Es war wie verhext am Samstagabend an der Stamford Bridge. Egal, was Chelsea auch versuchte, gegen Manchester United wollte der Ball nicht über die Linie gehen. Sinnbildlich dafür standen zwei Lattentreffer durch die Kopfbälle von Liam Delap und Wesley Fofana. Die Blues hatten fast 60 Prozent Ballbesitz und gaben 21 Schüsse ab, United derweil nur vier - und trotzdem stand unterm Strich schließlich ein 0:1.
Obendrein kam der Treffer des Abends auch noch unglücklich zustande aus Blues-Sicht. Nach einem Zusammenprall mit Robert Sanchez musste Weslay Fofana behandelt werden und den Platz verlassen. In dieser Phase traf Matheus Cunha oben rechts in die Maschen. Damit haderte auch Coach Liam Rosenior auf der Pressekonferenz nach dem Spiel: "Das Ergebnis war wirklich bitter. Sie hatten nur einen Schuss auf unser Tor, als wir wegen einer Verletzung nur zu zehnt spielten, und dann haben sie getroffen. Das sollte eigentlich unmöglich sein."
Chelsea mit vier Ligapleiten in Serie
Doch so unglücklich der Rückstand auch zustande kam, so muss sich Chelsea auch die fehlende Chancenverwertung ankreiden lassen. "Wir haben Angriffswelle um Angriffswelle gestartet, Flanken in den Strafraum geschlagen und unsere Chancen einfach nicht genutzt", analysierte Rosenior und fügte warnend an: "Wir dürfen nicht in einen Teufelskreis geraten oder uns selbst bemitleiden."
Trotzdem äußerte sich der Trainer auch optimistisch hinsichtlich der erbrachten Leistung: "Die Leute wollen nicht hören, wie gut wir gespielt haben und dass wir die Partie trotzdem nicht gewonnen haben, aber es gibt viele Aspekte unseres Spiels, die zeigen, dass wir gewinnen können."
Nach vier Liganiederlagen in Serie und dem sang- und klanglosen Ausscheiden in der Champions League gegen Paris St. Germain blieben die Blues jedoch genau das zuletzt schuldig. Gewinnt Liverpool im Merseyside-Derby am Sonntagnachmittag (15 Uhr, LIVE! bei kicker) bei Everton, wäre der fünfte Platz und die sichere Champions-League-Qualifikation bereits sieben Zähler entfernt. Keine leichte Aufgabe für Rosenior. Stehen doch nur noch fünf Spiele in dieser Saison aus.
Sonderlob und leichte Entwarnung für Fernandez
Zudem machen auch die Verletzungen Sorgen. Neben den am Oberschenkel verletzten Reece James, Jamie Gittens und Joao Pedro fehlt auch Levi Colwill mit einem Kreuzbandriss noch länger. Gegen die Red Devils musste nach 16. Minuten erst Estevao verletzungsbedingt ausgewechselt werden und kurz vor Schluss auch Enzo Fernandez, der nach seiner Suspendierung für zwei Spiele wieder in der Startelf stand.
"Er hat in der Halbzeit geweint; es war wirklich niederschmetternd für ihn. Es sieht nach einer Zerrung im Oberschenkel aus", beschrieb Rosenior die Situation von Estevao. Der quirlige Brasilianer zog sich die Zerrung wohl in einem Laufduell unmittelbar vor seiner Auswechslung zu.
Leichte Entwarnung gab der Trainer hingegen bei Fernandez: "Ich habe ihn in der Kabine gesehen. Ich glaube, es war seine Wade. Ich hoffe, es ist nur ein Krampf, denn wir wollen ihn natürlich am Dienstag fit haben." Dann gastiert Chelsea bei Brighton & Hove Albion. Der Streit mit dem Argentinier, der zuletzt mehrfach mit einem Wechsel kokettierte und auch den Trainerwechsel anzweifelte, scheint also beigelegt zu sein, was auch Roseniors Worte andeuten: "Er hat heute Abend alles für den Verein gegeben. Von einem Mann seines Kalibers und seiner Klasse erwarte ich nichts anderes."