Flekken die Aussetzer.
„Heute haben wir es versucht und es hat nicht geklappt. Das müssen die Trainer analysieren.“ (Mark Flekken)
Das quasi nicht stattfindende Leverkusener Pressing beurteilte er weniger verständnisvoll. Dieses Element war noch in den Tests beim VfL Bochum (2:0), bei Fortuna Sittard (2:1) und gegen Pisa SC (3:0) zumindest phasenweise als effektives Mittel angewandt worden, danach beim FC Chelsea (0:2) und im Pokalspiel aber schon extrem verblasst.
"Vielleicht hat das ja was mit den Gegnern in der Vorbereitung zu tun - keine Ahnung. Heute haben wir es versucht und es hat nicht geklappt. Das müssen die Trainer analysieren. Es ist einfach so, dass es heute nicht gestimmt hat. Da brauchen wir nicht groß drumherum reden. Wir müssen uns selber an die Nase fassen. Aber jetzt alles schlecht zu reden, wäre auch falsch."
Die Mängelliste könnte kaum länger ausfallen - es fehlt noch Qualität
Kein Aufbauspiel, keine flüssigen Kombinationen, kein erfolgreiches Spiel ins letzte Drittel, geschweige denn in den Strafraum, kaum Torchancen, kein funktionierendes Pressing oder Gegenpressing. Dazu noch luftiges und inkonsequentes Zweikampfverhalten - länger kann eine Mängelliste kaum ausfallen.
Dass mit Tapsoba, Piero Hincapie und Schick nur drei Akteure in der Startelf standen, die in der Rückrunde der Vorsaison Stammspielern waren, mag ein Teil der Erklärung für den erschütternden Auftritt sein. Wobei der Fakt, dass in der Anfangsformation auch nur drei Sommer-Zugänge standen, den an diesem Tag nicht nur aufgrund von Ausfällen unverkennbaren Qualitätsverlust dokumentiert.
„Wir sollten das jetzt intern nicht zu lange als Ausrede benutzen, dass es eine ganz neu gemischte Mannschaft ist.“ (Mark Flekken)
Doch Flekken ist bewusst, dass es nicht hilfreich ist, solche Argumente heranzuziehen, wenn man gravierende Verbesserungen möglichst schnell herbeiführen möchte. Man müsse in so einer Situation "am besten Geduld haben. Nur in diesem Geschäft bekommst du nicht immer die Zeit", weiß der Profi, dem bewusst ist, dass die Gefahr, sich selbst zu belügen groß ist.
"Wir sollten das jetzt intern nicht zu lange als Ausrede benutzen, dass es eine ganz neu gemischte Mannschaft ist", forderte Flekken unmissverständlich, um dennoch aufgrund der gegebenen Tatsachen, um etwas Nachsicht zu bitten.
Von den Feldspielern auf der Bank war nur der 21-jährige Poku kein Teenager
"Wenn du die Startelf anschaust, sind da sechs andere Jungs drin als letztes Jahr in der ersten Elf", umriss der Torhüter die Veränderungen. Auf Bayers Ersatzbank war der 21-jährige Sommer-Einkauf Ernest Poku der einzige Feldspieler, der kein Teenager war. Qualitativ nachlegen konnte Erik ten Hag nicht, der im Moment noch mehr Opfer als Täter bei dem noch nicht vollzogenen Umbruch ist.
"Die Spieler, die reinkommen, sind neu", unterstrich Flekken und verwies dabei auch auf den 19-jährigen, von Manchester City ausgeliehenen Hoffnungsträger Claudio Echeverri, der nach einem halben Jahr fast ohne Spielpraxis konditionell noch Nachholbedarf hat, erst in der 84. Minute eingewechselt wurde.
„Claudio hat zweimal mit uns trainiert - wie willst du dann eingespielt sein?“ (Mark Flekken)
"Claudio hat zweimal mit uns trainiert - wie willst du dann eingespielt sein?", stellt Flekken fest, "wir brauchen Zeit und wir können nur um Geduld bitten und intern 100 Prozent daran arbeiten, dass so schnell wie möglich auf den Platz zu kriegen."
Dafür müssen Trainerteam wie Spieler und auch die Verantwortlichen, die dem Kader noch entscheidende Verstärkungen zuführen müssen, schon in dieser Woche vor dem Spiel in Bremen ganze Arbeit leisten.