Rückblende: Im Juni 2020 reiste die SpVgg Greuther Fürth am 31. Spieltag der 2. Bundesliga zum 1. FC Nürnberg. Für das Kleeblatt ging zum damaligen Zeitpunkt nach oben nichts mehr, andererseits war die gefährdete Zone beruhigend weit entfernt. Deshalb konnte Fürth die paar Kilometer in den Süden der Franken-Metropole ganz entspannt antreten.
Und beim 1. FC Nürnberg? Der Club schwebte als Tabellen-15. nach 30 Partien mal wieder in akuter Abstiegsgefahr, eine Niederlage gegen den Nachbarn galt es unter jeglichen Umständen zu vermeiden - ungleiche Voraussetzungen also für das 266. Frankenderby.
Doch etwas war an jenem 13. Juni komplett anders als in den 265 Vergleichen zuvor: Denn statt der sonst üblichen prickelnden und hochemotionalen Atmosphäre herrschte eine fast schon beängstigende Stille vor - wegen der Corona-Pandemie fand die Partie im Max-Morlock-Stadion damals vor leeren Rängen statt. Zumindest jene, die es mit dem neunmaligen Deutschen Meister hielten, dürften ihr erzwungenes Fernbleiben im Nachgang aber nicht betrauert haben.
Der gebürtige Nürnberger wird zum Fürther Matchwinner
Denn im heimischen Stadion musste sich der Club mit 0:1 geschlagen geben - ausgerechnet der gebürtige Nürnberger, Fürther Eigengewächs und heutige Leipziger Nationalspieler David Raum köpfte das Kleeblatt in der 56. Minute zum Sieg. Eine Niederlage, die nicht nur den Seelen der Club-Fans weh tat, sondern auch tabellarisch Auswirkungen hatte: Denn tags darauf bezwang der Karlsruher SC im badisch-schwäbischen Duell den VfB Stuttgart mit 2:1, weswegen der Club auf den Abstiegsrelegationsplatz abrutschte.
Und weil er dort bis Saisonende verharrte, musste er im Anschluss in die Relegation gegen den Drittliga-Dritten FC Ingolstadt 04. Gegen die Schanzer schien der Club einmal mehr auf dem besten Weg zum sprichwörtlichen "Depp" zu werden, ehe Fabian Schleusener sechs Sekunden vor dem Ende des Rückspiels das wohl wichtigste Tor der vergangenen Jahre für Nürnberg erzielte.
Lubach will "Fans den Sieg schenken"
Das 276. Wiedersehen an diesem Sonntagnachmittag (13.30 Uhr, LIVE! bei kicker) steht nun unter genau umgekehrten Vorzeichen: Gespielt wird in Fürth, dieses Mal ist es das heimische Kleeblatt, das als Vorletzter vor dem 32. Spieltag ums sportliche Überleben kämpft. Der Club dagegen machte vor Wochenfrist mit dem 1:0 gegen den 1. FC Magdeburg den Deckel auf die Saison drauf, kann also seinerseits den kurzen Weg Richtung Westen ganz gelassen beschreiten und im Ronhof befreit aufspielen. "Wir wollen unseren Fans den Sieg schenken", kündigte Rafael Lubach an, der gegen Magdeburg zum Dreier traf.
Sollte Lubachs Wunsch am Sonntagnachmittag in Erfüllung gehen, würde der FCN dieses Mal die Sorgen des Kleeblatts gehörig vergrößern. Zwar würde eine Derbypleite für Fürth nicht den vorzeitigen K.o. bedeuten, die Mission Klassenerhalt wäre dadurch aber massiv erschwert. Denn am Wochenende darauf gastiert Fürth bei Hertha, aus dem Olympiastadion nahm das Kleeblatt in der 2. Liga bisher erst einen einzigen Punkt mit nach Hause und wartet gar noch auf den ersten Treffer. Und am 34. Spieltag kommt dann Fortuna Düsseldorf in den Ronhof - die Rheinländer belegen vor dem 32. Spieltag den letzten Nicht-Abstiegsplatz.
Hrgota und Green auf Seiten Fürths noch dabei
Der Druck liegt also klar auf Seiten Fürths, das seit über zwei Jahren keinen Dreier mehr gegen Nürnberg feiern konnte. Ein Sieg gegen den ungeliebten Lokalrivalen könnte aber neue Energie freisetzen und eine perfekte Steilvorlage für die Rettung werden. Aus dem Team, das im Juni 2020 den Club ins Tal der Tränen schickte, stehen mit Branimir Hrgota und Julian Green noch Spieler im aktuellen Kader von SpVgg-Coach Heiko Vogel. Der Schwede Hrgota wird Fürth als Kapitän auf das Feld führen, für den von Verletzungen gebeutelten Mittelfeld-Regisseur Green bleibt wohl nur ein Platz auf der Bank. Bei Nürnberg, das in der Vergangenheit etliche Umbrüche vom Format L bis XXL erleben musste, kann lediglich noch Ersatzkeeper Christian Mathenia von 2020 berichten.