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Für Matthäus war es "die größere Frechheit": Wie Ajax Europas Thron bestieg

kicker

Heute vor 30 Jahren am 24. Mai 1995

Zunächst einmal zu den blanken Zahlen dieses Duells zwischen Ajax Amsterdam und der AC Mailand: Spielnote 3, 2:4 Chancen und in 90 Minuten nur ein einziges Tor, das letztendlich den Unterschied ausmachte. Es war also ein zähes, ja ein eher biederes Champions-League-Finale 1995.

In einem Endspiel, das derart taktisch geprägt war, dass es kaum spielerischen Glanz verströmte, war Milan, der Titelverteidiger, 45 Minuten lang obenauf. Die Rossoneri bestachen mit ihrer Schläue und ihrer Finesse und erstickten sämtliche Vorstöße, die Ajax wagte, schon im Keim. So kam bei den jungen Niederländern gar nicht erst Spielfreude auf.

Das aber war die größere, die übergeordnete Geschichte, die auch heute noch, exakt drei Jahrzehnte später, interessant ist an diesem Champions-League-Finale: Es trafen zwei Denkschulen aufeinander, zwei grundverschiedene Ansätze und Ideen.

Auf der einen Seite stand Milan, das schon damals als abgeklärt, raffiniert und unerschrocken galt. Und auf der anderen das jugendliche und spielfreudige Ajax mit seinem Trainer Louis van Gaal, einem "Meister-Taktiker", wie der kicker nach jener Europapokal-Nacht 1995 gegen Milan schrieb.

In der zweiten Hälfte hatte van Gaal einen gewissen Frank Rijkaard aus dem defensiven Mittelfeld etwas weiter nach vorne beordert und damit entscheidend Einfluss auf das Spiel genommen. Jener Rijkaard, der zuvor ausgerechnet mit Milan schon zweimal den Henkelpokal gewonnen hatte und dort zur Legende aufgestiegen war. Nun war er zurück bei seinem Jugendverein Ajax, und Rijkaard war es auch, der die Vorlage zum entscheidenden 1:0 lieferte. Der Torschütze: Patrick Kluivert, in jener Champions-League-Nacht von Wien gerade einmal 18 Jahre jung, in der 70. Minute für Jari Litmanen eingewechselt und in der Schlussphase ein "Aktivposten, dem Milan nichts mehr entgegenzusetzen hatte".

  • Manfred Bender wird 59
  • Eric Carriere wird 52
  • Vladimir Smicer wird 52
  • Ioannis Goumas wird 50
  • Rodrigo de Paul wird 31

  • Urruti im Jahr 2001
  • Pazos im Jahr 2019

Kluivert steht für den Jugendstil

Damit stand der Mann des Abends stellvertretend für den Amsterdamer Jugendstil, der nach dem Spiel in aller Munde war. Während Milan Erfahrung pur in die Waagschale warf, wollte Ajax mit jugendlichem Esprit auftrumpfen. Und das gelang. "Die größere Frechheit hat gesiegt", schrieb Lothar Matthäus in einem Gastbeitrag für den kicker und leitete aus den 90 Minuten für die Bundesliga ab: "Lernen muss der deutsche Fußball aus diesem Spiel in jedem Fall, dass wir uns im taktischen Bereich verbessern müssen."

Es war ja, und das war eine weitere interessante Facette dieses Endspiels, auch ein Duell zweier Trainer-Großmeister: van Gaal auf der einen Seite - und auf der anderen Fabio Capello, der schon 22 Jahre zuvor, 1973, als Spieler von Juventus Turin in einem großen Finale an Ajax gescheitert war.

Jetzt hatte Capello erneut das Nachsehen. Gegen eine Amsterdamer Rasselbande, die man allerdings nicht auf ihre Jugend reduzieren sollte. Zwar waren nur Rijkaard und Danny Blind im Mai 1995 älter als 25, aber das sei "nur die halbe Wahrheit", urteilte der kicker und nahm die Rolle von Rijkaard in den Blick.

Für den 32-Jährigen war das Champions-League-Finale der letzte internationale Auftritt, am darauffolgenden Wochenende trat er mit einem Spiel in der Eredivisie ab und beendete seine große Karriere. In Wien hatte Rijkaard noch einmal aufgetrumpft. "Vertrauen in den Vorwärtsdrang der Frischlinge ist gut", schrieb der kicker, "doch Kontrolle durch einen Routinier wie Rijkaard ist bisweilen unerlässlich."

„Dieses junge Team kann nun über Jahre hinaus Maßstäbe im internationalen Fußball setzen.“ (Der kicker 1995)

Und möglicherweise ist das auch die Erklärung, warum Ajax das große Versprechen nie halten konnte, dass diese unverbrauchte und enthusiastische Mannschaft in der Champions-League-Saison 1994/95 gab. Nach dem Triumph über Milan hätten die Niederländer ja gut und gerne den europäischen Fußball beherrschen können. "Dieses junge Team", mutmaßte der kicker, "kann nun über Jahre hinaus Maßstäbe im internationalen Fußball setzen."

Es sollten nur zwei internationale Titel folgen

So sah es im Mai 1995 ja tatsächlich aus - nach diesem ersten Champions-League-Sieg für Ajax, das vor der Reform dreimal den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte. Doch im Gegensatz zu 1971, als sich 1972 und 1973 prompt die nächsten großen Triumphe anschlossen, war 1995 nicht der Ausgangspunkt einer neuen Vorherrschaft.

Zwar gewann Ajax im selben Jahr den Weltpokal und stand 1996 gleich wieder im Endspiel der Champions League. Diesmal aber siegte der Gegner aus Italien, in dem Fall Juventus Turin, im Elfmeterschießen. In Amsterdam war die Hoch-Phase damit schon wieder vorbei, van Gaal zog ein Jahr später weiter zum FC Barcelona und holte einige seiner Spieler nach. Bis zum heutigen Tage kam für Ajax kein einziger internationaler Titel mehr hinzu.